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IWF-Chef warnt vor "Währungen als politische Waffen"

Dominique Strauss Kahn
(c) AP (Manuel Balce Ceneta)
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Weltweit kommt es zu einem Abwertungs-Wettlauf der Währungen, weil jedes Land seine Wirtschaft ankurbeln will. Der IWF-Chef warnt vor den Folgen. Sowohl US-Dollar, Euro als auch der chinesische Yuan sind unterbewertet.

Dominique Strauss-Kahn, Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), warnt vor dem Missbrauch von Währungen. "Es breitet sich ganz deutlich die Idee aus, das Währungen als politisches Druckmittel genutzt werden können", sagte Strauss-Kahn der "Financial Times". "Die Regierungen riskieren Währungskriege, wenn sie versuchen die Wechselkurse zu benutzen, um heimische Probleme zu lösen".

"Währungen als politische Waffe"

"Es beginnt die Idee zu zirkulieren, dass Währungen als politische Waffen verwendet werden können", so Strauss-Kahn. Wenn Staaten versuchten, mit Hilfe ihrer Währungen den heimischen Aufschwung anzukurbeln, werde aber die Erholung der Weltwirtschaft gefährdet. "Jeder solche Ansatz würde einen negativen und sehr schädlichen Langzeit-Effekt haben."

Strauss-Kahn warnte ganz direkt die Schwellenländer. Diese versuchten, sich mit geldpolitischen Maßnahmen gegen starke ausländische Investitionsflüsse und die damit einhergehende Verteuerung ihrer Landeswährung zu wehren. "Ich denke, dass das keine gute Idee ist."

Der US-Dollar hat laut Nachrichtenagentur Reuters gegenüber einem Korb von fünf Währungen seit Beginn September um 6,5 Prozent an Wert verloren. Länder wie Brasilien und Japan stehen damit vor Problemen. Sie unternehmen diverse Anstrengungen, um ihre Währungen abzuwerten. "Es ist in diesem Zusammenhang nur natürlich für sie zu sagen: Wir können unsere Wechselkurse nicht aufwerten und unsere Exporte zerstören lassen", sagt auch US-Ökonom und Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz.

Brasilien warnt vor "Währungskrieg"

Brasiliens Finanzminister Guido Mantega hatte erst vor wenigen Tagen davon gesprochen, dass sich die Welt bereits in einem "internationalen Währungskrieg" befinde. Brasilien kämpft mit höheren Steuern auf ausländische Investitionen gegen die Aufwertung des Real. Für den Kauf brasilianischer Anleihen wurde der Steuersatz am Dienstag überraschend von zwei auf vier Prozent verdoppelt. Mantega will damit den hohen Zufluss an ausländischem Geld bremsen.

Die Steuer war erst vor einem Jahr eingeführt worden, um Spekulationen bei Finanzgeschäften einzudämmen. Analysten bezweifeln aber, dass die Anhebung zu der gewünschten Real-Abwertung führt. Brasilien hat mit 10,75 Prozent einen der weltweit höchsten Leitzinsen, der Investoren anlockt. In den USA und Japan liegt er dagegen bei Null. Experten gehen deshalb davon aus, dass allein die Maßnahme kaum erfolgreich sein wird.

Brasilianischer Real am meisten überbewertete Währung

Der hohe Zufluss an ausländischem Geld hat dazu beigetragen, dass sich der Wert der Landeswährung Real gegenüber dem Dollar seit dem Amtsantritt des scheidenden Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva 2003 mehr als verdoppelt hat. Das schadet der Exportwirtschaft, weil ihre Waren dadurch teurer werden. "Verschiedene Länder leiten geldpolitische Schritte ein, keiner schläft bei der Arbeit", sagte Mantega.

Zuletzt hatte Kolumbiens Notenbank mit Dollar-Käufen begonnen. Auch Chiles Präsident kündigte an, aktiv werden zu wollen. In Peru ist es dieses Jahr bereits häufiger zu Dollar-Käufen gekommen, um die heimische Währung zu drücken. Brasilien scheint jedoch das größte Problem zu haben: Goldman Sachs hält den Real für die weltweit am meisten überbewertete Währung.

US-Dollar und Euro um 13 Prozent unterbewertet

Indes geht aus einem am Dienstag bekannt gewordenen Papier aus dem deutschen Finanzministerium hervor, "dass der chinesische Yuan, aber auch weitere Währungen wie zum Beispiel der argentinische Peso, in jedem Fall unterbewertet sind". In einigen Analysen sei von Unterbewertungen von 20 bis 30 Prozent die Rede. Das Ministerium betonte, es handle sich hierbei nicht um eigene Einschätzungen des Hauses, sondern um einen Querschnitt externer Quellen, der wiedergegeben werde.

Das Papier führt Über- und Unterbewertungen der wichtigsten Währungen auf. Der US-Dollar und der Euro werden als jeweils 13 Prozent unterbewertet bezeichnet. Beim japanischen Yen heißt es - jeweils bezogen auf den Zeitpunkt Mai 2010 - "unklar, von neun Prozent überbewertet bis neun Prozent unterbewertet". Auch beim britischen Pfund gibt es eine unklare Einschätzung verbunden mit einer Schwankungsbreite von zwei Prozent Überbewertung bis fünf Prozent Unterbewertung. Beim chinesischen Yuan ist von bis zu 27 Prozent Unterbewertung die Rede. Beim koreanischen Won wird sie auf bis zu 20 Prozent beziffert, für den argentinischen Peso auf bis zu 37 Prozent. Der brasilianische Real dagegen soll bis zu 23 Prozent überbewertet sein.

IWF kämpft gegen Währungsprobleme

Die Währungsproblematik wird eines der großen Themen auf der IWF-Jahrestagung in Washington sein, die am Freitag beginnt.

(APA/phu)