Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Wimbledon

Das römische Schlagfeuerwerk

Matteo Berrettini, stolzer Italiener in Wimbledon.APA/AFP/BEN STANSALL
  • Drucken

Italien meldet sich in diesem Sommer zurück auf der großen Sportbühne, im Fußball, bei Olympia und dank Matteo Berrettini und Co. auch in Wimbledon.

London. Kein anderes Land stellt mehr Tennisprofis in den Top 100 der Welt als Italien. Zehn sind es an der Zahl und nach und nach mischen Berrettini, Sinner, Sonego und Co. auch die großen Turniere auf. Bei den French Open erreichten heuer erstmals drei Italiener die zweite Woche eines Grand-Slam-Turniers. Und nun in Wimbledon ist es Matteo Berrettini, der es als erster Italiener seit Davide Sanguinetti (1998) in das Viertelfinale geschafft hat.

Der Tennis-Aufschwung fällt zusammen mit einem italienischen Sommerhoch, in dem sich auch die Fußballer nach historischen Tiefschlägen eindrucksvoll bei der EM zurückgemeldet haben. Erwähnenswert sind auch Italiens Basketballer, die sich gerade erstmals seit 2004 wieder für Olympia qualifiziert haben und in Tokio nun die größte italienische Delegation der Geschichte verstärken werden, wie Giovanni Malagò, der Präsident des Nationalen Olympisches Komitees, erklärte.

In Sachen Tennis ist Berrettini der Mann der Stunde. Nachdem er sich in Paris nur dem späteren Champions Novak Djokovic beugen musste, blieb der aktuelle Weltranglistenneunte auf der anschließenden Rasensaison bisher unbesiegt. Neun Partien hat der 25-Jährige in Folge gewonnen, auf dem Weg zum Titel Queen's, sein erster bei einem 500er-Event, und nun ins Viertelfinale von Wimbledon. „Ich denke, dass ich ganz bestimmt das beste Tennis meiner Karriere spiele“, meinte er dieser Tage an der Church Road.

Die passenden Zahlen dazu: 22 der vergangenen 24 Sätze hat Berrettini gewonnen, in Wimbledon hat er bisher mehr Asse als jeder andere Spieler geschlagen (67) und von 61 Aufschlagspielen nur zwei verloren. Auch die Vorhand, seine größte Waffe, funktioniert auf Rasen bisher blendend (54 Winner). Schon vor dem Turnier galt der Römer als einer der ersten Herausforderer für den aktuell übermächtig wirkenden Novak Djoković, spätestens jetzt ist er das endgültig, zumal Roger Federer trotz Viertelfinaleinzug noch nicht vollends überzeugt hat.

Italiens Sternstunde

Am Mittwoch aber bekommt es Berrettini erst einmal mit dem Kanadier Félix Auger-Aliassime (ATP 19) zu tun. Die beiden sind gut befreundet, Berrettinis Freundin Ajla Tomljanović (ebenfalls im Wimbledon-Viertelfinale) ist die Cousine von Auger-Aliassimes Freundin. Das Duell ist zugleich ein erster großer Härtetest auf dem Weg zur möglichen italienischen Tennis-Sternstunde.

Für die bisher letzte haben die Damen gesorgt. Flavia Pennetta besiegte im italienischen Überraschungsfinale bei den US Open 2015 ihre Freundin Roberta Vinci und verkündete noch auf dem Centre Court ihren Rücktritt.

„Ich erinnere mich wie ich ihnen zugeschaut habe“, erzählte Berrettini nun in Wimbledon. Als Teenager hatte er einst mit Pennetta ein paar Bälle geschlagen. „Ich habe gerade ein Future-Turnier in Antalya gespielt als Roberta und Flavia das Finale der US Open erreicht haben. Es war ein großer Moment für uns alle.“


[RM5PZ]

(joe)