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Alzheimer: Nicht nur Arzneien helfen

Informationsveranstaltung: Demnächst findet der 5. Wiener Alzheimertag statt.

Tanz ist eine mögliche Vorbeugung gegen Alzheimer. Welche Möglichkeiten zur Prävention es noch gibt, erfahren Interessierte am 5.Wiener Alzheimertag am 16.Oktober im Wiener Rathaus (10 bis 18Uhr, Eintritt frei). Hochkarätige Referenten werden an diesem Tag unter dem Motto „Aktiv gegen das Vergessen“ interessante Themen behandeln – von Vorbeugung und Diagnose über Patientenverfügung und Validation bis Pflege und (neue) Medikamente.

 

Ebenso effektiv wie Medikamente

Stichwort Medikamente: Da lässt eine brandaktuelle Studie zu Alzheimer aufhorchen. Nicht pharmakologische Therapien haben ein weites Wirksamkeitsspektrum und sind mindestens ebenso effektiv wie Medikamente, hat ein internationales Team herausgefunden. In einem fünfjährigen Projekt untersuchten die Wissenschaftler 1313 Studien und überprüften alle bisher zur Verfügung stehenden nicht pharmakologischen Therapien auf ihre Wirksamkeit und wissenschaftliche Evidenz.

Zu den nicht pharmakologischen Therapien gehören unter anderem kognitives Training, praktische Übungen, Fördergruppen, Unterstützung durch pflegende Angehörige. Schon letztere Hilfe verzögert die Einweisung in ein Pflegeheim signifikant. Daher müssen, so die Studie, Angehörige auch geschult, betreut und (finanziell) unterstützt werden.

„Regierungen sind nun nach ethischen Gesichtspunkten verpflichtet, Infrastrukturen und finanzielle Mechanismen zur Verfügung zu stellen, welche diese Therapien für alle Betroffenen ermöglichen können“, fordert Marc Wortmann, Executive Director von Alzheimer's Disease International.

Vielleicht geht nun auch in Österreich endlich etwas weiter bezüglich der (finanziellen) Unterstützung der pflegenden Angehörigen, die immerhin 80 Prozent der rund 100.000 Demenzkranken in Österreich betreuen und damit dem Gesundheitswesen enorm viel Geld ersparen. Politiker und Verantwortliche im Gesundheitssystem verkünden ja seit Jahren, dass „mehr für die Angehörigen getan werden muss“. Bis jetzt blieb es aber großteils bei vollmundigen Lippenbekenntnissen.

 

Kein bahnbrechender Fortschritt

„Nicht pharmakologische Maßnahmen erleichtern auch betreuenden Angehörigen das Leben. In Kombination mit Medikamenten könnten sie einen echten Fortschritt in der Betreuung von Alzheimer-Patienten darstellen“, meint Dr. Andreas Winkler, der auf dem Wiener Alzheimertag über Fortschritte in Diagnose und Therapie sprechen wird. Bahnbrechende Fortschritte hinsichtlich Medikamente gibt es leider keine. Sie können die Krankheit um ein bis zwei Jahre verzögern, mehr nicht. „Wir brauchen dringend neue Medikamente“, so Winkler. „Derzeit laufen weltweit 316 Forschungsprojekte, 72 Medikamente werden erprobt, drei Substanzen sind sehr vielversprechend.“ Einiges verspricht man sich auch von einer im Teststadium befindlichen Impfung der österreichischen Firma Affiris.

Auch über die Entwicklung neuer Medikamente sowie die Betreuung zu Hause gibt es Vorträge auf dem Wiener Alzheimertag. Des Weiteren ein Rahmenprogramm mit Prominenten, Quiz, Gedächtnisspiele, Informationsstände, Gesundheitsstationen, Beratung und anderes. Mehr als 5000Interessierte besuchten letztes Jahr den Alzheimertag. Allein daran ist ersichtlich, wie groß das Interesse an dieser Krankheit ist. Jene, die im Jahr 2050 zu den 260.000Betroffenen gehören werden, stehen heute zum größten Teil voll im Berufsleben, basteln an ihrer Karriere. Treffen kann es wirklich einen jeden von uns. cr

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.alzheimertag.at
www.alzheimer-selbsthilfe.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.10.2010)

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