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Markus Hinterhäuser
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Salzburger Festspiele

Markus Hinterhäuser über die Oper und andere Glücksfälle

Die Salzburger Festspiele haben im Vorjahr trotz der Pandemie ein starkes, ein vitales Zeichen gesetzt.

Auch in diesem Sommer wollen wir diese kostbare Zusammenkunft im Namen der Kunst wieder möglich machen. Das überwältigende Gemeinschaftsgefühl, das sich im Sommer 2020 eingestellt hatte, war besonders eindrücklich zu spüren, als wir Mozarts „Così fan tutte“ auf die Bühne brachten. Wir hatten diese Oper ursprünglich nicht für das Jubiläumsjahr geplant. Sie ist sehr spontan, fast in Lichtgeschwindigkeit während des Lockdowns entstanden: eine Inszenierung von großer Eleganz und Klugheit, getragen vom Regisseur Christof Loy, vom Dirigat Joana Mallwitz’ und einem großartigen Sängerensemble. Vielleicht sind wir in Salzburg Mozart selten näher gekommen als mit dieser „Così“.

Eine der Produktionen, die ich für das Jubiläumsjahr geplant hatte, und die wir im vergangenen Sommer realisieren konnten, war „Elektra“ von Richard Strauss. Mit dieser Produktion haben die Wiener Philharmoniker unter Franz Welser-Möst und das Team um den Regisseur Krzysztof Warlikowski Festspielgeschichte geschrieben. Es ist ein Geschenk an jene Gäste, die 2020 nicht nach Salzburg kommen konnten, dass die wunderbare „Così fan tutte“ und die verstörend intensive „Elektra“ in dieser Saison wieder aufgenommen werden.

Weltwahrnehmungen deuten

Zudem erfüllen wir unser Versprechen, all jene Produktionen, die wir für 2020 vorgesehen haben und die wir wegen der Pandemie nicht zeigen konnten, 2021 zu realisieren. Wir stellen zum 100-Jahr-Jubiläum zwei vollkommen verschiedene Weltwahrnehmungen in den Mittelpunkt unserer Überlegungen. Zum einen die des radikalen Individualisten – „Don Giovanni“ etwa, aber auch „Richard III.“ oder „Elektra“ –, der ohne Bindung, ohne Ordnungssysteme, fast anarchisch agiert. Wie in einem Amoklauf irrlichtert Mozarts „Don Giovanni“ seiner eigenen Zerstörung entgegen. In Giovannis Welt gibt es keine Liebe, keine Utopie, kein Licht. Seine Triebfeder ist der Exzess, die Obsession, der Nihilismus. Regisseur Romeo Castellucci und Dirigent Teodor Currentzis fordern in ihrer „Don Giovanni“-Deutung ein neues Sehen und Hören der „Oper aller Opern“ heraus.

Als Kontrapunkt zu diesem zügellosen Individualismus steht das Kollektiv, die Gemeinschaft und Luigi Nonos Appell an die Menschlichkeit: Sein azione scenica „Intolleranza 1960“ ist ein Werk des Humanismus, der Nächstenliebe, der Gerechtigkeit. Luigi Nono spricht darin von der Gewissheit, dass „der Mensch dem Menschen ein Helfer“ sein muss. Seine Reflexion über Toleranz und Intoleranz ist vermutlich nie dringlicher gewesen als heute.

Mehr Informationen unter: www.salzburgerfestspiele.at