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Mein Montag

Hört auf damit, am Ende „beste Grüße“ zu schreiben!

Kann man eigentlich am Ende eines Mails auch zweitbeste Grüße schicken?
Kann man eigentlich am Ende eines Mails auch zweitbeste Grüße schicken?(c) imago images/CHROMORANGE (Andreas Poertner via www.imago-images.de)
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Kann man eigentlich am Ende eines Mails auch zweitbeste Grüße schicken? Na eben.

Ich will ja nichts sagen, aber Leute, die mit den Worten „Ich will ja nichts sagen, aber“ etwas einleiten, das sie doch sagen wollen, gehören zu den eher schwierigen Zeitgenossen. Es kann schon sein, dass einige von ihnen sogar wissen, dass sie damit eine Paralipse (vom griechischen „Paraleipsis“, Unterlassung) vollführen, ein rhetorisches Stilmittel, bei dem man vorgibt, etwas übergehen zu wollen, aber es genau dadurch sogar noch besonders hervorhebt. Meist ist es aber einfach nur nervtötend, ähnlich wie die rhetorische Frage „Soll ich dir was sagen?“, auf die man so gern mit „Bitte nicht“ antworten würde, wenn das Gegenüber nicht schon unmittelbar danach einfach weiterredet, ohne überhaupt die Antwort abzuwarten. Wie gesagt, dann gibt es auch noch die Spezialisten, die immer wieder „wie gesagt“ sagen, ohne dass sie das, was sie jetzt erzählen, in diesem Gespräch schon einmal gesagt hätten. Wenn Sie mich fragen, ist das ähnlich mühsam wie bei Menschen, die immer wieder „wenn du mich fragst“ sagen, ohne dass man einwenden könnte, dass es gar keinen Grund gibt, diese Person überhaupt zu fragen.

Ich will ja nichts sagen, aber wenn Sie mich fragen, gibt es noch ein weiteres kommunikatives Verhalten, das wir möglichst bald einmotten sollten. Wenn nämlich jemand am Ende eines Mails „beste Grüße“ schreibt. Gibt es denn gute Grüße, die man steigern könnte? Und schickt man Menschen, die man nicht ganz so schätzt, vielleicht „zweitbeste Grüße“? Wie kommt man überhaupt darauf? Vermutlich haben wir da wieder einen Anglizismus kultiviert – als irgendwann einmal die „best regards“ eingedeutscht wurden. Ich will ja nichts sagen, aber wären „freundliche Grüße“ oder „liebe Grüße“ nicht viel passender? Na gut, dann hoffe ich, dass in den Reaktionen auf diese Kolumne nicht allzu viele schlechte Grüße stehen werden . . .

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2021)