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Wort der Woche

Krankheitserreger auf chinesischen Wildtiermärkten

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Die Zustände auf chinesischen Wildtiermärkten sind geradezu ideal für das Überspringen von Krankheitserregern auf den Menschen, berichtet ein chinesischer Forscher.

Eine der Theorien, wie Sars-CoV-2 in die Welt kam, hängt eng mit Märkten in der chinesischen Acht-Millionen-Einwohner-Stadt Wuhan zusammen. Viele Forscher vermuten, dass das Virus dort von tierischen Wirten – unter ihnen einer Fledermausart – auf den Menschen übergesprungen ist. Als Überträger in Verdacht stehen Schuppentiere, die als Leckerbissen hochgeschätzt und gegen Entzündungen und als Aphrodisiakum eingesetzt werden.

Bloß: Glaubt man einer dieser Tage veröffentlichten Studie eines chinesisch-britisch-kanadischen Forscherteams um Xiao Xiao (China West Normal University, Nachong), wurden auf Wuhans Märkten in den vergangenen Jahren keine Fleder- und Schuppentiere gehandelt. Xiao hat von Mai 2017 bis November 2019 im Monatsrhythmus vier große Märkte nach angebotenen Wildtieren durchsucht – er wollte die tierischen Wirte der von Zecken übertragenen viralen Krankheit SFTS finden, die 2009 in Zentralchina gewütet hatte. Auf seinen Streifzügen registrierte er 47.381 Individuen von 38 Tierarten, darunter 31 geschützte. Etwa Amur-Igel, Himalaja-Murmeltiere, Bambusratten, Schleichkatzen, Chinesische Stare, Kletternattern, Kobras oder Siamesische Krokodile (Scientific Reports, 7. 6.).Keine Spur aber von Fledermäusen und Schuppentieren. Wobei sich Xiao sicher ist, dass ihm die Händler nichts verheimlicht haben – er trat als Wissenschaftler auf und betonte, keine Verbindung zur Polizei zu haben und niemanden wegen illegalen Handels anzuzeigen. Dennoch: Ausschließen kann er nicht, dass ihm eine Art entgangen ist.

Die Studie bietet also in Hinsicht auf den umstrittenen Ursprung der Coronapandemie keine belastbaren Beweise. Doch sie erlaubt einen Blick in die Praxis von Wildtiermärkten (die derzeit geschlossen sind). Die Preise sind stolz: Ein Asiatischer Dachs kostet umgerechnet 60 Dollar, ein Pfau 56 Dollar, ein Kilo Kobra 21 Dollar (fünfmal mehr als Geflügel). Die Hygiene- und Haltungsbedingungen sind Xiao zufolge sehr schlecht, es gibt keine Herkunfts- oder Quarantänenachweise, jedes dritte Tier hat als Folge des Fangs Verletzungen. Viele Händler bieten auch ein Schlachtservice vor Ort an.

Die Wildtiermärkte sind indes nicht nur für die Tiere tödlich, sondern sind auch für die Händler und Kunden lebensgefährlich: 33 der 38 gefunden Arten tragen häufig Krankheitserreger in sich, die auf den Menschen überspringen können. Und die katastrophalen Zustände auf den Märkten bieten dafür geradezu ideale Bedingungen.


Der Autor leitete das Forschungsressort der „Presse“ und ist Wissenschaftskommunikator am AIT.

meinung@diepresse.com
www.diepresse.com/wortderwoche

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.06.2021)