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Jahresbilanz

Mehr als 100 Millionen Euro Verlust für Kapsch TrafficCom

Georg Kapsch: Keine Dividende
Georg Kapsch: Keine DividendeDie Presse/Fabry
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Wiener Mautsystemeanbieter streicht nach einem tiefroten Jahr die Dividende. Auch für das laufende Geschäftsjahr scheint eine Ausschüttung unwahrscheinlich.

Der börsennotierte Mautsystemanbieter Kapsch TrafficCom hat 2020/21 (per 31.3.) ein weiteres verlustträchtiges Geschäftsjahr hinter sich gebracht. Das Minus beim Ergebnis aus betrieblicher Tätigkeit (EBIT) machte wegen mehrerer negativer Spezialeffekte wie schon im April erwartet 123,2 Millionen Euro aus und unterm Strich standen 102,9 Millionen Euro Verlust, nach 48,1 Millionen Euro im Jahr davor. Der Umsatz brach um 30,9 Prozent von 731,2 auf 505,2 Millionen Euro ein.

Nicht nur wegen der Covid-Pandemie, sondern auch wegen der Restrukturierung des Unternehmens, um künftig wieder nachhaltig profitabel zu sein, sei die abgelaufene Periode sehr schwierig gewesen, so Firmenchef Georg Kapsch am Mittwoch. Das laufende Geschäftsjahr 2021/22 solle nach zwei negativen Jahren eine Periode der Stabilisierung und Festigung sein. Der Umsatz solle - trotz der anhaltend geringen Visibilität im Hinblick auf das Neugeschäft - "ein dezentes Wachstum" aufweisen.

Dividende wird für das Verlustjahr 2020/21 keine vorgeschlagen, auch im Folgejahr scheine eine Ausschüttung unwahrscheinlich angesichts der geplanten Investitionen im Rahmen der Umsetzung der Strategie 2027, heißt es. Um die Kapitalbasis zu verbessern, will man der Hauptversammlung vorschlagen, einen Kapitalerhöhungs-Vorratsbeschluss im Ausmaß von bis zu 10 Prozent zu fassen. Der Verschuldungsgrad war zuletzt binnen Jahresfrist wegen eines signifikanten Rückgangs des Eigenkapitals von 96 auf 200 Prozent gestiegen, obwohl die Nettoverschuldung in absoluter Höhe mit 170 (176) Millionen etwa gleich blieb.

Hoher Betriebsverlust

Die Gründe für den weiteren Rückgang des EBIT von -39 Millionen Euro auf nunmehr -123 Millionen Euro seien Wertminderungen langfristiger Vermögenswerte (-31 Millionen) und die Anpassung von Projektmargen sowie Drohverlustrückstellungen (zusammen -79 Millionen), hieß es in einer Aussendung. Durch Corona litten die Umsätze im profitablen Komponentengeschäft stark unter dem gesunkenen Verkehrsaufkommen. Mit 8 Millionen Euro belasteten operative Währungseffekte. In den USA wurden für Rechtsstreitigkeiten 8 Millionen Euro rückgestellt. Und an Restrukturierungskosten fielen 5 Millionen Euro an.

Im Mautsegment, das 71 Prozent der Erlöse stellte, sank der Umsatz um 36,4 Prozent auf 358,2 Millionen Euro, und das EBIT rutschte wegen der Drohverlustrückstellungen von knapp positiven 1,5 Millionen Euro auf 117,2 Millionen Euro ins Minus. Speziell das Maut-Errichtungsgeschäft habe unter der Coronalage gelitten und sei um 54 Prozent eingebrochen, heißt es. Das Komponentengeschäft verlor rund 35 Prozent, während das Betriebsgeschäft lediglich 20 Prozent einbüßte. 2020/21 verkaufte Kapsch TrafficCom 9,9 Millionen Euro On-Board-Units, um 3,3 Millionen Stück weniger als in der Periode davor.

Im Segment Verkehrsmanagement büßte Kapsch TrafficCom ein Achtel der Erlöse ein, der Umsatz sank um 12,4 Prozent auf 147 Millionen Euro. Das Minus beim EBIT konnte jedoch von -40,7 Millionen auf -6,0 Millionen Euro verbessert werden.

(APA)