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Statistik

Sind wirklich so viele auf der Flucht wie nie?

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Migranten in Nordafrika beim Versuch, die marokkanische Grenze zu umgehen und die spanische Enklave Ceuta zu erreichen (Archivbild)APA/AFP/FADEL SENNA
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Rund 82 Millionen Menschen sollen laut dem UN-Flüchtlingshilfswerk im Jahr 2020 auf der Flucht vor unterschiedlichsten Konflikten gewesen sein. Ein Migrationsforscher rät, sich die Zahlen dahinter genauer anzusehen.

Wien. Wieder einmal ein trauriger Rekord: Im Jahr 2020 „ist die Zahl der vor Gewalt, Verfolgung und Menschenrechtsverletzungen fliehenden Menschen auf nahezu 82,4 Millionen gestiegen“, schreibt das UN-Flüchtlingshilfwerk anlässlich der Veröffentlichung seines jährlichen Statistikberichts am Freitag. Das ist rund ein Prozent der Weltbevölkerung. Im Jahr 2019 waren es noch 79 Millionen.

Der Migrationsforscher Gerald Knaus rät bei einem Pressegespräch der österreichischen NGO Caritas, den Bericht „sehr sorgfältig zu lesen“. Er fürchtet, die Zahl der 82 Millionen Flüchtlinge könne missverstanden werden. Das UN-Flüchtlingshilfswerk zählt nämlich auch Menschen, die bereits seit vielen Jahrzehnten in einem Land leben, teilweise schon die Staatsbürgerschaft angenommen haben und sich nicht mehr in einer Situation befinden, in der sie um ihr Leben fürchten müssen.
Als Beispiele nennt Knaus sechs Millionen Palästinenser, die genauso angeführt werden, wie Afghanen, die noch in Sowjetzeiten nach Pakistan geflohen seien.

Ein Problem, das der Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks in Wien bewusst ist. „Das ist auch für uns ein zweischneidiges Schwert“, sagt Ruth Schöffl zur „Presse“. Der Bericht müsse einerseits die Situation in der Welt abbilden, andererseits bestehe die Gefahr, dass die 82 Millionen in Europa falsch interpretiert werden.

Für ein österreichisches Publikum betone man deswegen, dass nur ein Bruchteil dieser Menschen auf dem Weg nach Europa ist. Eine Ergänzung, die auch Migrationsforscher Knaus betont, der die Fluchtbewegungen als „beherrschbar“ für die europäischen Demokratien bezeichnet.
Die schon vor Jahrzehnten Geflohenen rechne man laut Schöffl mit hinein, um „auch für sie die Stimme zu erheben“ und darauf hinzuweisen, wie viele Menschen auf der Welt als „gewaltsam vertrieben“ gelten. Unter diesem Begriff werden Flüchtlinge, Asylsuchende und innerhalb eines Landes Vertriebene vom UN-Flüchtlingshilfswerk zusammengefasst.