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Wehrpflicht: Der Feldzug der "Kronen Zeitung"

Wehrpflicht Feldzug Kronen Zeitung
(c) Apa (Harald Schneider)
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Mit Kampagnen hat die "Kronen Zeitung" immer wieder polarisiert. Nun nimmt das Blatt erstmals seit dem Tod von Hans Dichand wieder eindeutig Stellung: Es propagiert die Abschaffung der Wehrpflicht.

Mit ihren Kampagnen erregte die "Kronen Zeitung" immer wieder Aufsehen. Nun hat sich das Blatt erstmals seit dem Tod des prägenden "Krone"-Herausgebers Hans Dichand wieder auf einen Feldzug begeben. Zum Thema Wehrpflicht nimmt das Blatt, nunmehr von Dichands Sohn Christoph geführt, eindeutig Stellung: Nämlich, dass der verpflichtende Dienst an der Waffe abgeschafft gehört. In Artikeln, Kommentaren, Windreimereien oder Leserbriefen quer durch die Zeitung wird diese Position vertreten.

Der wahlkämpfenden Wiener Bürgermeister Michael Häupl stellt nun ebenfalls die Wehrpflicht zur Debatte. Das passt zu dem häufig geäußerten Vorwurf, dass der Einfluss der "Kronen Zeitung" auf die Politik zu stark ist. Nicht immer vermag die Politik, diesen Vorwurf zu entkräften. Nicht zuletzt Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) wird sein enges Verhältnis zur Familie Dichand vorgehalten.

Gusenbauers "Kniefall"

Als eindeutigen Machtbeweis für die "Kronen Zeitung" etwa beurteilten Experten im Jahr 2008 den "Kniefall" der damaligen SPÖ-Spitzen Alfred Gusenbauer und Faymann in Briefform, als sie per "Krone" Volksabstimmungen über künftige EU-Vertragsänderungen verlangten. Dabei war der "Krone"-Feldzug gegen EU-Vertrag und später EU ganz allgemein nicht gerade eine der erfolgreichsten Kampagnen gewesen.

Politiker, die demonstrativ nicht auf die "Krone" hörten, gelten als seltene Exemplare ihrer Spezies. Wolfgang Schüssel (ÖVP) bildete im Jahr 2000 seine schwarz-blaue Regierung gegen den Willen Hans Dichands; die Steirer wählten unlängst die SPÖ von Franz Voves auf Platz eins, obwohl die "Steirer-Krone" nach Kräften Stimmung gegen den Landeshauptmann gemacht hatte. Erhard Busek ignorierte die angebliche oder tatsächliche Macht des Kleinformats und wurde postwendend und über Jahre hinweg mit Verachtung gestraft.

Die Kampagnen: Von Zwentendorf zum Tierschutz

Und doch kann sich die "Krone" unzählige Erfolge auf die Fahnen schreiben und tut das auch gerne immer wieder. Im August 2008, mitten im Nationalratswahlkampf, hielt die "Krone" Rückschau und rühmte sich ihres Einflusses: Vom Wiener Sternwartepark beziehungsweise gegen seine Abholzung über Zwentendorf, Hainburg und weiter zu Kurt Waldheim, Temelin oder Semmering-Basistunnel (Österreich-"Krone" dagegen, Steirer-"Krone" dafür). Gentechnik (dagegen) und Tierschutz (dafür) waren Herzensangelegenheiten der Zeitung. Wohl nicht zufällig erklärte der damalige Kanzler Schüssel 2002 kurz vor der Nationalratswahl dann doch via "Kronen Zeitung" den Widerstand der Volkspartei gegen ein einheitliches Tierschutzgesetz für beendet.

 

(APA)