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Klimafokus

Lenzing AG, der industrielle Umweltaktivist

Lenzing-AG-Vorstandsvorsitzender Stefan Doboczky führt die oberösterreichische Industriegruppe auf ihren Weg zur Green Company.(C) Lenzing AG
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Die Lenzing AG hat eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie definiert. Das beginnt beim Rohstoff Baum und hat das Fernziel, bis 2050 klimaneutral an allen Standorten der Gruppe zu sein.

Nachhaltigkeits- und Klimaschutzthemen rücken bei vielen Unternehmen zunehmend in den Fokus und bestimmen immer mehr den Geschäftsalltag. Vor allem Leitbetriebe sehen im nachhaltigen Wirtschaften im Einklang mit der Umwelt und ressourcenschonenden Maßnahmen eine wichtige Aufgabe und erkennen die Chance, sich abzuheben.

Wer dieses Thema unter Österreichs börsenotierten Unternehmen vorbildlich lebt und damit auch den Erfolg langfristig sichert, wurde im Zuge von ALC untersucht. Gewonnen hat heuer diesen Klimafokus-Award die Lenzing AG aus Oberösterreich.

Beim Weltmarktführer im Bereich holzbasierter Spezialfasern ist Nachhaltigkeit ist seit Jahrzehnten ein Teil der Unternehmenskultur. „Nachhaltigkeit ist und bleibt das dominierende Thema unserer Zeit. „In Lenzing sehen wir es als Teil unserer strategischen Prinzipien und unserer Verantwortung gegenüber kommenden Generationen, den angesprochenen Herausforderungen gerecht zu werden“, sagt Stefan Doboczky, Vorstandsvorsitzender der Lenzing AG. „Unsere erheblichen Investitionen in Thailand und Brasilien sowie an den bestehenden Standorten sind auch Ausdruck unserer Überzeugung, dass wir damit unseren wirtschaftlichen Erfolg langfristig sichern.“

In Brasilien errichtet Lenzing gerade ein Zellstoffwerk, dessen Bau trotz der herausfordernden Entwicklungen bezüglich Covid-19 weiterhin planmäßig vorankommt und unverändert im ersten Halbjahr 2022 in Betrieb gehen soll. In Thailand wird bis Ende des Jahres eine neue hochmoderne Lyocellanlage errichtet.

 

Drei Prinzipien

Im Zuge ihrer Nachhaltigkeitsstrategie „Naturally positive“ folgt Lenzing drei strategischen Prinzipien: die systemischen Veränderungen voranzutreiben, die Förderung der Kreislaufwirtschaft und die Ökologisierung der Wertschöpfungskette.

Doboczky betont dabei nochmals: „Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind auch in der Technologie die bestimmenden Themen unserer Zeit. Lenzing setzt auf modernste und nachhaltige Produktionstechnologien. Das bedeutet hohe Rückgewinnungsraten und, wenn möglich, geschlossene Kreisläufe für Chemikalien, Wasser und Energie bei der Zellstoff- und Faserherstellung. Die Möglichkeiten, diese Aspekte mit einer hohen Produktqualität zu verbinden, unterscheiden uns von der Konkurrenz.“

In der Nachhaltigkeitsstrategie hat Lenzing sieben Kernherausforderungen definiert, bei denen die Industriegruppe wesentliche Beiträge leistet. Es geht um die nachhaltige Rohstoffbeschaffung. Denn Nachhaltigkeit beginnt bei Lenzing schon beim Baum – dem Rohstoff des Faserherstellers. Im Fokus stehen die Beschaffung von Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und Plantagen und der Schutz und Erhalt von gefährdeten Wäldern.

Es geht vor allem auch um die Dekarbonisierung, ein Thema, bei dem Lenzing die Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 50 Prozent pro Tonne verkaufter Fasern und Zellstoffe bis 2030 anstrebt und sich das Ziel gesteckt hat, bis 2050 klimaneutral zu sein.

An sämtlichen Produktionsstätten erfolgt ein sorgfältiges Wassermanagement. Im verantwortungsbewussten Umgang mit Wasser ist Lenzing auf dem Weg, die Abwasseremissionen der Gruppe bis 2022 um 20 Prozent zu reduzieren (im Vergleich zum Ausgangswert 2014). Mit nachhaltigen Innovationen ist Lenzing über diesen gleichen Zeitraum bestrebt, die Schwefelemissionen um 50 Prozent reduzieren.

Lenzing hat sich viele weitere ambitionierte Ziele gesetzt, um seinen Weg in eine nachhaltige Zukunft weiter zu stärken. „Viele Herausforderungen im Bereich der Nachhaltigkeit sind komplex und betreffen verschiedenste Akteure entlang der Wertschöpfungsketten. Das gilt vor allem für die Textil- und Vliesstoffindustrien“ sagt Doboczky. „Wir setzen deshalb auf enge Partnerschaften mit unseren Stakeholdern, um gemeinsam systemische Lösungen zu entwickeln.“

In seinem ökologischen Handeln treibt Lenzing die Industrie in Richtung einer vollwertigen Kreislaufwirtschaft voran, indem das Unternehmen danach strebt, Abfällen in allen Aspekten seines Kerngeschäftes ein neues Leben zu schenken und gemeinsam mit potenziellen Partnern innerhalb und außerhalb der aktuellen Wertschöpfungskette Kreislauflösungen zu entwickeln, um die Kreisläufe zu schließen, wo immer dies möglich ist.

INFORMATION

Die Lenzing AG mit Sitz im gleichnamigen oberösterreichischen Ort ist ein weltweit agierender Faserhersteller. Der Konzern ist der größte globale Produzent, der alle drei wesentlichen Generationen an holzbasierten Zellulosefasern, Viskose, Modal und Lyocell, nachhaltig produzieren kann. Die Gruppe setzte 2020 mit rund 7400 Beschäftigten etwas mehr als 1,6 Milliarden Euro um. In den kommenden Jahren wird der Hauptfokus auf der Implementierung und der Erreichung der gesetzten Klimaziele liegen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.06.2021)