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Erwachsenenbildung

„Endlich wieder was los im Haus“

Freude am Erwerb von Wissen und Fertigkeiten steht bei den Bildungsangeboten der Volkshochschulen im Vordergrund.
Freude am Erwerb von Wissen und Fertigkeiten steht bei den Bildungsangeboten der Volkshochschulen im Vordergrund.VHS / Johannes Zinner
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Corona hat Österreichs Volkshochschulen große Einbrüche beschert. Dennoch ist das Angebot – entsprechend dem Leitbild – nach wie vor umfassend.

Eine Fotoaktion zum internationalen Tag der Roma, eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Gegenbewegungen“ zu alternativen Gesellschaftsentwürfen, ein kostenloses Webinar mit dem Titel „Wer impft, schafft an?“: Es sind auffallend „nicht kommerzielle“ Projekte, die einem auf der Homepage der Wiener Volkshochschulen ins Auge fallen; Angebote, die jenem gleichermaßen bürgerlichen wie sozialreformatorischen Geist entspringen, aus dem die ersten Vorläufer der Wiener Volkshochschulen geboren wurden – gegen Ende des 19. Jahrhunderts der „Volksbildungsverein in Margareten“ und zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Wiener Urania.

Bildung auch abseits von Beruf

Heute sind Österreichs Volkshochschulen (VHS) als gemeinnützige GmbH organisiert – ebenso wie die großen Weiterbildungsinstitute der Arbeiter- und der Wirtschaftskammer Österreich. Der Unterschied zu diesen Organisationen liegt aus Sicht des Generalsekretärs des Verbands Österreichischer Volkshochschulen, Gerhard Bisovsky, in erster Linie im Bildungsverständnis der VHS, das er als holistisch bezeichnet. „Die Volkshochschulen vereinigen Allgemeinbildung, Persönlichkeitsbildung, berufliche und berufsorientierte und demokratiepolitische bzw. gesellschaftspolitische Bildung.“

Diesen Zielen dürften sich aus ihrer Tradition heraus speziell die Wiener VHS verpflichtet sehen. „Unserem Angebot liegt ein breiter Bildungsbegriff zugrunde, der nicht nur berufliche Verwertbarkeit als Maßstab ansetzt, sondern interessengeleitete Weiterbildung sowie die Förderung kritischen Denkens im Sinne gesellschaftlicher Teilhabe beinhaltet“, sagt Geschäftsführer Herbert Schweiger. 12.000 Personen besuchen jährlich an den Wiener VHS, die damit laut Eigenbeschreibung die größte Erwachsenenbildungseinrichtung im deutschsprachigen Raum sind, Angebote im Bereich „Gesellschaft und politische Bildung“. Auch die erwähnte Onlinereihe „Gegenbewegungen“ wurde laut Schweiger sehr gut angenommen. Insbesondere in Pandemiezeiten waren Onlineveranstaltungen unverzichtbar. 2020 sei es bundesweit gelungen, 52.000 Personen mittels Onlinekursen zu erreichen, sagt Bisovsky. Auch mittlere und ältere Altersgruppen seien offen für digitale Angebote. Man habe so neue Teilnehmer gewinnen können.

Diesen neuen Perspektiven stehen Verluste gegenüber, die vor allem auf die Absage aller nicht unmittelbar berufsrelevanten oder abschlussorientierten Präsenzkurse zurückzuführen sind. Laut Bisovsky finanzieren sich Österreichs VHS in Zeiten des Normalbetriebs zu 62 Prozent aus den Einnahmen durch Bildungsangebote. „Darunter fallen die Kurs- und Veranstaltungsgebühren sowie Mittel für Maßnahmen wie die Basisbildung und andere. 35,5 Prozent der Einnahmen kommen aus Förderungen von Gebietskörperschaften, vom Bund, den Ländern und Gemeinden.“ Der Rest seien sonstige Einnahmen, etwa aus Vermietung.

Die Coronakrise hat diese Finanzgebarung mancherorts auf den Kopf gestellt. Die VHS Salzburg etwa hat sich bisher zu 80 Prozent aus eigener Kraft finanzieren können. „Jetzt haben wir 20 Prozent Eigenfinanzierung und 80 Prozent Förderungen“, sagt Direktorin Nicole Slupetzky. „Außerdem hatten wir Kurzarbeit für ein Jahr beantragt.“

Outdoor im Sommer

Für den Sommer haben die Wiener Volkshochschulen laut Schweiger bereits ein umfangreiches Programm geplant, das hauptsächlich auf Kurse im Freien und Online-Angebote setzt. Unter anderem kostenlose Angebote durch Kooperation mit den Bezirken und z.B. Wohnpartner Wien.

Auch in Salzburg starteten bereits im Juni die ersten Outdoor- und Sprachkurse. Deutschkurse, Kurse für den zweiten Bildungsweg und Basisbildungsangebote konnten schon früher starten. „Im offenen Programm planen wir ein Sommerprogramm mit geringer Teilnehmerzahl und hohen Präventionsmaßnahmen“, sagt Slupetzky. Leider verliere man einige Kursleiter, die die strengen Regeln nicht akzeptieren wollten. „Das haben wir zu respektieren, müssen aber hart bleiben.“

Für den Herbst rechnet Slupetzky damit, „dass wir wieder einigermaßen normal starten können.“ Laut einer Umfrage wollen drei Viertel der Teilnehmenden an der VHS Salzburg zurück in den Präsenzunterricht. Man plane zum Semesterbeginn circa 70 Prozent der Kurse des Jahres 2019 ein.

Umsicht im Herbst

An den Wiener VHS werden im Herbstsemester, sofern die geltenden Bestimmungen es zulassen, Präsenzkurse stattfinden. Ein Großteil der Kurse wird laut Schweiger hybrid angelegt, um sowohl Präsenz- als auch Online-Teilnahmen zu ermöglichen.

Auch in Salzburg wird sich einiges ändern. „Wir werden definitiv nicht wieder im gleichen Ausmaß starten können, da wir auch auf externe Räume in Schulen und Gemeinden angewiesen sind und noch nicht sicher sagen können, dass wir überall reindürfen“, sagt Slupetzky. „Hinzu kommt, dass wir weniger Teilnehmende haben werden aufgrund der Abstandsregelung, dadurch müssen Kurspreise angepasst werden. Wir freuen uns aber darauf, wenn endlich wieder was los ist im Haus.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2021)