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Wie Frauen reisen

Nicht bloß eine Perspektivenfrage, sondern auch der Erlebnisse: Der Reisealltag für Frauen sieht manchmal sehr anders aus als für Männer.
Nicht bloß eine Perspektivenfrage, sondern auch der Erlebnisse: Der Reisealltag für Frauen sieht manchmal sehr anders aus als für Männer.(c) Getty Images (izusek)
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Nach Barcelona reisen Frauen und Männer ähnlich. Die Probleme beginnen erst bei anderen Rollenbildern.

Frauen und Männer reisen unterschiedlich. Ich werde nie den mitleidigen Blick des Kellners in Bosnien vergessen, als meine Freundin unsere zwei Bier beglich. Später erzählte mir eine Frau, wie ein einheimischer Kollege im Oman, der auf der Autobahnraststätte kurz ausgetreten war, ihr später im Wagen heftige Vowürfe machte, weil sie die Kaffees bezahlt hatte: "Wie stehe ich jetzt da?", jammerte er, "ich kann diese Raststätte nie wieder besuchen, weil du mich derart lächerlich gemacht hast!"
Um Klarheit zu kriegen, machte ich eine Umfrage im FB-Freundeskreis und diese explodierte geradezu. Unzählige Frauen, durchaus Vielreisende, beschrieben ihre belastenden Erlebnisse. Offenbar fühlt sich das Reisen für Frauen allzu oft unangenehmer an, als ich das als Mann weiß. "Ich würde nie wieder nach Marokko fahren, obwohl es ein schönes Land ist", schrieb eine. Viele berichteten von nordafrikanischen Ländern und vom Iran. Ich sprang für die islamische Welt ein: Nach Dubai fahren sei doch nicht brutaler, als in die SCS zu fahren? Weit gefehlt! In der SCS verschwinden keine Menschen spurlos, und niemand wird dort für eine erlittene Vergewaltigung eingesperrt.

Ungemütliches berichteten die Frauen auch aus Mexiko, Kuba, Kroatien oder Griechenland. Eine meinte, sie wurde in einer chinesischen Disco auf der Tanzfläche begrapscht. Und Indien verängstigt ohnehin manche. Doch auch Schweden und Norwegen mit ihren "Einvernehmlichkeitsgesetzen" kamen schlecht weg. Wer keine Ehe und keine Kinder hat, gilt vielerorts als alt und einsam. Manche Frauen geben sich daher unterwegs als verheiratet aus und erfinden Nachwuchs, um sich Ungebetene vom Hals zu halten. Oft ist die Stimmung nicht nur lästig wie für Männer, sondern
richtiggehend gefährlich. "Urlaub als Frau in einem Land, dessen Spielregeln man nicht verinnerlicht hat", schrieb eine Frau, "ist nur die Potenzierung vom normal anstrengenden Leben als Frau, in dem man die patriarchalen Gewaltstrukturen zumindest kennt und die Abwehr entsprechend trainiert hat." Eine andere: "Ich bin noch nie als Mann gereist. Ich stell mir das lustig vor!"