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Randerscheinung

Fußball und das Österreich-Bild

Carolina Frank
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Der Jüngste trägt nichts von dem Rucksack mit all den Fußball-Abgründen seit 1978 mit sich herum.

Ich schreibe hier selten über Sport, weil ich (vielleicht ja auch zu Unrecht) annehme, dass die Leserinnen und Leser des "Schaufensters" dafür nicht so empfänglich sind. Und wenn ich Sport sage, meine ich natürlich das Zuschauen dabei, wenn andere sich mit oder ohne Ball bewegen, und nicht eigene Aktivitäten. Aber, und deshalb komme ich anlässlich der Fußball-EM jetzt doch nicht darum herum, Fernsehsport hat großen Einfluss auf die Buben. Und zwar nicht nur darauf, wie sie andere als Fußballer wahrnehmen, sondern auch sonst. Womit wir zuerst bei unserem Österreich-Bild wären. Ich repräsentiere in der Familie den Desillusionierten. Seit ich Fußball schaue, enttäuscht mich die österreichische Nationalmannschaft. Und wenn sie mich einmal positiv überrascht hat, ich langsam Vertrauen gefasst und mein Selbstschutz-Schneckenhaus verlassen habe, dann verliert das Team unerwartet gegen Ungarn. Um nur ein Beispiel zu nennen.

Die beiden großen Buben sind ein wenig skeptisch, aber noch nicht verloren. Sie haben schon einige Enttäuschungen erlebt, halten es aber dennoch immerhin für möglich, dass Österreich auch einmal etwas gewinnt. Nicht nur gegen Nordmazedonien. Und dann gibt es den Jüngsten, der sitzt vor den EM-Partien auf der Couch und trägt nichts von dem Rucksack mit all den Fußball-Abgründen seit 1978 mit sich herum. Er glaubt, dass alles gut werden kann. Nicht nur im Fußball. Er meint auch nicht, dass Deutschland immer gewinnt, Italien defensiv ist, England keine Elfmeter schießen kann, Frankreich sich schon im Mannschaftsquartier zerstreitet und Spanien zu viel herumpasst. Oder Österreich zwangsläufig enttäuschen wird. So Fußball (und sonst auch alles Mögliche) anzuschauen sollte ich auch wieder einmal ausprobieren.