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Interview

Aufbruch in ein neues Holzzeitalter

Querschnitt eines Baumstamms mit sichtbaren Jahresringen
Querschnitt eines Baumstamms mit sichtbaren JahresringenGetty Images
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Holz ist gefragt wie nie. „Der größte Zukunftsmarkt ist die Stadt“, sagt Johannes Konnerth, seit April Professor für Holztechnologie an der Boku Wien. Doch die neuen Technologien werden zum Teil erst entwickelt.

Die Presse: Im Titel Ihrer Antrittsvorlesung Anfang Mai haben Sie Holz als Multitalent bezeichnet. Was kann Holz heute, woran keiner denkt?

Johannes Konnerth:Das ist tatsächlich unglaublich. Holz ist zwar traditionell als Baumaterial bekannt, entwickelt sich als solches aber momentan dramatisch weiter. Wir erleben ein Holzzeitalter, in dem Beton und Stahl ersetzt werden, auch in Städten. Dass man Holz für Möbel und Papier nutzt, weiß man. Dass man es auch für Textilien verwendet, vielleicht schon weniger. Kaum jemandem ist bewusst, dass man Holz auch in der Medikamentenherstellung einsetzt, um bei Tabletten eine Zellulosehülle zu bilden, oder dass der Zuckerersatz im Kaugummi aus Holz ist oder das Vanillin in Vanillezucker. Was manche vielleicht nicht wissen wollen, ist, dass Zellulose in sehr günstigem Orangensaft das Fruchtfleisch ersetzt oder dafür sorgt, dass Käse gut zu schneiden ist. Wir nehmen es als natürlichen Bestandteil zu uns wie andere Grünmaterialien. Daran ist nichts verwerflich, es überrascht aber doch.

Dass es in Autos und Flugzeugen verbaut ist, mag auch manche überraschen.

Ja, aber das ist nicht neu. Vor hundert Jahren waren alle Autos mit Holz gebaut. Dann sind es nur ganz wenige, sehr teure Sportwagen gewesen, die man mit Holz konstruiert hat und die dann nur eine Blechverkleidung bekommen haben. Jetzt aber muss die Autoindustrie nachwachsende Rohstoffe einsetzen, sie ist zum Teil dazu verpflichtet. Da bietet sich Holz an: nicht als Dekormaterial, sondern in der Struktur, zum Beispiel als Verstärkung für den Crashfall. Das würde man Holz wohl eher nicht zutrauen.