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Die Bilanz

Wer will noch Europas Staaten finanzieren?

EU leaders summit in Brussels
EZB-Chefin Christine Lagarde: Die Notenbank macht den Staaten das Schuldenmachen leicht – und bastelt solcherart an einer gefährlichen Staatsschuldenbombe mit.REUTERS
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Die EZB ist de facto zum einzigen Financier der Euroland-Defizite geworden. Eine gefährliche Entwicklung: Die Notenbank konstruiert damit an einer Staatsschuldenbombe mit, deren Detonation sehr unangenehm werden könnte.

Die Bombe verbirgt sich verschämt im fünften Absatz: Es gelange zu viel Geld in Umlauf, wenn die EZB den Kredithunger der Staaten weiter durch den Kauf von Staatsanleihen stille, schrieb Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank, in seinem Economic Briefing im Vorfeld der gestrigen Sitzung der Europäischen Zentralbank.

Und jetzt kommt's: „Im vergangenen Jahr hatte sie mit ihren Käufen die gesamten Haushaltsdefizite der Euroländer finanziert.“ Für die, die es genauer haben wollen: Im Coronajahr 2020 waren die Netto-Anleihekäufe der EZB umfangreicher als die Nettoemissionen der Euroländer.

Das riecht nach brandgefährlicher (und in den EU-Verträgen aus gutem Grund verbotener) direkter Staatsfinanzierung aus der Notenpresse. Ist es formell natürlich nicht, weil Banken als Kurzzeitinvestoren dazwischengeschaltet sind. Aber deshalb ist die Sache nicht weniger bedenklich: Die Zentralbank bastelt damit an einer europäischen Schuldenbombe mit, deren Hochgehen ziemliche Verwüstung anrichten könnte.