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Coming-out

Carl Nassib, der erste schwule NFL-Profi

USA TODAY Sports
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Carl Nassib machte als erster aktiver Spieler seine Homosexualität öffentlich. Der mutige Schritt erntete viel Zuspruch und könnte ein überfälliges Umdenken einläuten.

Wien. Das Handy-Video von Carl Nassib, aufgenommen im Garten hinter seinem Haus in Pennsylvania, könnte für die National Football League langfristig ähnlich bedeutsam werden wie ihre 55 Super-Bowl-Champions. Die via Instagram verkündete Botschaft war so knapp wie wichtig: „Was geht Leute, ich wollte nur einen kurzen Moment nutzen und sagen, dass ich schwul bin.“ 15 Jahre lang habe er mit sich gerungen, nun hat sich der 28-Jährige von den Las Vegas Raiders als erster aktiver NFL-Profi öffentlich zur Homosexualität bekannt.

Mit seinem Coming-out setzt Nassib ein wichtiges Zeichen in der stärksten Footballliga der Welt, die sich im Zuge falsch gedachter Männlichkeit dem Thema Homosexualität lange Zeit nur zögerlich genähert hat. Dabei war David Kopay schon 1975 als schwuler Spieler an die Öffentlichkeit gegangen, allerdings wie weitere in den folgenden Jahren erst nach dem Karriereende. 2014 machte schließlich Michael Sam seine Homosexualität öffentlich und wurde von den Los Angeles Rams gedraftet. Doch auf einen NFL-Einsatz brachte es der Defensive End weder bei den Rams noch danach bei Dallas Cowboys.

Nassib ist hingegen gestandener NFL-Profi (73 Einsätze). „Ich habe die beste Familie, die besten Freunde und den besten Job, um den ein Kerl bitten kann“, sagt er in dem einminütigen Video. Der Penn-State-Absolvent (2,01 m, 124 kg) wurde mit der Lombardi-Trophäe ausgezeichnet und geht nach NFL-Engagements bei den Cleveland Browns und den Tampa Bay Buccaneers in seine zweite Saison mit den Raiders.

Es gehe ihm nicht um Aufmerksamkeit, führt der 28-Jährige aus: „Ich denke einfach, dass Vertretung und Sichtbarkeit so wichtig sind.“ Eines Tages, so seine Hoffnung, werde es Videos wie seines nicht mehr brauchen. „Doch bis dahin, werde ich mein Bestes geben, um eine Kultur der Akzeptanz und des Mitgefühls zu etablieren.“ Nassib selbst wird 100.000 Dollar an das „Trevor Project“, eine Telefonseelsorge für junge LGBTQ-Menschen, spenden.

Das positive Echo war enorm. „Die NFL-Familie ist stolz auf Carl, dass er heute seine Wahrheit so couragiert geteilt hat“, teilte NFL-Boss Roger Goodell in einer Stellungnahme mit. Klub und Kollegen sprachen Nassib ihre Unterstützung zu, genau wie andere Sportler. Tennisikone Billie Jean King twitterte: „Die Aussicht auf ein authentisches Leben ist so wichtig.“ Nassib selbst freut sich auf eine „aufregende Zeit“ und erteilte Medienanfragen eine präventive Absage. Den mutigen Schritt hat er gesetzt, nun sollen seine Worte wirken.

(swi)