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In den Lokalen in China sind immer seltener Expats zu sehen.
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Isolation

China und der Aderlass bei Expats

In der nächsten Dekade wird nahezu ein Drittel des globalen Wirtschaftswachstums in China generiert. Doch den dortigen Konzernen gehen die ausländischen Fachkräfte aus.

Peking. Wie stark die Coronapandemie China vom Westen isoliert hat, lässt sich in den großen Ostküstenmetropolen mit bloßem Auge erkennen. Wer sich in typischen Expat-Kneipen im Pekinger Sanlitun-Viertel umhört, bekommt die immer gleiche Antwort: Die typische Stammkundschaft – Englischlehrer, Autoingenieure und Kaufleute – ist seit vergangenem Frühjahr um etwa die Hälfte weggebrochen.

Nun hat die jüngste Umfrage der europäischen Handelskammer in China Zahlen vorgelegt, die auf eine regelrechte Abwanderung ausländischer Fachkräfte hindeuten. Noch immer klagen drei Viertel aller befragten Unternehmen über Angestellte, die in ihrer Heimat gestrandet sind und denen die Rückreise nach China verwehrt wird. „Viele von ihnen haben mittlerweile einfach aufgegeben. Es gibt die berechtigte Sorge, dass sich der Pool an talentierten Mitarbeitern niemals vollständig erholen wird“, heißt es in dem Bericht. Und die Lage wird sich künftig weiter verschärfen, weil es derzeit für heimische Unternehmen mit Sitz in China „extrem schwierig“ ist, Nachfolge-Visa für auslaufende Expat-Verträge zu erhalten.

Gleichzeitig, und das ist die zweite Kernaussage des Reports, wollen die Unternehmen trotz der politisch zunehmend aufgeheizten Lage weiter ins China-Geschäft investieren. Überraschen sollte das nicht, denn für gewinnorientierte Firmen führt in Zukunft erst recht kein Weg am Reich der Mitte vorbei: In der nächsten Dekade wird nahezu ein Drittel des globalen Wirtschaftswachstums in der Volksrepublik generiert.

Dennoch stellt sich die Frage, welche Auswirkungen die abwandernden Expats auf das China-Geschäft europäischer Unternehmen haben werden.