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Massive Symphonik, auch in kleinen Dimensionen

Klavierlegende Martha Argerich hat mit Lylia Zilberstein Mahlers Version von Bruckners Dritter einstudiert ( 29. 9.).
Klavierlegende Martha Argerich hat mit Lylia Zilberstein Mahlers Version von Bruckners Dritter einstudiert ( 29. 9.).(c) Adriano Heitman, Andrej Grilc
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Große Solisten. In Linz kann man diesmal sogar Klaviermusik Bruckners entdecken. Und Mahler als Arrangeur.

Auch die Programme der großen Solisten, die sich in Linz während des Brucknerfestes die Klinke in die Hand geben, beziehen sich über weite Strecken auf das Festspiel-Motto – oder auf den Komponisten Bruckners selbst und die Auswirkungen, die sein Schaffen auf die Musikgeschichte hatte.  So erklingen Lieder des Bruckner-Fanatikers Hugo Wolf im Konzert von Sophie Rennert und Helmut Deutsch am 14. September, das im Übrigen den Schülerinnen und Schülern Bruckners gewidmet ist. Hugo Wolf war ja eine Zeit lang auch Kritiker, ein besonders scharfzüngiger dazu. Und er machte kein Hehl daraus, dass er Bruckner liebte und dessen Antipoden Brahms verachtete. Was ihm, dem Jahrgangskollegen des im Umgang verbindlicheren Gustav Mahler, Acht und Bann im Musikleben eintrug.

Im Rahmen einer Durchspielprobe nahmen sich die Wiener Philharmoniker einmal seiner Tondichtung „Penthesilea“ an, nur um sich über die Komposition lustig zu machen und den Kritiker von Johannes Brahms zu demütigen. Musik von Wolf hat auch Martin Haselböck mit seiner Wiener Akademie auf dem Programm. Thomas Hampson wird einige der Mörike-Lieder in Orchesterfassungen sowie Goethe-Lieder singen (3. Oktober). Hampson hält außerdem von 4. bis 6. Oktober öffentliche Meisterkurse für junge Liedinterpreten ab, bei denen die Musik Mahlers und Wolfs im Zentrum stehen wird. Ein spätes Debüt im Linzer Brucknerhaus feiert die große Wagner-Heroine Waltraud Meier. Sie gestaltet ihren Abend am 22. September mit Günther Groissböck und niemand Geringerer als Antonio Pappano wird am Klavier begleiten. Auf dem Programm nebst „Wunderhorn“-Liedern von Mahler die späten Michelangelo-Lieder und einige Mörike-Vertonungen von Hugo Wolf und echte Raritäten: Lieder aus der Feder von Anton Bruckner und seines Schülers Hans Rott.

Spannend für Brucknerianer ist es wohl, einer Klavierbearbeitung der Siebenten Symphonie Bruckners zu begegnen: Das Duo Thal & Grotheuysen spielt sie am 7. Oktober. Und apropos Bearbeitung: Die Pianistinnen Martha Argerich und Lilya Zilberstein haben dem Genius loci zu Ehren Mahlers Klavierarrangement der Zweitfassung von Anton Bruckners Dritter Symphonie einstudiert. Diese Fassung einer Brucknerschen Symphonie aus der Feder eines genialen Teenagers entstand aus traurigem Anlass: Mahler war Zeuge der vernichtenden Niederlage, die Bruckner in Wien erleben musste, als er sein Werk am Pult der Philharmoniker im Musikverein uraufführte. Das Publikum verließ empört den Saal. Mahler und Hans Rott waren unter den wenigen, die ausharrten. So fasste Mahler den Entschluss, dem Meister eine Freude zu bereiten und die Symphonie für Klavier zu arrangieren. Ende gut, alles gut: Bruckner erlebte die Wiedergutmachung, dass das Publikum sein Werk in der Originalgestalt bejubelte – und wir haben eines seiner Werke in einem Arrangement seines „Nachfolgers“ als bedeutendster österreichischer Symphoniker seiner Zeit. Mahler war ja doch Bruckners Schüler, wenn auch nicht auf dem Konservatorium. (sin)