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Großbritannien kämpft mit neuen Studiengebühren

(c) REUTERS (DAVID MDZINARISHVILI)
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In England und Irland drohen massive Verteuerungen. In beiden Ländern erwartet man dieser Tage Expertenberichte zur Uni-Reform mit konkreten Empfehlungen.

London/Dublin. In der legendären TV-Komödie „Yes, Minister“ pflegt Sir Humphrey einen Vorschlag seines Ministers „mutig“ zu nennen, wenn der Ressortchef dabei ist, politischen Selbstmord zu begehen. Ähnlich dürften sich britische und irische Regierungspolitiker fühlen, die gerade an Plänen zur Neuordnung der Studienfinanzierung arbeiten. In der Doppelmühle aus steigenden Studentenzahlen und Sparvorgaben ist jede Reform ein Himmelfahrtskommando.

In beiden Ländern erwartet man dieser Tage Expertenberichte zur Uni-Reform mit konkreten Empfehlungen. Für England und Wales soll der von Ex-BP-Boss Lord Browne erarbeitete Report eine Verdreifachung der Studiengebühr von jährlich 3290 auf bis zu 10.000 Pfund befürworten. Dafür sollen die Universitäten vom Staat bis zu 3000 Pfund weniger erhalten. Die Elite-Unis machen Druck auf eine Freigabe. In Großbritannien setzt der Staat die Studentenzahl fest, nach Kürzungen fanden 186.000 Schulabgänger im August keinen Platz.

Gegensätzlich ist das System in Irland organisiert. Hier wurde die Studiengebühr in den 1990er-Jahre abgeschafft, die Unis unterliegen keinen staatlichen Vorgaben über die Studentenzahlen. Doch wie in Großbritannien ist auch das irische Hochschulwesen längst unfinanzierbar. Eine Kommission unter dem Ökonomen Colin Hunt hat einen Bericht vorgelegt, der immer noch unter Verschluss gehalten wird. Grund: Der Report befürwortet dem Vernehmen nach die Einführung von Gebühren. Die Regierung hat sich aber bereits darauf festgelegt, genau dies nicht zu tun.

Der Exrektor der Dublin City University Ferdinand von Prondzynski sagt der „Presse“: „Wir haben ein Problem, und es gibt nur eine Antwort darauf: Studiengebühren.“ Sir Humphrey würde dies wohl „sehr mutig“ finden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.10.2010)