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Der Meister als Lehrer und Inspirator

Bruckners Privatschülerin: Mathilde Kralik v. Meyrswalden (1857–1944).
Bruckners Privatschülerin: Mathilde Kralik v. Meyrswalden (1857–1944).(c) H.C. Kosel Wien, ÖNB
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Brucknerfest. Die Konzerte des diesjährigen Festivals in Linz beleuchten auch die Unterrichtstätigkeit des großen Symphonikers und fördern manch klingende Überraschung zutage.

Über die Schrulligkeiten des Anton Bruckner ist viel erzählt worden. Auch seine Studenten am Wiener Konservatorium haben lustvoll einschlägige Anekdoten verbreitet, aus denen sich so manches über die kulturpolitischen Mixturen im Wien der Ära Kaiser Franz Josephs lernen lässt, sowie auch über die Naivität eines Komponisten, der Musik schrieb, die für Zeitgenossen zur radikalen Moderne zählte. Nicht zuletzt die deutschnational Gesinnten unter seinen Schülern machten sich über den katholischen Bruckner lustig, nur hinter vorgehaltener Hand, denn die musiktheoretische Kompetenz des Meisters war unbestritten, sogar bei jenen, die seine Symphonien abschätzig als „Zukunftsmusik“ brandmarkten.

Nur der Kritiker der „Neuen Freien Presse“, Eduard Hanslick, blieb bis zuletzt skeptisch. Etliche junge Musiker vertrauten aber auf die Lehrerpersönlichkeit Bruckners. Grund genug, diesen Aspekt einmal im Rahmen des Internationalen Brucknerfests Linz zu beleuchten. Intendant Dietmar Kerschbaum stellt den Veranstaltungsreigen unter das Motto „Mutige Impulse. Bruckner und seine Schüler*innen“ und förderte sogar einige Stücke zutage, die erstmals gespielt werden.

Mahlers Ideengeber

Dass auch Werke von Gustav Mahler zu hören sein werden, bedient zwar ein tradiertes Missverständnis: Mahler war nie Bruckners Schüler. Aber er war von Bruckners Musik in Bann geschlagen und ereiferte sich gegen Bruckner-Gegner so engagiert wie sein Freund Hans Rott, der tatsächlich bei Bruckner die Schulbank gedrückt hatte. Die Partitur der genialischen Symphonie in E-Dur aus der Feder des tragisch früh verstorbenen Rott hat Mahler besessen und ungeniert als Steinbruch für eigene Stücke benutzt.

Dessen wird man heuer beim Brucknerfest wieder einmal gewahr werden, denn diese E-Dur-Symphonie erklingt, gespielt von den Bamberger Symphonikern unter Jakub Hrůša, am 28. September. Für das Programm hat man in den Archiven noch andere Funde gemacht. Bei der Klassischen Klangwolke am 18. September wird eine weitere Symphonie Hans Rotts zu hören sein, im Konzert des Quatuor Danel am 25. September außerdem ein Streichquartett und am 30., gespielt vom RSO Wien unter Marin Alsop, das „Vorspiel zu Julius Cäsar“.

Anton Bruckner mit dem Franz-Josephs- Orden, 1886.
Anton Bruckner mit dem Franz-Josephs- Orden, 1886.(c) Otto Schmidt

Die Privatschülerin

Einen solchen Schwerpunkt für Hans Rott hat es noch nie bei einem österreichischen Festival gegeben. Ergänzt wird er durch Aufführungen von Werken Mathilde Kraliks von Meyrswalden (1857–1944). Ihren Namen haben auch gut informierte Musikfreunde zuvor kaum je gehört. Sie war Bruckners Privatschülerin, und das Brucknerfest widmet der gebürtigen Linzerin einen Schwerpunkt im Festspielprogramm 2021. Die „geballte Frauenpower“ in der Klassischen Klangwolke 21, die vom Female Symphonic Orchestra Austria unter Silvia Spinnato mit der italienischen Geigerin Francesca Dego gespielt wird, hat also einen gediegenen kompositorischen Unterbau.

Bruckners Leidensweg

Selbst im Schaffen Mahlers fand man ein Werk, das trotz Mahler-Schwemme im internationalen Musikleben kaum je live zu hören ist: „Das klagende Lied“ erklingt am 23. September, gespielt vom Bruckner Orchester Linz unter Markus Poschner, der am 5. Oktober dann auch die längste von Mahlers Symphonien, die Dritte, in das Programm nimmt.
Vom Namenspatron des Festivals sind nebst der f-Moll-Messe und dem „Te Deum“ (unter Michail Jurowski mit dem Tonkünstler-Orchester am 19. September) drei der großen Symphonien zu hören. Die Dritte erklingt im Konzert der Wiener Akademie unter Martin Haselböck (am 3. Oktober), mit Musik von Hugo Wolf mit Thomas Hampson als Solisten.
Die vom Komponisten selbst so genannte „Romantische“ in ihrer spätesten Fassung, also mit dem beliebten „Jagdscherzo“, geht bei Markus Poschner am 23. September der Aufführung von Mahlers „Klagendem Lied“ voran.

Und die Fünfte mit dem gewaltigen Schlusschoral bildet das Finale in der Stiftsbasilika St. Florian mit dem Bruckner Orchester Linz unter Hartmut Haenchen. Musikfreunde dürfen bei näherer Beschäftigung tief in die historischen Verwerfungen des heimischen Kulturlebens blicken: Die Dritte bescherte Bruckner den schlimmsten Misserfolg, die Vierte geriet nach mehrmaliger Umarbeitung zu einem der größten Triumphe. Und die Fünfte existiert nur in einer einzigen Version, denn der Komponist hat sie nie von einem Orchester gespielt hören dürfen . . .

Ganz Linz feiert den Meister und seine Schüler

Beim Brucknerfest sind auch Spaziergänge musikalisch. Die ganze Stadt steht während des Brucknerfests im Zeichen Bruckners und seiner Schüler. Auch die beliebten Klangwolken, mit denen Linz seit 1979 schon insgesamt mehr als drei Millionen Menschen erreichen konnte. Gleich drei Klangwolken gibt es zum Gedenken an den 125. Todestag des Meisters.

Am 11. September heißt es bei der Klangwolke 21 „ganz Linz klingt“, tags darauf gibt es ab 14.30 Uhr eine spezielle „Kinderklangwolke“ und am18. geballte Frauenpower bei der „Klassischen Klangwolke“ mit der Geigerin Francesca Dego und dem Female Symphonic Orchestra Austria unter der Leitung seiner Gründerin Silvia Spinnato – und Musik der Bruckner-Schülerin Mathilde Kralik von Meyrswalden.

Francesca Dego musiziert in der Klassischen Klangwolke.
Francesca Dego musiziert in der Klassischen Klangwolke.(c) Davide Cerati

Außerdem bittet das Brucknerfest vom 5. bis 10. September zum täglichen Spaziergang auf den Spuren des Namenspatrons. In der Linzer Innenstadt werden sieben „Bruckner-Orte“ aufgespürt, wo dann jeweils Studenten der Anton Bruckner Privatuniversität neue Werke in Kurzkonzerten präsentieren. Sie alle haben mit dem Motto des diesjährigen Festivals zu tun, denn die Vorgabe lautete: Skizzen und Entwürfe des früh verstorbenen Bruckner-Schülers Hans Rott sollten „kreativ und stilistisch eigenständig fortgeschrieben“ werden.

Vom 6. bis 10. September hört man im Anschluss an den Spaziergang täglich bei freiem Eintritt in der „Jazzlounge“ im Hotel Wolfinger am Hauptplatz die jüngsten Jazz-Kompositionen von Studenten der Jazzklasse des Konservatoriums. Unnötig zu sagen, dass auch sie selbstverständlich auf Skizzen Hans Rotts basieren . . . 

Auf einen Blick

Internationales Brucknerfest Linz 4. Sept. bis 11. Okt. 2021

Ticket-Hotline
Tel: +43/(0732)/775 230 oder per E-Mail: kassa@liva.linz.at
Montag bis Freitag zwischen 10 und 18 Uhr,
Kartenbestellungen auch über den Online-Ticketshop und oeticket möglich.

Das komplette Programm sowie alle Infos zu Tickets und Abonnements unter www.brucknerhaus.at
Dort sind auch alle Informationen zum Sicherheitskonzept rund um die aktuellen gesetzlichen Coronamaßnahmen abrufbar.