Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

US-Warnung vor Terrorgefahr in Europa

(c) AP (BRENNAN LINSLEY)
  • Drucken

Das amerikanische Außenministerium in Washington hat US-Bürger in Europa zur Vorsicht gemahnt. Europäischer Druck vereitelte angeblich sogar eine offizielle Reisewarnung. Diese hätte Konsequenzen für den Tourismus.

Washington. Die Angst vor Terroranschlägen in Europa hat neue Nahrung bekommen. Am Sonntag hat das US-Außenministerium in einer offiziellen Note seine Bürger in Europa aufgrund akuter Terrorgefahr zu erhöhter Vorsicht aufgerufen. Dem Vernehmen nach erwog Washington sogar, eine Reisewarnung auszusprechen, nahm aber auf Druck europäischer Regierungen davon Abstand.

Eine Reisewarnung hätte größere Konsequenzen für den Tourismus. US-Touristen würden scharenweise ihre Reisen absagen, Fluglinien einen Teil ihrer Europaflüge stornieren, Hotels in London, Rom oder Paris arge Einbußen erleiden.

Vorbild Mumbai

Amerikaner sollten vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln oder in öffentlichen Infrastruktureinrichtungen Vorsicht üben, heißt es in der Erklärung des State Department. Seit Längerem schon malen US-Terrorexperten ein Szenario wie jenes vor zwei Jahren in der indischen Metropole Mumbai an die Wand. Pakistanische Terroristen haben sich damals mehrere Tage unter anderem im Luxushotel „Taj Mahal“ verschanzt und Angst und Schrecken verbreitet. Killerkommandos durchstreiften das Hotel, töteten Dutzende Gäste, feuerten in den Straßen und Cafés wahllos auf Passanten und Gäste. Insgesamt kamen bei der Anschlagserie im November 2008 mehr als 170Menschen ums Leben.

US-Geheimdienste gehen davon aus, dass Terrorgruppen wie al-Qaida wegen der scharfen Sicherheitsvorkehrungen davon abgerückt sind, spektakuläre Attentate à la 9/11 auszuführen, die hohe Logistik erfordern. Stattdessen würden sie sich auf „weiche Ziele“ konzentrieren – Hotels, Museen, Einkaufszentren. Das bekräftigte jüngst auch Heimatschutzministerin Janet Napolitano bei einem Hearing im Kongress. James Clapper, der neue Koordinator der US-Sicherheitsdienste, nannte die „hausgemachten“ Terroristen die inzwischen größte Gefahr.

Hausgemachte Terroristen wie der 36-jährige Hamburger Ahmed Sidiqi sind es auch, die die westlichen Sicherheitsbehörden in London, Paris und Berlin vorige Woche in Alarmbereitschaft versetzten. Sicherheitsmaßnahmen führten zur Sperre des Eiffelturms. Die Geheimdienste wollen Pläne für eine Anschlagserie in mehreren europäischen Hauptstädten entlarvt haben. Sidiqi und Mitstreiter sollen sich in Nordwaziristan im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet auf die Aktionen vorbereitet haben. Sie würden von Bin Laden finanziert. Ein potenzieller Attentäter – ein Brite – sei bei einem Drohnenangriff getötet worden. Das US-Militär hat den Einsatz von Drohnen zuletzt verstärkt.

Wien nicht beunruhigt

Das britische Außenamt warnte Sonntag ebenfalls vor Anschlägen, speziell in Frankreich und Deutschland. Für Österreichs Behörden stelle sich die Bedrohungslage indes als im Vergleich zu den vergangenen Monaten unverändert dar, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Rudolf Gollia. Seit dem Terror von 9/11 gebe es „immer eine latente Bedrohung“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.10.2010)