Euro-Kredite: Zinsbelastung wird noch zunehmen

(c) Clemens Fabry
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Die Euro-Darlehen werden demnächst teurer, weil die Geldmarktzinsen steigen. Die Zinsen für Franken-Kredite bleiben dagegen deutlich niedriger, der Euro hat sich in den vergangenen Tagen wieder erholt.

Wien. Die Inhaber von Euro-Krediten müssen sich auf eine höhere Zinsbelastung einstellen. Grund dafür sind steigende Zinsen am Geldmarkt (an dem sich die Banken untereinander Geld leihen).

Der entsprechende Referenzzinssatz Euribor, an den viele variable Euro-Kredite gebunden sind, sprang seit der Vorwoche sprunghaft an. Und zwar von 0,88 auf 0,95 Prozent. Dieser Anstieg wird an jene Euro-Kredite weitergegeben, die sich aus dem Euribor und einer Marge (damit verdienen die Banken ihr Geld bei den Krediten) zusammensetzen.

Zum Leidwesen der Kreditnehmer wird sich der Euribor in den nächsten Monaten sukzessive erhöhen. Schuld daran ist die Europäische Zentralbank (EZB). Derzeit stellt sie den Banken noch unbegrenzt Geld für je drei Monate zur Verfügung. „Anfang des nächsten Jahres wird die EZB aber aufhören, Geld für drei Monate unbegrenzt an die Finanzinstitute zu verteilen“, sagt Michael Rottmann, der oberste Zinsanalyst der italienischen UniCredit. Die Banken werden demnach weniger Geld zum Verleihen bekommen, was die Geldmarktzinsen in die Höhe treiben wird.

Rottmann prognostiziert, dass der Euribor (3 Monate) im ersten Quartal 2011 auf 1,05 bis 1,10 Prozent anwachsen wird. Andere Zinsanalysten gehen sogar von einem Anstieg auf 1,3 Prozent aus.

Franken-Kredite bleiben billiger

Die Inhaber von Franken-Krediten können sich mit ihrer Zinsbelastung glücklicher schätzen. Der Referenzzinssatz Libor CHF, an dem die Franken-Darlehen gebunden sind, liegt noch immer unter 0,2 Prozent. Dass dieser Zinssatz demnächst stark anwächst, ist nicht zu erwarten.

Die Schweizer Nationalbank (SNB) legt für den Libor einen Korridor fest (das ist in der Schweiz der Leitzins). Derzeit hat die SNB kaum Interesse, die Zinsen ansteigen zu lassen. Das würde noch mehr Investoren in die Schweiz locken und den Kurs des Franken noch einmal anwachsen lassen. Darunter würde wiederum die exportorientierte Schweizer Wirtschaft leiden, denn ein starker Franken verteuert die Ausfuhren ins Ausland. Rottmann glaubt daher, dass die SNB den Leitzins erst im dritten oder vierten Quartal des nächsten Jahres anheben wird. „Aber auch dann werden die Geldmarktzinsen in der Schweiz deutlich unter den Euro-Geldmarktzinsen liegen“, so Rottmann.

Von den niedrigeren Zinsen beim Franken profitieren jedoch nur noch bestehende Franken-Kreditnehmer. Die heimischen Banken vergeben nämlich auf Anweisung der Finanzmarktaufsicht (FMA) keine Fremdwährungskredite mehr an „normale“ Privatkunden.

Wechselkurs an der Schwelle

Die bestehenden Franken-Kreditnehmer wurden in den vergangenen Wochen trotzdem auf eine harte Probe gestellt. Der Franken-Kurs stieg zeitweise zum Euro auf historische Höchststände. Das ist unangenehm, da ein starker Franken die (Buch-)Kreditschuld anschwellen lässt.

Dennoch: Mit einem Kredit im Franken ist man langfristig noch immer nicht schlechter gefahren als bei einem Euro-Darlehen, wie eine aktuelle Berechnung der Raiffeisen-Landesbank Wien-NÖ verdeutlicht. Jene Schuldner, die vor zehn Jahren einen Franken-Kredit bei einem Kurs von 1,6 Franken je Euro aufnahmen, zahlten bis jetzt um ca. 20 Prozent weniger Zinsen. Durch diese Zinsersparnis müsste der Wechselkurs heute bei unter 1,333 liegen, damit ein Franken-Kredit in dieser Zeitspanne teurer gewesen wäre (dabei wird angenommen, dass der Kunde das Geld aus der Zinsersparnis ansparte und nicht ausgab, Anm.).

In den vergangenen Tagen hat sich der Euro wieder erholt und liegt mit einem Kurs von 1,336 Franken über der kritischen Grenze. Deswegen sollte man derzeit sehr vorsichtig sein, seinen Franken- in einen deutlich teureren Euro-Kredit umzuwandeln und die Kursverluste zu realisieren.

Dass der Höhenflug des Euro ungebremst weitergeht, sollte man aber bezweifeln. Kommen unter den Investoren wieder Rezessionsängste auf, wird deren Geld abermals in die Schweiz „flüchten“ und den Franken kurzfristig in die Höhe treiben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.10.2010)

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