Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Virologie

Wer an Viren forscht, freut sich, wenn es wieder bunter wird

Heimische Virologen kommen zurück in den Forschungsalltag
Heimische Virologen kommen zurück in den Forschungsalltag(c) imago images/Addictive Stock (Enrique Espinosa via www.imago-images.de)
  • Drucken

Heimische Virologen kommen zurück in den Forschungsalltag, in dem ganz unterschiedliche Krankheitserreger untersucht werden. Freizeit und Urlaub stehen ganz oben auf der Liste, was nach der Pandemie sein wird. Blogs oder Bücher sind von den Befragten noch nicht geplant.

Jetzt, während der Fußball-EM, haben wir in Österreich wieder acht Millionen Fußballtrainer, nachdem es in den vergangenen Monaten so viele Virologen gegeben hat, also Menschen, die alles über Virenwissenschaft zu wissen glaubten. Da sich ein Ende der Pandemie ankündigt, stellt sich die Frage, was die echten Virologen tun, wenn wieder andere Disziplinen in die Öffentlichkeit drängen.

Elisabeth Puchhammer-Stöckl von der Med-Uni Wien sagt: „Die meisten von uns konzentrieren sich wieder gern auf ihre Forschungsprojekte an anderen Viren und Virusinfektionen, die ja auch sehr wichtig sind und in den vergangenen Monaten natürlich im Hintergrund standen.“ Sie freut sich, endlich in Ruhe wissenschaftlich arbeiten zu können, ohne sich täglich mit akut auftauchenden Informationen über Sars-CoV-2 befassen zu müssen: „Vor allem, da diese Daten teilweise gar nicht stimmen und nach der ersten Aufregung oft nicht bestätigt werden.“ Auch Norbert Nowotny von der Vet-Med-Uni Wien antwortet auf die Frage, was er macht, wenn andere Disziplinen wieder in den Vordergrund rücken: „Wie alle Menschen weltweit werde auch ich sehr froh darüber sein, wenn wir diese Pandemie überstanden haben und wieder Normalität einkehrt.

Nachdem ich fast eineinhalb Jahre nur Medienarbeit geleistet habe, werde ich wieder vermehrt wissenschaftlich arbeiten und mich besser um meine Studentinnen und Studenten kümmern können.“ Er hat sich wissenschaftlich wie die meisten seiner Kolleginnen und Kollegen seit 2020 hauptsächlich den Themen Sars-CoV-2 und Covid-19 gewidmet: „In meinem Fall vor allem genetischen Untersuchungen in einem internationalen Konsortium. Aber die wissenschaftliche Aufarbeitung der Pandemie wird auch nach deren Ende noch weitergehen. Schließlich müssen wir erarbeiten, was in der Bekämpfung der Pandemie gut gelaufen ist, aber auch sehen, wo Verbesserungsbedarf besteht.“

Die Virologen überlegen, welche Lektionen wir aus dieser Pandemie gelernt haben und was wir im Fall einer nächsten Pandemie besser machen können. Nowotny: „Ich bin unter anderem in das Großprojekt Zodiac der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA und ihrer Animal Production and Health Section involviert.“ Dieses stärkt weltweit die veterinärmedizinischen Labore in Asien, Afrika und Lateinamerika bezüglich Infrastruktur, Geräteausstattung und Training des Personals, um direkt am Ort des möglichen Entstehens von Zoonosen (Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden) frühzeitig die Gefahr zu erkennen. „Es geht darum, potenziell gefährliche Erreger zu identifizieren und eventuell beginnende Epidemien bereits in einem Stadium zu bekämpfen, solange sie noch kleinräumig sind.“

Den Virologen fiel bereits auf, dass die Popularität ihres Berufs noch weiter anhalten kann. „Ich wurde schon gefragt, ob ich ein Buch über die Pandemie schreiben möchte. Vorläufig habe ich aber weder vor, ein Buch zu schreiben, noch einen Blog zu eröffnen. Aber falls ich gefragt werde, stehe ich natürlich auch weiterhin gern zur Wissensvermittlung und Bewusstseinsbildung zur Verfügung“, sagt Nowotny. Auch Puchhammer-Stöckl plant keinen Blog dazu in naher Zukunft.

Bewusstseinsbildung in Medien

So etwas wie Christian Drosten in Deutschland mit dem „NDR-Coronavirus-Update“ als Podcast geschaffen hat, wurde in Österreich bisher nicht etabliert, auch wenn viele Forschende während der Pandemie Blogs von heimischen Printmedien bereichert haben. Nowotny: „Die Medien haben eine enorme Rolle in der Bewusstseinsbildung gespielt, und ich bin sehr froh, dass die mediale Berichterstattung mit ganz wenigen Ausnahmen die Bevölkerung sehr gut im Umgang mit der Pandemie informiert und geleitet hat.“
Und worauf freuen sich die Virologen jetzt, wenn sie nicht mehr angerufen werden? „Auf Freizeit“, sagt Nowotny. „Ich mache dann einmal wirklich Urlaub“, sagt Puchhammer-Stöckl.

Zu den Personen

Elisabeth Puchhammer-Stöckl
(geboren 1962 in Wien) leitet das Zentrum für Virologie der Med-Uni Wien und ist Wissenschaftlerin des Jahres.

Norbert Nowotny
(geb. 1958 in Strass/NÖ) leitet am Institut für Virologie der Veterinärmedizinischen Uni Wien die Arbeitsgruppe „Virale Zoonosen“.