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Von großen Seen, Schlossteichen und Stadtstränden

Am Wasser. Was einst die Bauern verschmähten, erzielt heute Höchstpreise.

Die Liebe zum Wohnen am Wasser ist nicht unbedingt eine alte. Was heute aus einer guten Lage eine fast unbezahlbare macht, war nicht immer ein wertsteigernder Faktor, ganz im Gegenteil. „Die Seegründe waren bei den Bauern rund um den Wörthersee als saure Wiesen, von denen hin und wieder auch noch ein Tier in den See fiel, nicht sehr beliebt“, erinnert Hansjörg Lenz, frischgebackener Geschäftsführer von Engel & Völkers Kärnten, an die gar nicht so ruhmreichen Zeiten der Seeliegenschaften.

 

Stetiger Wertzuwachs

Eine Situation, die sich seit Mitte des letzten Jahrhunderts komplett gedreht hat. Das zeigen nicht nur die mit edelsten Domizilen bebauten Uferlinien an den großen Seen des Landes, sondern auch die Zahlen. „Die Entwicklung ist phänomenal, seit 1945 haben wir am Wörthersee jährlich zwei bis sieben Prozent Wertsteigerung erlebt“, sagt Lenz – was echte Seegründe für die meisten Menschen nicht mehr leistbar mache. Und selbst diejenigen, die ein nach oben offenes Budget haben, tun sich nicht nur an den Kärntner Seen, sondern auch an jenen im Salzburger Land und Salzkammergut schwer, etwas zu finden. Denn wer heute eine Seeliegenschaft hat, gibt sie entweder nicht mehr her oder vermarktet sie unter der Hand.

 

Ausweichstrategien

Das lässt Immobilienkäufer auf immer neue Alternativen ausweichen. Schon seit ein paar Jahren ist der Trend „den Berg hinauf“ zu beobachten, wo man zumindest einen schönen Seeblick genießen – und das erfrischende Bad dann halt im Infinity Pool nehmen kann. Aber auch kleinere bis ganz kleine Gewässer tauchen auf der Agenda auf, wie Lenz berichtet: „Beispielsweise am Goggausee gibt es noch bezahlbare Seegründe“, verweist er auf weniger prominente Uferlinien. Und selbst Schlossteiche kommen zu neuen Ehren: „So haben etwa am Moosburger Schlossteich alle Anrainer das Recht, für 250 Euro im Jahr baden zu dürfen. Dort ist gerade eine neue Villa entstanden“, nennt er ein weiteres Beispiel. Wie groß die Begehrlichkeiten für ein Wochenend- oder Feriendomizil am Wasser sind, durfte auch Wolfgang Gollner in den vergangenen Jahren erfahren. Der Entwickler ist Geschäftsführer von „Am Hafen“, einem 22 Häuser umfassenden Projekt am Neusiedler See mit eigenem Bootsliegeplatz. Je nach Größe und Lage innerhalb der Anlage beginnen die Preise für die ganzjährig als Zweitwohnsitz bewohnbaren Reihenhäuser bei 1,1 Millionen.

 

Oberen Preis erzielt

Bis auf sechs Einheiten sind inzwischen alle verkauft, darunter das sogenannte Haus im Schilf ganz vorn, das nur über einen privaten Steg erreicht werden kann und auf allen Seiten von Wasser umgeben ist. Was so viel Nachfrage generiert hat, dass es eigentlich in einem Bieterverfahren hätte vermarktet werden sollen – inzwischen aber regulär einen Besitzer gefunden hat. „Das Bieterverfahren war gar nicht mehr nötig, weil wir einen oberen Preis festgelegt haben, der heuer im Frühjahr schließlich auch erzielt wurde“, freut sich Gollner. Womit die komplette Westseite – zumeist an Eigennutzer – übergeben ist. Die letzten zu habenden Einheiten finden sich jetzt auf der Ostseite, und kommen eher für Anhänger der Morgen- als der Abendsonne infrage. „Alle Käufer stammen aus dem Wiener Umfeld“, berichtet Gollner. „Die Wiener schätzen es, so schnell am Wasser zu sein und so etwas wie ein Meeresfeeling genießen zu können. Wasser beruhigt einfach und ist daher während der Pandemie noch einmal zu einem raren, gefragten Gut geworden.“ Lediglich der niedere Wasserstand des Vorjahres habe zu einer kurzen Verunsicherung geführt, räumt der Geschäftsführer ein: „Da haben sich natürlich einige gefragt, ob sie wirklich über eine Million investieren wollen, wenn dann kein Wasser da ist. Aber nachdem wir jetzt wieder einen Pegel haben, der über dem normalen liegt, sind diese Bedenken zerstreut.“

 

Uferlagen in der Stadt

Ihre Liebe zum Wasser haben die Wiener in den letzten 20 Jahren auch innerhalb der Stadtgrenzen entdeckt. Was mit der Entwicklung des Donaukanals begann, findet seine Fortsetzung heute mit immer mehr Wohnprojekten entlang der Donau und des Kanals – vom Triiiple, für das die Tangente überplattet wurde, um Platz am Wasser zu schaffen, über den Marina Tower bis hin zu The Shore, dem wohl aktuell luxuriösesten Wasserprojekt. Hier entstehen insgesamt 125 Einheiten, von denen 30 Prozent bereits verkauft sind, wie Maxim Zhiganov, CEO des Projektentwicklers WK Development, berichtet. Die Fertigstellung der gesamten Anlage ist für den Herbst 2022 geplant, die ersten Häuser sollen bereits Ende 2021 fertig sein, und die Dachgleiche für den ersten Bauteil ist für Ende Juli geplant. Auch hier ist die Nachfrage nach den Wohnungen direkt am Wasser so hoch, dass die ersten Entwürfe noch einmal geändert und mehr Einheiten an der Wasserlinie eingeplant wurden.

 

Zum Wasser hin erweitert

„Das Interesse war groß und viele Kunden wollten auch kleinere Wohnungen direkt am Wasser haben“, erklärt Zhiganov die Entscheidung. Und das, obwohl der Komplex auch „hinten“ einiges zu bieten hat: „Der Blick aufs Wasser ist definitiv ein USP des Projekts. Hinzu kommt aber auch unser Lifestyle-Konzept“, so Zhiganov. Zu diesem gehört unter anderem ein Concierge Service, Spa- und Wellnessbereiche, In- und Outdoor-Fitness, ein Spielplatz und Tiefgaragenplätze. Der Privatstrand samt eigenem Badesteg dürfte aber trotz allem zu den Hauptgründen gehören, sich für diese Anlage zu entscheiden.

Wobei aber ausgerechnet die Natur ein Faktor war, der den einen oder anderen zunächst verunsichert hat. „Anfänglich gab es durchaus Bedenken in Sachen Hochwasser“, so der Entwickler. „Diese konnten wir aber gegenüber den Interessenten ausräumen, weil wir alle nötigen baulichen Vorkehrungen zur Absicherung der Liegenschaft gegen Hochwasser getroffen haben.“ Und da die Liebe zum Wohnen am Wasser inzwischen – anders als bei den Kärntner Bauern von einst – groß genug ist, hat man für entsprechende Maßnahmen gern das nötige Geld in die Hand genommen. (SMA)

TEURE UFERLINIEN

Die Preise an den heimischen Seen können durchaus mit jenen im ersten Bezirk von Wien mithalten. Für luxuriöse Neubauten werden am Wörthersee bis zu 18.000 Euro für den Quadratmeter Eigentumswohnung aufgerufen, die Grundstückspreise liegen bei bis zu 6000 Euro pro Quadratmeter. Ähnlich schaut es an den Ufern der Salzburger Seen aus. Wobei das Budget allein nicht hilft – auf entsprechende Objekte muss man oft jahrelang warten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2021)