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Indische Mutation

Sorge über Delta-Variante, doch Impfung dürfte wirken

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In Österreich wird weiter geöffnet - im Gegensatz zu Großbritannien, wo sich die Delta-Variante schon weiter ausgebreitet hat.imago images/Viennareport
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Corona-Kommission sieht Delta-Variante als "ernstes Risiko“, schon im Sommer sei ein erneuter Fallanstieg möglich, warnt die österreichische Ampel-Kommission. Neue Impfstudien geben jedoch Grund zur Hoffnung.

Die sogenannte Delta-Variante des Coronavirus breitet sich weltweit zunehmend aus.Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die erstmals in Indien nachgewiesene Variante als "besorgniserregend" eingestuft. Nach England hat nun auch Wales wegen der voranschreitenden Ausbreitung die geplanten Öffnungsschritte verschoben, die portugiesische Hauptstadt Lissabon wird ab Freitagmittag abgeriegelt. In Österreich wird weiter geöffnet, doch auch gerade deshalb zeigt sich die Ampel-Kommission äußert besorgt.

Sie spricht in einer Aussendung von einem "ernst zu nehmenden Risiko". Bei anhaltender Verbreitung dieser Variante sei ein neuerlicher Fallanstieg bereits in den Sommermonaten mit hohem Systemrisiko möglich. Die gesetzten Öffnungsschritte seien daher engmaschig und kritisch zu monitoren.

Die Delta-Variante dürfte sich nicht nur erfolgreicher verbreiten als frühere Mutationen, sondern auch zu schwereren Verläufen führen, insbesondere in der nicht geimpften Bevölkerung. Gegenwärtig geht die Kommission davon aus, dass bereits 6,3 Prozent der untersuchen Fälle dieser zunächst in Indien breit aufgetretenen Variante zuzuordnen sind. Bestätigte Fälle gab es in Österreich laut AGES bisher 71 (jüngster publizierter Stand vom vergangenen Dienstag, Anm.) Mit Abstand die meisten Fälle wurden in Wien sequenziert (32), 19 in Salzburg, sieben in Tirol, sechs in Niederösterreich, fünf in der Steiermark und je einer in Kärnten und Oberösterreich.

Auch der Vorarlberger Landesanitätsdirektor Wolfgang Grabher sprach am Freitag von einer epidemiologischen "Herausforderung“, vor allem aufgrund der bevorstehenden Reisen in Länder mit geringerer Durchimpfungsrate. "Mit gutem Gewissen reisen kann man eigentlich nur mit der Impfung, sie ist das beste der drei G", sagte Grabher, der auch eine geringere Testmoral bei Ungeimpften fürchtete. 

PCR-Tests intensivieren

Die Ampel-Kommission empfiehlt, die PCR-Tests in Österreich zu intensivieren, damit man nach Varianten des Virus forschen kann. Zudem soll der Impf-Fortschritt vorangetrieben werden. Die Empfehlung des nationalen Impfgremiums, auch die 12- bis 16-Jährigen zu immunisieren, wird ausdrücklich begrüßt. Dazu wird einmal mehr die Forcierung von zielgruppenspezifischer Kommunikationsarbeit zur Steigerung der Impfbereitschaft und die Prüfung geeigneter Anreizsysteme empfohlen.

>>> Was die Delta-Variante so gefährlich macht [premium]

Die zunächst in Indien entdeckte Mutante ist ansteckender als bisherige Varianten und entzieht sich effizienter der Immunantwort. Zudem verursacht sie andere Beschwerden. Zweifach Geimpfte sind aber verlässlich geschützt.

Noch ist die Lage hierzulande vergleichsweise entspannt. Die Corona-Ampel leuchtet bundesweit gelb-grün und zeigt damit geringes Risiko an. Auch Wien wurde entsprechend eingestuft, obwohl die erforderliche Marke von maximal 25 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner knapp verfehlt wurde. Freilich wird in der Bundeshauptstadt auch besonders viel (PCR-)getestet. Insgesamt gehen in acht der neun Bundesländer die Infektionszahlen im 14-Tage-Trend zurück.

Dass die Lage im ganzen Land stabil ist, sieht man daran, dass zuletzt kein einziger Bezirk eine Inzidenz von über 100 aufwies. Der höchste Wert wurde vergangene Woche in Waidhofen an der Ybbs mit 80,8 festgestellt. Insgesamt liegen bloß noch fünf Regionen bzw. Bezirke über einer Inzidenz von 25.

Impf-Studien geben Grund zur Hoffnung

Doch wie wirksam sind die Corona-Impfstoffe gegen die gefährliche Mutante? Mehrere Laboruntersuchungen zeigen, dass sie offenbar resistenter gegen Impfstoffe ist als andere Varianten. So ergab eine Anfang Juni in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichte britische Studie, dass die Zahl der Antikörper nach zwei Impfdosen von Pfizer/Biontech bei der Delta-Variante sechs Mal niedriger ausfiel als beim Wildtyp des Virus.

Allerdings ist die Zahl der Antikörper nicht das einzige Merkmal für die Wirksamkeit eines Impfstoffes. Wer nur die Antikörper berücksichtigt, vernachlässigt insbesondere die Bedeutung der T-Killerzellen, die bereits infizierte Zellen statt des Virus angreifen. Umso wichtiger sind Untersuchungen unter realen statt nur unter Laborbedingungen. Und hier geben die ersten Ergebnisse Anlass zur Hoffnung.

Denn mit einer vollständigen Corona-Impfung lassen sich laut einer am Montag vorgestellten Studie der britischen Gesundheitsbehörde schwere Krankheitsverläufe bei der Delta-Variante ebenso wirksam vermeiden wie bei der Alpha-Variante. Zwei Dosen des Wirkstoffs von Pfizer/Biontech verhinderten demnach bei der Variante B.1.617.2 in 96 Prozent der Fälle eine stationäre Behandlung. Für das Vakzin von AstraZeneca lag die Quote bei 92 Prozent.

Eine Ende Mai von den britischen Gesundheitsbehörden veröffentlichte Studie kommt zu ähnlichen Ergebnissen auch für weniger schwere Formen der Krankheit. Demnach ist der Impfstoff von Pfizer/Biontech zwei Wochen nach der zweiten Dosis zu 88 Prozent wirksam gegen eine durch die Delta-Variante ausgelöste symptomatische Covid-19-Erkrankung, bei der Alpha-Variante sind es 93 Prozent. Das AstraZeneca-Vakzin hat demnach eine 60-prozentige Wirksamkeit gegen die Delta-Variante und eine 66-prozentige gegen die Alpha-Variante.

Einzelne Dosis schützt nur begrenzt

Einig sind sich Wissenschafter darin, dass eine einzelne Dosis nur begrenzt Schutz vor einer Infektion durch die Delta-Variante bietet. So ergab die in "The Lancet" veröffentlichte Studie, dass 79 Prozent der Geimpften nach einer ersten Dosis von Pfizer/Biontech "eine quantifizierbare neutralisierende Antikörperreaktion" gegen den ursprünglichen Virusstamm hatten, bei der Variante B.1.617.2 hingegen nur 32 Prozent. Auch das französische Institut Pasteur erklärte, eine einzelne AstraZeneca-Dosis habe "wenig bis gar keine Wirksamkeit" gegen die Delta-Variante.

Daten der britischen Regierung weisen in dieselbe Richtung: Beide Impfstoffe waren demnach drei Wochen nach der ersten Dosis nur zu 33 Prozent wirksam gegen eine durch die Delta-Variante verursachte symptomatische Covid-19-Erkrankung. Die britische Regierung verringerte daraufhin am Montag den Abstand zwischen der ersten und der zweiten Impfung für Menschen über 40 Jahren von zwölf auf acht Wochen. Auch in Frankreich wurde der Zeitraum zwischen den Impfungen reduziert.

(apa/red.)