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Geschichte

Extreme Tornados: Wirbelsturm fegte 1916 über Wiener Neustadt

In Tschechien nahe der niederösterreichischen Grenze hat ein Tornado verheerende Schäden hinterlassen.(c) imago images/CTK Photo
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Wirbelstürme der Stufen 4 und 5 sind in Europa Ausnahmen. Der folgenschwerste Tornado in Österreich wurde 1916 in Wiener Neustadt registriert - 32 Menschen starben.

Tornados sind in Europa und auch in Österreich zwar keine Seltenheit, extreme Wirbelstürme, wie sie etwa in den USA häufig vorkommen, sind aber eine Ausnahme. Der bisher folgenschwerste Wirbelsturm in Österreich wurde am 10. Juli 1916 registriert: Mit Spitzengeschwindigkeiten von 300 km/h fegte damals ein Tornado von Bad Fischau durch Wiener Neustadt bis nach Lichtenwörth.

Der ein Kilometer breite und drei bis fünf Kilometer hohe Windschlauch legte eine 20 Kilometer lange Zugbahn zurück und wurde auf der fünfteiligen Fujita-Skala als Tornado der Klasse drei (F3) eingestuft. 32 Menschen starben, mehr als 300 wurden verletzt.

Wirbelstürme dieser Kategorie mit Windgeschwindigkeiten von 300 km/h wurden noch drei weitere Male in Österreich registriert: Am 11. August 1994 zog ein F3-Tornado in St. Michael (Bezirk Güssing) im Burgenland eine zwei Kilometer lange Spur der Verwüstung. In den Abendstunden verfinsterte sich der ganze Ort, ein Dach wurde vom Sturm mitgetragen und ein Gebäude gänzlich zerstört. In der Steiermark sorgten 1998 gleich zwei F3-Tornados in Weinburg am Saßbach (Bezirk Radkersburg) am 7. Juli sowie in Vornholz (Bezirk Hartberg) am 27. Juli für entwurzelte Bäume, zerstörte Wälder, Stromausfälle und eingedrückte Mauern.

Am häufigsten waren in den vergangenen Jahren Tornados der Stufen F1 (180 km/h) und F2 (250 km/h). Gehäuft treten die Wirbelstürme vor allem im Alpenvorland sowie in den südöstlichen Beckenlagen auf, wo feuchte, heiße Luft auf kalte Fronten trifft. F4- und F5-Tornados mit Geschwindigkeiten von 400 bzw. 500 km/h wurden in Österreich noch nie gemessen. In Wien wurde der letzte Tornado am 13. Mai 2003 beobachtet: Im Bereich der Alten Donau wurden dabei 30 Bäume entwurzelt.

Die schlimmsten Wirbelstürme in Europa

In Europa gab es hingegen auch schon extreme Tornados. Einer der schlimmsten Wirbelstürme fegte mit über 500 km/h am 24. Juli 1930 über die italienische Provinz von Treviso hinweg. In knapp eineinhalb Stunden legte der F5-Tornado 80 km zurück.

In Nordfrankreich zog zwar im Juni 1967 ein Tornado der höchsten Stufe F5 durch das Land, die schlimmsten Auswirkungen hatte aber ein F4-Wirbelsturm am 3. August 2008, der in der Kleinstadt Hautmont drei Menschen das Leben kostete. Der Tornado schlug dabei eine zehn Kilometer lange Schneise der Verwüstung. "In meiner Straße gibt es keine Dächer und keine Fensterläden mehr", berichtete eine Bewohnerin.

Auch in den Niederlanden war es nicht ein Tornado der Stufe F5, der im August 1950 die schlimmsten Folgen hatte, sondern ein F3-Wirbelsturm. Am 25. Juni 1967 forderte das Extremwetter-Phänomen in Tricht in der Nähe von Arnheim fünf Tote und über 30 Verletzte.

In Deutschland gab es zuletzt am 10. Juli 1968 in Pforzheim einen Tornado der Stufe F4. Der Sturm beschädigte 1.750 Häuser. Zwei Menschen kamen durch den Wirbelsturm ums Leben und 200 weitere wurden verletzt. Der Sachschaden betrug mehr als 50 Millionen Euro.