Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Fußball

Nationalstadion: Wünschen ja, bauen nein

Das Happel-Stadion ist für internationale Fußball-Großereignisse nicht mehr "fit" genug.
Das Happel-Stadion ist für internationale Fußball-Großereignisse nicht mehr "fit" genug.GEPA pictures
  • Drucken

Die Euro befeuert die Frage nach einem österreichischen Nationalstadion. Vorerst bleibt es aber bei Lippenbekenntnissen.

Trotz des Ausscheidens bei der Euro hat das sehr respektabel aufspielende Nationalteam dafür gesorgt, dass selbst Fußball-Agnostiker schwer am Thema vorbei kommen. Und daher wird sie dieser Tage wieder häufiger gestellt – die Frage, ob Österreich nicht (auch) ein repräsentatives Nationalstadion braucht. Eine Arena, mit der man sich in Zukunft für internationale Fußball-Großereignisse bewerben kann.

Der österreichische Fußball-Bund, ÖFB, legt seine Priorität derzeit auf die Errichtung eines Trainingszentrums inklusive einer neuen Geschäftsstelle. Diese Projekte sollen bis 2024 in Wien-Aspern entstehen, Kosten: ca. 50 Mio. Euro. Vom Vorhaben „Nationalstadion“ hat sich der ÖFB aber keineswegs verabschiedet.

„Auch das Thema Nationalstadion steht natürlich weiter auf unserer Agenda“, sagt ÖFB-Präsident Leo Windtner der „Presse“. Aber: „Leider mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass nicht alle drei Projekte (Trainingszentrum, Geschäftsstelle, Stadion, Anm.) an einem Standort realisierbar sind.“ Jedoch: „Wir sehen überall in Europa eine moderne Stadioninfrastruktur, hier besteht großer Aufholbedarf, um auf diesem Gebiet international wieder konkurrenzfähig zu werden.“

Im türkis-grünen Regierungsprogramm ist ein „multifunktionales Nationalstadion“ vorgesehen – nämlich als Leitprojekt „im Zusammenhang mit der Rolle Österreichs als Austragungsort von Großereignissen.“

Wo könnte die neue Arena stehen?

Wo könnte ein solcher Circus Maximus entstehen? Es muss zwar nicht unbedingt Wien sein, aber andere Standorte sind unwahrscheinlich. Zumal die Bundeshauptstadt mit dem alten Ernst-Happel-Stadion im Prater (Eröffnung: 1931, mehrere Renovierungen/Anbauten) bekanntlich schon eine Groß-Arena (ca. 50.000 Plätze) hat. Also könnte man das Happel-Oval um- oder neu bauen. Vorausgesetzt man überspringt die Hürde „Denkmalschutz“.

Was meint die aktuelle Politik? Werner Kogler stehe einem Nationalstadion „zum Beispiel in Form einer Multifunktionsarena, grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber“. Weiter: „Allerdings bräuchte es einen Entscheidungsfindungs-Prozess, unabhängig vom Standort, eine Projektidee samt Nutzungskonzept sowie intensive Befassungen von Experten und allen beteiligten Gebietskörperschaften.“ So heißt es aus dem Büro des grünen Sportministers. Allerdings: Derzeit gebe es keine konkreten Überlegungen in Bezug auf den Standort Wien.

Wenn man aber auf Wien zoomt, kommt man an SPÖ-Sportstadtrat Peter Hacker nicht vorbei. „Wir sehen im Moment nicht die Sinnhaftigkeit einer großen Investition in das Happel-Stadion“, kommt es von seinem Sprecher Reinhard Krennhuber. Und auch er meint: Nur wenn ein Nutzungs- und Rentabilitätskonzept vorliege, komme das Projekt „Nationalstadion“ in Frage.

Und wer zahlt?

Rentabel ist eine Arena, in die um die 60.000 Zuseher passen sollen, nur dann, wenn sie sich auch für Konzerte oder sonstige Veranstaltungen eignet. Erst müsste sie aber gebaut werden. Dabei steht die Frage „Wer zahlt?“ im Weg.

Kostenschätzungen gehen weit auseinander, von 150 bis 300 Millionen Euro ist die Rede. Weiteres Hemmnis: In Wien besteht eine spezielle Situation. Die Wiener Bundesliga-Vereine, der SK Rapid und die Austria, haben keinen Bedarf an einer neuen Arena, da beide Klubs eigene, moderne Spielstätten haben (Allianz-Stadion in Hütteldorf, Generali-Arena in Favoriten).

Dass Wien nun nichts mehr tut, kann man Hacker aber nicht vorwerfen: Sein Sportstättenentwicklungsplan sieht vor, dass 150 Millionen Euro für die Sanierung und Errichtung von Wiener Sportanlagen aufgewendet werden. Etwa für die Errichtung einer Multifunktions-Sporthalle, auf dem Platz, auf dem jetzt noch die Dusika-Halle steht, also ganz in der Nähe des Happel-Stadions. Und: Unmittelbar neben diesem werden mehrere Fußballplätze revitalisiert bzw. neu errichtet. Den Anfang macht ein Platz am Areal des dortigen Körner-Trainingszentrums des SK Rapid.
Mit Blick auf das in die Jahre gekommene Groß-Stadion im Wiener Prater lässt sich somit sagen: Es tut sich viel. Aber nur drumherum.