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Vergütungen

Werden Aufsichtsräte ausreichend honoriert?

Welche Rolle spielt der Aufsichtsrat in einer Aktiengesellschaft?
Welche Rolle spielt der Aufsichtsrat in einer Aktiengesellschaft?Clemens Fabry
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Eine Analyse der Unternehmensberatung HKP-Group zeigt, dass Kontrolleure in Deutschland höher vergütet werden.

Wien. Welche Rolle spielt der Aufsichtsrat in einer Aktiengesellschaft? Ist er ein „Abnickungsverein“, dessen Mitglieder kritiklos allem zustimmen, was ihnen vom Vorstand auf den Tisch gelegt wird? Oder handelt es sich um ein kompetentes Gremium, das einerseits Sparringpartner für die operative Führung ist und andererseits auch eine harte Kontrolle der Entscheidungen ebendieser vollzieht?

Auch wenn es nach wie vor viele Beispiele für „Abnickungsvereine“ gibt – zuletzt etwa bei der Commerzialbank Mattersburg im Burgenland –, ist man sich bei Wirtschafts- oder Kapitalmarktvertretern sowie auch der Politik einig, dass Aufsichtsräte eine immer wichtigere Funktion übernehmen und es daher auch eine entsprechend kompetente Bestellung geben soll. Hinterfragt wird in diesem Zusammenhang jedoch regelmäßig, ob die im Vergleich zu Deutschland traditionell geringere Vergütung diesem Anspruch nach hoher Kompetenz auch entspricht.

Mit einem „Nein“ beantwortet diese Frage eine aktuelle Analyse der Unternehmensberatung HKP-Group. Demnach liegt das durchschnittliche Vergütungsniveau der österreichischen Aufsichtsratschefs mit 107.000 Euro im Jahr nämlich um ein Drittel unter jenem der etwa gleich großen Unternehmen, die im deutschen MDAX/SDAX gelistet sind. In die HKP-Analyse wurden alle Unternehmen einbezogen, die zum Stichtag 31.12.2020 im ATX gelistet waren. Die Höhe der Vergütungen entspreche nicht der Qualität der Leute, so Michael Kramarsch, Partner bei HKP-Group. „Der Aufsichtsrat in Österreich ist unterbezahlt für den Aufwand und für das Kaliber der Menschen, die man dafür braucht, und auch in Relation zum Vorstand.“

Kaum variable Vergütungen

Doch wie lange sind Aufsichtsräte eigentlich mit ihrer Tätigkeit beschäftigt? 2018 kam eine Analyse der Unternehmensberatung Kienbaum zu dem Ergebnis, dass sich Aufsichtsratsvorsitzende 42 Tage pro Jahr mit ihrer Aufgabe beschäftigen. Im Schnitt entspreche der zeitliche Aufwand eines Aufsichtsrates etwa fünf bis zehn Prozent dessen, was ein Vorstand an Zeitaufwand für seine Tätigkeit benötigt. Da die Kompetenz jedoch ähnlich jener der Vorstände sein sollte, gibt es immer wieder die Forderung, die Vergütung der Kontrolleure prozentuell nach jener der Vorstände zu bemessen. In Deutschland war einst etwa im Gespräch, dass ein Aufsichtsratsvorsitzender ein Drittel des Vorstandsvorsitzenden verdienen soll.

Das ist hierzulande kaum der Fall – etwa, weil die Vergütungen der Aufsichtsräte viel weniger erfolgsorientiert als jene der Vorstände sind. Nur drei Unternehmen weisen laut der HKP-Analyse derzeit variable Aufsichtsratsvergütungen aus. Ausgewertet wurden dabei die entsprechenden Geschäfts- bzw. Vergütungsberichte, die sich auf das Geschäftsjahr beziehen, das 2020 endet.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Unternehmen sind dabei mitunter beträchtlich. Spitzenreiter ist Lenzing-Aufsichtsratschef Peter Edelmann, der auf eine Gesamtvergütung von 246.000 Euro kam. Knapp dahinter rangieren Friedrich Rödler von der Erste Group (214.000 Euro) und Rainer Zellner von Mayr-Melnhof (198.000). Am unteren Ende der Vergütungsliste findet sich hingegen – durchaus überraschend – Joachim Lemppenau. Der Deutsche ist schließlich Aufsichtsratsvorsitzender der Voestalpine. Dennoch betrug seine Vergütung 2020 nur 27.000 Euro. Etwas mehr erhielt Norbert Zimmermann von Schoeller-Bleckmann (37.000 Euro) und Andreas Bierwirth von Do&Co (45.000 Euro).

International durchaus vergleichbar ist in Österreich jedoch bereits die Frauenquote in Aufsichtsräten. Sie liegt im Schnitt bei 31 Prozent. Vier Aufsichtsräte haben zudem eine Frau als Vorsitzende. (APA/jaz)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2021)