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Vorarlberg

i+R Gruppe mit bestem Jahr der Geschichte

Die Cousins Joachim Alge (l.) und Reinhard Schertler führen erfolgreich die i+R Gruppe in Lauterach. Sie haben gerade ein Rekordergebnis abgeliefert.(C) Wieland
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Dem Bau- und Immobilienunternehmen i+R Gruppe konnte die Coronazeit nichts anhaben. Ein Rekordumsatz, eine Rekordbeschäftigtenzahl zeichnen Vorarlbergs bestes Familienunternehmen aus.

Die i+R Gruppe aus Lauterach ist schon mehr als 100 Jahre alt. Begonnen hat es 1904 mit dem „Holzer“ Johann Schertler, der einen Zimmereibetrieb mit kleiner Säge gründete und eigener Flößerei auf der Bregenzerach. Von den Vornamen des Gründers Johann Schertler und seines Sohnes Rudolf, der schon Holzbau gelernt hatte, stammt das i+R im Firmennamen.

Heute sind die Urenkel – Joachim Alge und Reinhard Schertler – am Ruder. Die beiden Cousins haben eine Unternehmensgruppe geformt, die heute 1200 Beschäftigte zählt und gerade ihr Wirtschaftsjahr mit einem Rekordumsatz von 700 Millionen Euro abgeschlossen hat. Rückblickend erinnert sich Schertler, wie er und Alge bei Ausbruch der Pandemie im Vorjahr zusammengesessen sind und ihren Geschäftsführern gesagt haben: „Bitte keinen Verlust in diesem Jahr. Machen wir ein Streichresultat, aber keinen Verlust.“ Und dann ist genau das Gegenteil eingetreten. „Wir haben das beste Jahr der Firmengeschichte geschrieben.“

Der Grund für den Umsatzrekord war, dass alle drei Bereiche, in denen die i+R Gruppe tätig ist, – dem Bauen, dem Baggergeschäft und den Immobilien – trotz Corona ungebremst weitergelaufen sind. „Wir konnten auf unseren Baustellen immer arbeiten“, sagt Schertler. „Die Baubranche und die Immobilienbranche boomen derzeit – und das wird auch noch die nächsten ein, zwei Jahre so weitergehen“, schätzen die i+R-Eigentümer.

Beim Thema des Bauens, wo i+R in der Bodenseeregion als Baufirma bekannt ist, werden alle klassischen Bauarbeiten abgedeckt. Im Immobiliensegment ist i+R als Bauträger unterwegs. „Wir machen so circa drei- bis vierhundert Wohnungen im Jahr, die wir frei finanziert verkaufen“, sagt Schertler. „Wir haben auch eine Schwesterfirma in Wien, die S+B Gruppe, die sich mit gewerblicher Projektentwicklung beschäftigt.“

Der dritte Bereich, die Bagger, „hat das größte Wachstum von allen Segmenten“. i+R ist Generalimporteur und vertreibt die aus Japan stammenden Takeuchi-Bagger. „Wir sind stolz, dass wir die Baggerlöffel nicht mehr extern zukaufen, sondern mittlerweile selbst produzieren“, sagen die Eigentümer, die dafür in Ludesch sogar eine eigene Fabrik gebaut haben und diese sogenannten Martin-Löffel natürlich auch an Dritte verkaufen.

„Wir sind stolz, dass wir ein eigentümergeführtes Familienunternehmen in der vierten Generation sind“, betont Joachim Alge. Er ist Ende der 1990er-Jahre ins Familienunternehmen eingestiegen. Sein Cousin, der etwas jünger ist, ist gegen Ende der 2000er-Jahre eingetreten. Bei der neuen Firmenorganisation im Jahr 2013 haben die beiden das gemeinsame Unternehmen so aufgestellt, dass in den einzelnen Bereichen eigenverantwortliche Geschäftsführer tätig sind. „Und wir in der Gruppe quasi übergeordnet eine Art Holding-Funktion ausüben“, sagt Alge. „Wir haben auch eine Art Aufsichtsratsebene eingezogen, die vierteljährlich tagt, bei der viele Informationen fließen und hauptsächlich die Strategie und großen Investitionen beschlossen werden.“

Jede Familie darf einen Repräsentanten, einen Geschäftsführer in die i+R Gruppe entsenden, muss es aber nicht. „Es könnte auch einmal passieren, dass eine Familie darauf verzichtet, weil sie sagt, der andere macht das so gut und ich habe gerade niemanden“, erklären die Chefs. „Aber wir schauen darauf, dass von beiden Seiten wirklich jemand da ist.“

Die beiden Eigentümer verstehen sich. Müssen sie auch, beide halten 50 Prozent am Unternehmen. „Es herrscht das Einstimmigkeitsprinzip, wir müssen alle Entscheidungen zusammen treffen, niemand kann ohne den anderen etwas tun“, erklärt Schertler. „Das bindet uns natürlich aneinander. Und zwingt einen, miteinander auszukommen. Das ist die Kernaufgabe von uns, dass wir für unsere Familien und für unsere Mitarbeiter diese Aufgabe gut wahrnehmen.“

Somit wird alles gemeinsam gemacht. Es gibt keine Aufgabenaufteilung. „Das braucht natürlich etwas mehr Zeit, aber schafft die Geschlossenheit.“ So könne auch keiner auf den anderen sauer sein, wenn es einmal schlechter läuft. Und dadurch gebe es auch kein „der eine ist besser als der andere“, betont Schertler. „Ich glaube, das ist der Schüssel für unser Unternehmen, dass wir es so weit gebracht haben und dass bei uns Frieden herrscht.“

  • Firmensitz: Lauterach
  • Gründung: 1904
  • Heute in der 4. Generation
  • Eigentümerfamilien:
    Alge und Schertler
  • Umsatz: 700 Millionen Euro
  • Beschäftigte: 1200
  • Branche: Bau, Immobilien und Vertrieb von Baggern

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.06.2021)