PR-Wunder Michelle Obama: Beliebter als Mr. President

PRWunder Michelle Obama Beliebter
PRWunder Michelle Obama Beliebter(c) EPA (SHAWN THEW)
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Das Magazin „Forbes“ hat die First Lady zur mächtigsten Frau der Welt gekürt. Sie löst Angela Merkel im Ranking ab. Die Vorjahreserste landete lediglich auf Platz vier.

In einem Interview mit dem Magazin „Rolling Stone“, in dem er auch gleich seine I-Pod-Lieblinge enthüllte – Stevie Wonder, Bob Dylan und die Rolling Stones –, kehrte Barack Obama neulich seine sentimentale Seite hervor. „Wer hätte gedacht, dass einmal ein Beatle im Weißen Haus ein Lied für ein Girl von der South Side von Chicago spielen würde?“, wunderte sich der Präsident noch im Nachhinein. Er sprach von seiner Frau Michelle – einer Frau zumal, die von Sklaven abstammt –, und der einer der einst berühmtesten Popstars des Planeten in einem Gebäude, das von Sklavenhand errichtet wurde, aus Jux ein Ständchen darbrachte.

Es war ein berührender Moment, als Paul McCartney der First Lady bei einem Privatkonzert im Weißen Haus anlässlich der Preisverleihung seinen Song „Michelle“ widmete. Er könne der Versuchung einfach nicht widerstehen, feixte der Ober-Beatle. „Selbst auf die Gefahr hin, dass mich der Präsident danach rausschmeißt.“ Während McCartney von „Michelle, la Belle“ sang, wandte sich Barack Obama stolz an seine zwölfjährige Tochter Malia.

Wie ein verliebter Teenie

Wenn Barack Obama über seine Frau redet, gerät er ins Schwärmen wie ein verliebter Teenie. „Ich weiß gar nicht, wie ich es geschafft habe, dass sie mich geheiratet hat.“ Und fuhr fort: „Wäre sie bei der Präsidentenwahl angetreten, hätte sich mich vernichtend geschlagen.“ Bei einem Dinner zugunsten der Bill-Clinton-Stiftung in New York, spielte er scherzhaft auf den Gastgeber an: „Er weiß, wie es ist, mit jemandem verheiratet zu sein, der intelligenter, schöner und beeindruckender ist als man selbst.“

Dass Michelle Obama jetzt vom US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ obendrein noch zur mächtigsten Frau der Welt gekürt worden ist, liegt irgendwie in der Natur der Sache. In der Logik einer Jury, die die Managerin Irene Rosenfeld an zweiter, Talk-Show-Queen Oprah Winfrey an dritter, Außenministerin Hillary Clinton an fünfter und die Pop-Diva Lady Gaga an siebenter Stelle rangiert, muss die Frau des mächtigsten Mannes der Welt automatisch auch die mächtigste Frau der Erde sein. Die Vorjahreserste, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, landete lediglich auf Platz vier.

Überzeugend fand „Forbes“ vor allem das Engagement Michelle Obamas gegen Fettleibigkeit von Kindern und für gesunde Ernährung. Ihre Kampagne „Move On“ hat in den USA bereits einiges in Bewegung gebracht. Lebensmittelkonzerne gehen daran, die Süßstoffe in Soft Drinks zu reduzieren und in Schulen ausgewogenere Menüs anzubieten. Die First Lady geht mit gutem Beispiel voran. Am South Lawn des Weißen Hauses legte sie mit Schulkindern einen Gemüsegarten an, um Bioprodukte zu propagieren – möglichst aus eigenem Anbau.

Ihr zweites, großes Anliegen ist die Bildung. Die 46-Jährige geht in Schulen, wo sie vor allem afroamerikanische Kinder und Latino-Kinder zu einem Studium zu motivieren versucht. Sie selbst und ihr Bruder Craig – ein College-Basketballstar – haben es aus bescheidenen Verhältnissen an die Ivy-League-Universitäten Princeton und Harvard geschafft.

Verhöhnt als Marie Antoinette

In den Umfragewerten hat Michelle Obama ihren Mann inzwischen überflügelt. Rund zwei Drittel der Amerikaner hegen Sympathie für die First Lady. Im Sommer allerdings erlitt ihre Popularität einen Einbruch, als sie mit ihrer Tochter Sasha einen mehrtägigen Luxusurlaub in Marbella verbrachte, die Kosten aus eigener Tasche beglich – nicht jedoch für die riesige Eskorte des Secret Service und der Präsidentenmaschine „Air Force Two“. In Zeiten der Wirtschaftskrise, in der die Amerikaner den Cent zweimal umdrehen, brachte dies die Konservativen auf die Palme. Boulevardblätter verhöhnten sie wegen ihrer vermeintlichen Verschwendungssucht als „moderne Marie Antoinette“.

An der Seite ihrer Vorgängerin Laura Bush hat sie bei einer Gedenkfeier für die Opfer des 9/11-Terrors in Pennsylvania zuletzt ihre patriotische Pflicht erfüllt. Am Esstisch, so hat sie angeblich verfügt, hat die Politik keinen Platz. Sie sehe sich als „Super-Mom“, erklärte sie bei ihrem Einzug in „1600 Pennsylvania Avenue“, den Präsidentensitz. Ganz ohne Politik geht es aber doch nicht: Im Wahlkampffinale für die Midterm Elections fliegt sie jetzt kreuz und quer durchs Land, um die Amerikaner zur Wahl aufzurufen und die Demokraten zu unterstützen.

Auf einen Blick

Michelle Obama landete im alljährlichen „Forbes“-Ranking der „mächtigsten Frau der Welt“ auf dem ersten Rang. In der stark von Amerikanerinnen dominierten Liste stieß die First Lady von Platz 40 im Vorjahr nach ganz vor und ließ die Managerin Irene Rosenfeld, TV-Moderatorin Oprah Winfrey, die Politikerinnen Angela Merkel, Hillary Clinton sowie Lady Gaga hinter sich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2010)

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