Die Wiener Albertina zeigt die erste große Michelangelo-Schau seit mehr als 20 Jahren mit 120 Zeichnungen des Renaissance-Meisters. Eein Teil der Arbeiten sei sei nicht echt, meint ein Experte.
Die seit 20 Jahren größte Schau zu Michelangelo wird ab Freitag in der Wiener Albertina gezeigt. 120 Zeichnungen sind in der Schau zu sehen, ein Teil sind Leihgaben, acht Blätter stammen aus dem Bestand des Museums. Der Versicherungswert der Originalzeichnungen, Skizzen und Entwürfe beläuft sich auf 1,5 Milliarden Euro. Aber sind alle ausgestellten Arbeiten echt? Der deutsche Kunsthistoriker Thomas Pöpper glaubt, dass ein Teil der Zeichnungen Michaelangelo fälschlich zugeschrieben sind. Das berichtet der ORF in der Sendung "Kulturmontag".
Denn vor seinem Tod 1564 vernichtete Michelangelo Buonarroti einen großen Teil seiner Skizzen. Die Anzahl der als offiziell anerkannten Michelangelo-Zeichnungen schwankt zwischen 900 und 500. In dem Buch "Michelangelo - das gesamte Werk" Frank Zöllner, Christof Thoenes und Thomas Pöpper wurde ein guter Teil der figürlichen Michelangelo-Zeichnungen "abgeschrieben". Sie sollen von Kopisten oder Nachahmern stammen.
Pöpper spricht auch sechs der acht Zeichnungen, die im Besitz der Albertina sind, die Authentizität ab. Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder wirft dem Kunsthistoriker vor, für sein Buch in keiner einzigen Michelangelo-Sammlung recherchiert zu haben.
Es fasse nur unterschiedliche Expertisen zusammen, wehrt sich Pöpper. Darum müsse er die Zeichnungen nicht selbst sehen. "Vorurteilsfrei" müsse man jedoch die "Etiketten der Albertina" überdenken, meint er.
Kurator Achim Gnann und seine Assistentin Gisela Fischer widersprechen Pöppers Ansicht: "Die Zweifler beschränken sich auf zwei oder drei, unsere Ansicht, die wir hier vertreten, ist ein breiter Konsens unter internationalen Forschern" sagt Gnann der APA. "Wir bürgen mit unseren Namen und dem Namen des Hauses für das, was hier präsentiert wird."
(APA/Red.)