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Covid-19

Reich zu Impfungen: "Anmeldungstal im Sommer war zu erwarten"

"Die Pandemie ist dann vorbei, wenn sie für die Welt vorbei ist" - und das werde nicht Ende Juni geschehen, so Impfkoordinatorin Katharina Reich.
"Die Pandemie ist dann vorbei, wenn sie für die Welt vorbei ist" - und das werde nicht Ende Juni geschehen, so Impfkoordinatorin Katharina Reich.APA/HELMUT FOHRINGER
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Die Impfkoordinatorin spricht sich gegen ein komplettes Masken-Aus ab 22. Juli aus. Die weitgehenden Lockerungsschritte ab 1. Juli verteidigt sie.

„Am liebsten sind uns 80 Prozent, ich bin ganz offen.“ Katharina Reich, Generaldirektorin für die Öffentliche Gesundheit, hat sich am Dienstagabend in der „ZiB 2“ erneut für die Corona-Impfung und für eine angestrebte Durchimpfungsrate von 80 Prozent bis zum Herbst ausgesprochen. „Oder mehr“, fügte sie vor dem Hintergrund der sich ausbreitenden Delta-Variante hinzu. Derzeit haben in Österreich etwas mehr als 50 Prozent den Erststich erhalten. 32,7 Prozent der Österreicher waren Anfang dieser Woche bereits voll immunisiert.

Allerdings sei klar gewesen, sagte sie angesichts offener oder nicht wahrgenommener Impftermine, dass „mit der nahenden Urlaubszeit“ die Anmeldungen „hinuntergehen": „Es war zu erwarten, dass wir ein kleines Anmeldungstal im Sommer bekommen.“ Sobald Universitäten und Schulen wieder ihren Betrieb aufnehmen, erwarte sie sich allerdings einen „Peak“. Außerdem wolle man „den Sommer trotz alledem gut nutzen“. Jeder, der die Zeit und die Möglichkeit habe, soll sich auch „spontan und ohne Anmeldung" impfen lassen können.

Masken wirklich komplett fallen lassen?

Ihr Nein zum kompletten Aus für die Masken - etwa in Handel oder Öffis - mit 22. Juli bekräftigte sie. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hatte eine solche weitere Lockerung vor gut einer Woche in Aussicht gestellt, sofern sich die Situation weiterhin gut entwickelt. "Ich sage es ganz offen, ich bin nicht für ein Ende der Maskenpflicht", sagte Reich.

Die Maske sei einfach und billig, die Bevölkerung sei gut daran gewöhnt. Gleichzeitig betonte Reich, sie verstehe, dass man nun ab 1. Juli in (den meisten Bereichen) von der FFP2-Maske auf den simplen Mund-Nasen-Schutz (MNS) wechseln könne. Die Impfkoordinatorin verwies auf die hohen Temperaturen, die das Tragen der FFP2-Masken schwieriger machen würden. Wenn die Infektionszahlen niedrig und die Temperaturen hoch sind, dann sei der MNS eine "gute Methode". Aber ganz ohne Mund-Nasen-Schutz in kritischen Bereichen (wie eben etwa in Öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Handel) ist für Reich derzeit "nicht der richtige Zeitpunkt".

Er verfolge nicht täglich, „was die Frau Reich sagt“, entgegnete Bundeskanzler Kurz am Mittwochvormittag im Pressefoyer nach dem Ministerrat. „Aber ich kann nur sagen, wir haben diese Öffnungsschritte in der Bundesregierung gemeinsam ausgearbeitet“. Sie würden zwar früh, aber „bewusst“ gesetzt, schließlich habe man mit der 3-G-Regel „ein stärkeres Sicherheitsnetz als viele andere Länder“. Denn man dürfe nicht vergessen, so Kurz, dass Menschen, die im Hochsommer etwa im Handel arbeiten, in teilweise nicht klimatisierten Geschäften acht oder neun Stunden eine Maske tragen müssen, einer Belastung ausgesetzt sind. Und daher würden Öffnungsschritte - „natürlich immer mit der notwendigen Vorsicht“ - aber „gleichzeitig immer dann, wenn möglich“, durchgesetzt, so der Kanzler.

Die Pandemie sei aber noch nicht vorbei, mahnte der Kanzler zur Vorsicht, und wandte sich insbesondere an all jene, die noch nicht geimpft sind: „Geben Sie sich nicht der Versuchung hin, dass die Pandemie vorbei ist. Jeder, der nicht geimpft ist, behält das Risiko, sich anzustecken."

„Pandemie noch nicht vorbei"

Und auch Reich betonte: "Die Pandemie ist dann vorbei, wenn sie für die Welt vorbei ist. Das wird nicht Ende Juni der Fall sein." Auch verwies sie auf die Mobilität: Österreich sei "keine Insel".

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Die ab 1. Juli in Kraft tretenden umfangreichen Öffnungen - etwa das Aufsperren der Nachtgastronomie oder das Wegfallen der Maskenpflicht in zahlreichen Bereichen - verteidigte die Beamtin: Es gehe darum, jetzt, wo die Infektionszahlen gut sind, "Dinge" zu ermöglichen. "Jetzt sind die Jungen dran", wiederholte sie ein Zitat von Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne). Man sei auch "gerüstet" und könne auch gegen die Delta-Variante einiges tun. Es sei besser, Feiern im kontrollierten Setting zuzulassen, als dass dies ohne Übersicht im privaten Bereich passiere.

Was tun gegen schwindende Impfwilligkeit?

Ein Ja kam von Reich für eine Impfpflicht in bestimmten Berufssparten: Zwar sei dies Sache der Länder, aber es bestehe diesbezüglich eine Empfehlung des Gesundheitsministeriums für Hochrisikoberufe. Angesprochen auf die schwindende Impfwilligkeit der Bevölkerung stellte Reich mögliche Anreizsysteme in Aussicht, ohne allerdings konkret zu werden. Man werde aber versuchen, mit der "Impfung mobil zu werden": So überlege man etwa, mit Impf-Bussen "alle Winkel Österreichs" zu erreichen.

(APA/Red)