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Ausblick. Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler ist überzeugt, dass dieser Festspielsommer ein ganz außergewöhnlicher wird.
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Salzburger Festspiele

Zum Geleit

Ausblick. Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler ist überzeugt, dass dieser Festspielsommer ein ganz außergewöhnlicher wird.

„Zum zweiten Mal dürfen die Salzburger Festspiele zu einer Jubiläumssaison bitten. Wir haben aus dem Unglück Pandemie eine Chance gemacht: Entgegen aller Unkenrufe konnte das 100-Jahr-Jubiläum der Festspiele 2020 stattfinden, wenn auch in reduzierter Form. Für mich persönlich war auch 2020 immer klar, wir spielen zumindest einmal den „Jedermann“ auf dem Domplatz und die Wiener Philharmoniker geben zumindest ein Open-Air-Konzert. Es ist glücklicherweise viel besser gekommen. Intendant Markus Hinterhäuser hat ein Programm erdacht von über 110  Veranstaltungen, das weltweit beachtet, mit internationalen Preisen belohnt und vom Publikum geradezu euphorisch begrüßt worden ist. Und unser Kaufmännischer Direktor Lukas Crepaz hat mit seinem Sicherheitskonzept bewiesen, dass Festspiele unter dem Vorrang der Gesundheit auch möglich sind. Bei 76.000  Besucherinnen und Besuchern sowie 3000  Mitarbeiterinnen, Mitarbeitern, Künstlerinnen und Künstlern mussten wir nicht einen einzigen positiven Testfall in der Festspielzeit beklagen. Dass heuer wieder ein Festspielsommer stattfinden kann, der künstlerisch außerordentlich zu werden verspricht, sehe ich auch als Belohnung für die Courage des vergangenen Jahres an.

Zugegeben, auch ich habe in diesem Frühling erstmals gezweifelt, weil für lange Zeit nicht klar gewesen ist, ob die Pfingstfestspiele heuer überhaupt stattfinden könnten. Im Vorjahr mussten sie ausfallen. 2021 konnten sie stattfinden. Es war ein kleines Pfingstwunder, das vor allem Cecilia Bartoli zu danken ist. Ihre wunderbare szenische Produktion „Il trionfo del tempo e del disinganno“ können Sie auch diesen Sommer im Programm genießen.

Wir schaffen das

Dann kam der erste Vorverkaufstag für die Festspiele im Sommer, zwar ungewöhnlich spät, am 7.  Juni 2021. Dieser Tag geht in die Annalen ein. Die Telefonleitungen brachen mehrmals zusammen, weil wir den stärksten Vorverkaufstag in der Geschichte der Salzburger Festspiele verzeichnen durften. Ich bin mir sicher, das liegt auch daran, dass wir im Vorjahr enormes Vertrauen beim Publikum in aller Welt aufbauen konnten. Deshalb möchten wir auch in diesem Sommer noch ein bisschen strenger sein als alle anderen. Wir sind zwar glücklich, dass die FFP2-Maskenpflicht während der Vorstellung fällt. Doch möchten wir empfehlen, beim Betreten und Verlassen des Veranstaltungsorts Maske zu tragen. Und wir wollen durch die Personalisierung der Karten und durch Kontrolle des Impfpasses und der Testungen den leider immer noch bestehenden Schatten der Pandemie vom Festspielhaus fernhalten.

Wichtig scheint mir, dass alle Mitarbeiter der Salzburger Festspiele, vom Portier bis zur Künstlerin unsere Überzeugung teilen: Nur gemeinsam können wir störungsfreie Festspiele schaffen. Dass die Festspiele stattfinden können, ist uns Anliegen und Verantwortung gegenüber den Gründervätern. Bazon Brock hat die Festspiele als „Begeisterungsgemeinschaft“ bezeichnet. Wir haben im vergangenen Jahr und heuer zu Pfingsten wieder einmal gezeigt, Begeisterungsgemeinschaft entsteht nur durch das Liveerlebnis.

Was uns aber besonders freut, ist die Tatsache, dass wir durch die Siemens Festspielnächte auf dem Kapitelplatz in Salzburg das größte Public Viewing der Klassikwelt geschaffen haben und damit Festspielqualität zum Nulltarif bieten. Selbstverständlich sind uns Fernsehübertragungen und Streaming als Zusatzangebote wichtig. Sie leisten einen Dienst an der Öffentlichkeit, die mit Subventionen aus Steuergeldern die Festspiele mitermöglicht, und sie verführen hoffentlich viele zur Reise nach Salzburg.

Ein Friedensprojekt

Diesbezüglich hat sich viel geändert seit jener Ära Herbert von Karajans,
als die Salzburger Festspiele doch immer den Anstrich einer luxuriösen Veranstaltung für die Reichen und Schönen gehabt haben. Spätestens der immense Erfolg des „reduzierten“, aber mit Hingabe und Begeisterung aufgenommenen Festspielsommers 2020 hat vermutlich auch die letzten Skeptiker davon überzeugt, dass die Festspiele ein Teil Salzburgs sind – und dass die Salzburger Bevölkerung ein wichtiger Teil der Festspiele ist. Daher gibt es auch zum Jubiläum ein besonders engagiertes Jugendprogramm. Die Festspiele gehen ins Land, sprechen von Abtenau bis Zell am See auch Schulkinder an. Besonders freut uns, dass Elisabeth Naske, die als Komponistin von Kinderopern auch in der Staatsoper schon große Erfolge gefeiert hat, uns eine Uraufführung „Vom Stern, der nicht leuchten konnte“ geschrieben hat.

Und selbstverständlich laden wir 2021 alle Salzburger und die Gäste unserer Stadt für Sonntag, den 18.  Juli zu einem großen Fest zur Festspieleröffnung. An diesem Tag beginnen wir auch unsere „Ouverture spirituelle“, die unter dem Motto Pax – Frieden – steht, mit dem „War Requiem“ von Benjamin Britten. Wir wollen damit an die Visionen der Festspielgründer erinnern, die noch im Kriegsjahr 1917 dem Kaiser Festspiele als erstes „Friedensprojekt“ präsentiert haben. Festspiele nicht einfach als eine neue Theatergründung, sondern wie Hugo von Hofmannsthal es formulierte, als eine Angelegenheit der europäischen Kultur mit wirtschaftlichen, politischen und sozialen Folgen. Sich daran zu orientieren kann niemals altmodisch sein.

Festspiele können ein Leuchtturmprojekt sein. Das haben wir 2020 geschafft, als wir nach Wochen und Monaten der Erstarrung wieder von Kunst präsentieren durften. Die Kunst ist ein Lebensmittel – dieser Spruch stammt von Festspielgründer Max Reinhardt. Ich habe ihn im Vorjahr zitiert – und plötzlich war er in aller Munde. Dafür wollen wir doch weiter kämpfen.“ (Helga Rabl-Stadler)

Mehr Informationen unter: www.salzburgerfestspiele.at