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Freiraum

Wiener Parks: Viel frische Luft nach oben

Urbane Lüftungsanlage, Sozialraum, offenes Wohnzimmer: Parks müssen viel leisten. ­Das fordert auch jene, die sie gestalten.

Müllhalde, Friedhof, rostige Gleise, daraus kann noch etwas werden. Allein der Donaupark hat’s bewiesen, er war zum Großteil Deponie. Oder der Währinger Park, er war letzte Ruhestätte. Viele wünschen sich, dass auch den Gleis­anlagen beim Wiener Westbahnhof Ähnliches widerfährt: eine nach oben offene Zukunft  –  als Westbahnpark. Ein paar engagierte Landschaftsarchitekten und -architektinnen arbeiten gerade beherzt daran, dass die Stadt Wien an der wichtigen Weichenstellung auch gestalterisch richtig abzweigt: in Richtung Wiese und Wasser statt noch mehr Asphalt und noch mehr Beton. Die Stadt ist ja auch sonst die Kümmerin. Sie sorgt für Grün jenseits der Balkone. Zumindest seitdem es der Kaiser selbst nicht mehr in Handschreiben verordnet oder in großen Gesten ehemalige Jagdreviere für alle öffnet. Oder gar extra Gärten anlegen lässt, wie 1823 den „Volksgarten“, den ersten seiner öffentlichen Art in Wien, der seine ursprüngliche Zielgruppe schon im Namen trägt.

Jedoch: Unter „Volk“ war zu Kaisers Zeiten anderes zu verstehen. „Es gab durchaus soziale Schranken“, berichtet der Garten- und Landschaftshistoriker Christian Hlavac. Die Arbeiter vom Ziegelteich am Wienerberg hätte man dort nicht so gern gesehen, meint er. Lieber sah man Adelige und Bürger wandeln. In dem Buch „Parkgeschichten“, erschienen im Amalthea Verlag, sammelte er verschiedene Anekdoten und Beobachtungen zu vielen Wiener Parks. Heute sind die „Antipoden zur dicht verbauten Stadt“, wie es der Landschaftsarchitekt Pascal Posset vom Zürcher Büro Hager nennt, schon konzeptiv ganz anders angelegt. Freiräume in der Stadt sind heute vielfach auch offen in der Nutzung. Schwer beladen sind sie trotzdem: mit gesellschaftspolitischen Aufgaben sogar. Das merkt man auch, wenn es zwischen Skaterparcours und Trinkbrunnen bei der nächsten Pandemie wieder eng werden könnte. So einiges an Erwartungen, Ansprüchen, inzwischen auch Normen und Standards müssen Parks erfüllen. Und nehmen sich dafür Design und Landschaftsarchitektur zur Hilfe.