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Reiseversicherung

Wer holt einen da raus?

Für Reiseversicherer ist Versorgen und Rückholen von Erkrankten und Verunfallten Alltag: Etwa mit dem Ambulanzjet.
Für Reiseversicherer ist Versorgen und Rückholen von Erkrankten und Verunfallten Alltag: Etwa mit dem Ambulanzjet.Europäische Reiseversicherung
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Man rechnet eigentlich nicht damit, es passiert trotzdem: Wer auf Reisen erkrankt oder sich verletzt, hat mit einer Reiseversicherung im Ausland die besseren Karten. Manchmal müssen Experten echte Stunts hinlegen.

Es muss kein schwerer Coronafall sein. Man könnte beim Überqueren der Straße angefahren werden. In der Hitze einen Herzinfarkt erleiden. Beim Abstieg sich das Bein brechen. Passiert das in Österreich, wissen wir meist, dass und woher Hilfe kommt. Was aber, ereignet sich das Unglück im Ausland? Der Intensivmediziner und Anästhesist Matthias Karrer könnte ein Buch darüber schreiben – er ist schon dabei.
Karrer organisiert als ärztlicher Leiter der medizinischen Einsatzzentrale der Europäischen Reiseversicherung seit mehr als zehn Jahren die medizinische Versorgung verunglückter oder erkrankter Versicherungsnehmer. Manchmal hat der „Reisedoc“ Menschen mit dem Ambulanzjet aus Extremsituationen herausgeholt.

Vom Sanitäter vor Ort bis zum Ambulanzjet

Im Regelfall laufen – in normalen Reisejahren – die ein bis zwei Notfälle der Europäischen Reiseversicherung pro Tag aber so ab: Mit der Meldung in der Einsatzzentrale kommt die Versorgungskette sofort ins Laufen, dann müssen die vielen internationalen Kontakte ineinandergreifen: ein globales Netzwerk an validierten Ambulanzjets, Rettungsdiensten, Krankenhäusern, Airlines. „Man muss dann sehr schnell Ärzte und Sanitäter vor Ort finden, Unfallfolgen abschätzen, manchmal via Fotos eine erste Diagnose stellen.“

Je entlegener die Gegend, desto mehr braucht es Improvisation: „Ein junger Mann hatte auf den Philippinen beim Kiten ein schwerstes Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Wir konnten das einzige Propellerflugzeug vor Ort auftreiben, damit er es nach Manila zur OP schafft. Da geht's um Leben und Tod“, erzählt Karrer. Der logistische Aufwand ist oft sehr groß – sei es, um jemanden mit Oberschenkelhalsbruch aus Las Vegas, sei es, um einen Bergsteiger mit Pneumonie aus Indien retten und versorgen zu lassen.

Stabil und transportfähig

„Sobald der Patient transportfähig ist, macht sich jemand aus dem Team auf den Weg, um ihn abzuholen und nach Hause zu begleiten.“ Das kann dann auch mit dem Linienflugzeug sein. „Patienten mit Knochenbrüchen brauchen eine stabile Situation, an Bord einer 777 fliegt es sich ruhiger“, erklärt Andreas Sturmlechner vom Vorstand der Europäischen Reiseversicherung. Selten starten die Ärzte und Sanitäter mit dem intensivmedizinisch ausgestatteten Ambulanzjet gleich direkt von Österreich aus. „Sie fliegen von hier aus nur dann, wenn es medizinisch wirklich notwendig ist“, erklärt Sturmlechner. Verständlich, wenn man bedenkt, dass ein Einsatz schon auf kürzere Distanz weit mehr als 20.000 Euro kostet.

Viele Hebel müssen ineinandergreifen

Umgekehrt verständlich, dass vielerorts die medizinische Versorgung kaum vorhanden ist und man den Versicherungsnehmer nicht in der Situation belassen kann. „Wobei es gerade in Asien gute Referenzkrankenhäuser gibt“, so Karrer. Tatsache ist aber, dass rückholversicherte Reisende aus Österreich lieber nicht in einem Spital im – selbst gar nicht so fernen – Ausland stranden möchten.
Manche Patienten vergessen bei all ihrem Unglück auch schon einmal, wie viele Hebel in Bewegung gesetzt wurden. „Wenn sie dann aber sehen, dass jetzt jemand aus der Heimat kommt und sie holt, ist das eine irrsinnige Erleichterung für sie“, schildert Karrer. Was der Patient vermutlich auch nicht weiß: Nicht immer ist es für einen österreichischen Arzt im Ausland einfach, die Freigabe durch das Krankenhaus zu erwirken. „Etwa wenn jemand in Thailand in der Psychiatrie sitzt, das ist wie in einem Gefängnis.“ Dass der ausländische Patient mitunter als Cashcow vor Ort genutzt wird, hat Karrer auch schon erlebt. Und dass Kommunikationsstile weit auseinandergehen, es psychologisches und diplomatisches Vorgehen braucht, gehört zum Job wie perfektes Englisch. „Man muss die Regeln kennen. In den USA etwa ist unser System nicht bekannt, folglich wird es schwierig, überhaupt zu den Ärzten vorzudringen. Oft muss man auch über Unfreundlichkeit oder fragwürdige Hygiene hinwegsehen“, erzählt Karrer.

Hilfe am Telefon

„Prinzipiell bieten wir immer an zu helfen“, meint Karrer. Das heißt aber nicht, dass die Kosten immer übernommen werden. Denn mitunter haben die Erkrankten den Schaden selbst zu verantworten – etwa in Folge von Drogenkonsum. „Grob fahrlässig ist es auch, wenn ein sehr kranker Patient trotz Kenntnis seiner Lage fliegt. Oder jemand ohne Führerschein einen schweren Motorrad-Unfall baut.“

Immer wieder staune er, wie wenig Reisende sich gegen den Eventualfall rüsten. „Sie fahren planlos herum, vor allem in Gruppen.“ Dabei ist es nicht schwer, sich zu informieren, sich zu versichern oder die Urlauberia-App herunterzuladen, über die man bei medizinischen Fragen schnelle Antworten vom Reisedoc bekommt. Das Mindeste sei für Karrer, sich zu orientieren, wo man ist und wie man wieder weg kommt: „Ich schau mir in den Hotels sogar die Fluchtwege an.“

Infos: Urlauberia-App der Europäischen Reiseversicherung mit Reisedoc: europaeische.at.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2021)