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French Open

Das Comeback als allerhöchste Tenniskunst

Die Jagd geht weiter: Novak Djoković in Paris.APA/AFP/ANNE-CHRISTINE POUJOULAT
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Novak Djoković zermürbte einen stark aufspielenden Stefanos Tsitsipas in fünf Sätzen. Ein Triumph mit historischer Dimension, auch Federer und Nadal sind nun endgültig in Reichweite.

Paris/Wien. Dass Novak Djoković erst Rafael Nadal aus Paris verabschiedet und dann im Endspiel den Titel bei den French Open noch aus der Hand gibt, dieses Szenario war beim finalen Showdown gut zwei Sätze lang durchaus denkbar. Dann aber war sie wieder da, diese völlige Unantastbarkeit, die der Weltranglistenerste in den vergangenen zwei Wochen in den entscheidenden Momenten an den Tag gelegt hat, und das Finalduell mit Stefanos Tsitsipas lief schnell in eine Richtung: Djoković siegte 6:7 (6), 2:6, 6:3, 6:2, 6:4. Ein Titel mit historischer Dimension:

  • Der 34-jährige Serbe ist nun der erste männliche Tennisprofi der Open Ära, der jedes der vier Grand-Slam-Turniere mindestens zweimal gewonnen hat.
  • Im Allzeit-Ranking liegt er mit dem 19. Major-Titel nur noch einen Triumph hinter Roger Federer (20) und Nadal (20). In der aktuellen Form ist es nur eine Frage der Zeit, bis Djoković diese Marke übertreffen wird.
  • Der Mann aus Belgrad hat nach den Titeln in Melbourne und Paris die Chance auf den „Grand Slam“ (Siege bei allen Major-Turnieren im Kalenderjahr). Bei den Herren gelang dieses Kunststück zuletzt Rod Laver 1969.
  • Schon vor dem Finale avancierte Djoković zum ersten Spieler, der Nadal zweimal in Paris besiegen konnte (2015, 2021).

Die Ruhe des Champions

„Ich möchte hier nicht aufhören“, erklärte Djoković vor den 5000 erlaubten Zuschauern auf dem Philippe-Chatrier. Lang hatte er ein passendes Rezept gegen Tsitsipas suchen müssen. Der Grieche konterte Tempo, Winkelspiel und Stoppbälle, er bestand in den Rückhandduellen und war zwei Sätze lang der bessere Mann. Djoković aber behielt trotz 0:2-Satzrückstand die Ruhe, er haderte nicht, verzichtete bis zuletzt auf martialische Jubelgesten.

Vielmehr gelang immer öfter, was ihn schon im Halbfinale gegen Nadal ausgezeichnet hatte, als er eines der beeindruckendsten Tennismatches überhaupt gespielt hatte: Djoković hatte wieder stets den richtigen Schlag parat, beim Service, beim Return, in der Defensive und im Angriff. Gegen einen immer müder wirkenden Tsitsipas war er bei den viel zitierten Big Points zur Stelle. Etwa im vierten Game des dritten Satzes, das er nach mehr als elf Minuten und mit seinem fünften Breakball holte. Im vorentscheidenden vierten Satz, in dem er bei eigenem Aufschlag nur drei Punkte abgab. Oder bei 1:1 im fünften Satz, als er das entscheidende Break fixierte, indem er Tsitsipas am falschen Fuß erwischte. All das unbeirrt vom tückischen Schatten, der seitlich über den Centre Court hereinzog.

Überreicht wurde der Coupe des Mousquetaires nach 4:11 Stunden Spielzeit von Björn Borg, dem ebenfalls das Kunststück gelang, im Paris-Finale einen 0:2-Satzrückstand aufgeholt zu haben (1974). Wie auch Ivan Lendl (1984), Andre Agassi (1999) und Gaston Gaudio (2004). Der unterlegene Tsitsipas erklärte danach noch: „Novak hat uns in den vergangenen Jahren gezeigt, welch großer Champion er ist. Ich hoffe, ich kann einmal die Hälfte von dem erreichen.“