Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Mein Office, eine Lounge

Back to Office. Von wegen „der Mensch im Mittelpunkt“: Die schicken Post-Corona- und New-World-of-Work-Büros haben handfeste monetäre Hintergründe. Aber schön sind sie auch.

Was hat man sich in den Unternehmen nicht den Kopf zerbrochen, den Mitarbeitern eine sichere Rückkehr in die Büros zu ermöglichen! Umbauten, Schutzwände, abgeklebte Tische – und dann wollen die Leute gar nicht zurück! Genießen lieber die bekannten Vorzüge konzentrierter Daheimarbeit, zunehmend eingespielter Vereinbarkeit und ersparter Wegzeit. Die Leistung blieb zwar so hoch wie eh und je (mancherorts auch höher), doch Innovationen fielen flach. Und das Soziale blieb auf der Strecke, von Onboarding bis Zusammenhalt. So manchen Unternehmer und fast alle Personalisten quält jetzt die Frage: Wie holen wir unsere Leute zurück?

So beschreibt Andreas Gnesda, Geschäftsführer von Teamgnesda, die aktuelle Lage. Was nicht alle aussprechen: Genauso wichtig wie die Schäfchen wieder unter Kontrolle zu bekommen, sind finanzielle Einsparungen bei den Büroflächen. Das heißt Schluss mit Einzelbüros und fixen Schreibtischen.

Der Berater soll das den Mitarbeitern schmackhaft machen. „Manche sagen: ,Verkleinern Sie die Fläche um 30 Prozent, malen Sie die Wände bunt an und erklären Sie den Leuten, das ist gut für sie.‘“ Diese wehren sich natürlich. Dabei lautet die Wahrheit dahinter: 30 Prozent Fläche einsparen oder 100 Mitarbeiter. „Würden sie das offen sagen, würden alle mitspielen.“

Gnesda plädiert für mehr Ehrlichkeit – und klare Worte: „Früher bedeuteten Sharingmodelle verzweifelte Überzeugungsarbeit. Niemand wollte sie. Heute muss man nur sagen: ,Wenn ihr weiter remote arbeiten wollt, müsst ihr eure Schreibtische aufgeben.‘ Punkt.“


Welcome wie im Hotel

Eine schöne Argumentation hat auch Birgit Thurner, Change Management Spezialistin bei Inter-Pool Immobilien: „Im vergangenen Jahr haben wir gelernt, außerhalb des Büros mobil zu arbeiten. Jetzt müssen wir lernen, auch innerhalb des Büros mobil zu sein.“ Von einer Arbeitsumgebung in die nächste zu wechseln, das gebe Wahlmöglichkeiten und Freiheitsgrade. Und die wolle doch jeder.

Je nach Studie wünschen sich die Mitarbeiter, zwei bis drei Tage pro Woche remote zu arbeiten. Die Unternehmen wollen aber nur ein bis zwei Tage gewähren. Als Lockmittel, so Gnesda, gestalten sie die Büros nun als einladende „Orte der Begegnung“. Das Entrée soll an eine Hotellounge erinnern und ein „starkes Willkommensgefühl“ vermitteln. Der Eingangsbereich ist der Kommunikation gewidmet, dem „Sitzen, Treffen, Austauschen“. Über allem schwebt der Anspruch, die eingesparten Quadratmeter mit höherer Qualität zu kompensieren.

Die eigentlichen Arbeitsräume sind grundsätzlich gemeinschaftlich. Mit den unsäglichen Großraumbüros früherer Zeiten haben sie nichts gemein: „Keine Tische, angeordnet wie die Salathäuptln im Marchfeld. Sondern abgesetzte, organische Einheiten.“

Thurner ergänzt noch weitere Kommunikationsbausteine: Telefonboxen, Besprechungselemente und Interaktionsräume jeder Größe, entweder buchbar und – neu – mit zeitgemäßer medialer Ausstattung, damit auch Home-Worker virtuell beigezogen werden können. Oder frei zugänglich und gut einsehbar, „damit jeder sieht, ob dieser Raum jetzt frei ist“. Kollaboration soll so variabel wie möglich gestaltbar sein – dafür holt man die Kollegen ja ins Büro.

Ein kleines, feines Detail nennt Thurner zuletzt. Die Entscheidung für ein solches Office ist strategisch und fällt top down. Mitreden ist nicht vorgesehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2021)