Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Tennis

Die Verwandlung der Angelique Kerber

TENNIS-GBR-WIMBLEDON
Wieder erfolgreich: Angelique Kerber.APA/AFP/BEN STANSALL
  • Drucken

Angelique Kerber, 33, suchte drei Jahre Form und Zuversicht, in Wimbledon präsentiert sich die Deutsche wieder von ihrer besten Seite - und das ist kein Zufall.

Tennis ist so komplex und kann doch so einfach sein. Ähnliches denkt sich dieser Tage wohl auch Angelique Kerber, die am Donnerstag (14.30 Uhr, live Sky) gegen die Weltranglistenerste Ashleigh Barty aus Australien um einen Platz im Wimbledon-Finale kämpft. Kerber, die Nummer 28 der Weltrangliste, stand einst selbst an der Spitze des Spiels, erlebte alle Höhen dieses Sports.

Triumphe bei den Australian Open und US Open 2016 hievten sie auf Position eins, im gleichen Jahr gewann sie olympisches Silber in Rio. Am wohlsten aber fühlt sich die Deutsche auf den Rasenplätzen von Wimbledon. Hier, im Südwesten Londons, stand sie 2016 im Finale und gewann zwei Jahre später den Titel mit einem fulminanten 6:3, 6:3 gegen Serena Williams.

Kerber hatte damals den vorläufigen Höhepunkt ihrer Karriere erreicht. 22 Jahre nach Steffi Graf bejubelte Deutschland wieder eine Wimbledon-Siegerin. Was folgte, war aber nicht die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte, sondern ein zähes Ringen um Form und Siege.

Kerber haderte mit Verletzungsproblemen, wurde ihrer Favoritenrolle allzu oft nicht gerecht. Dass sie mit sich und ihrem Spiel unzufrieden war, davon zeugten auch die folgenden Trainerwechsel. Nach Wimbledon 2018 erreichte die 33-Jährige bei keinem der folgenden zehn Grand-Slam-Turniere das Viertelfinale, fünf Mal (!) scheiterte sie sogar in Runde eins – so auch bei den Australian Open und French Open 2021.

Ausgerechnet in der Woche vor Wimbledon kehrte Kerber wieder auf die Siegerstraße zurück. Beim neu geschaffenen Turnier in Bad Homburg, für das sie auch als Botschafterin auftrat, stemmte sie erstmals seit fast drei Jahren wieder eine Trophäe. „Es war eine perfekte Woche für mich“, erklärte die gebürtige Bremerin und ergänzte: „Rasen, das ist mein Belag.“

Auf dem schnellsten aller Untergründe fühlt sich Kerber besonders wohl, dieses Gefühl teilt sie unter anderem mit Roger Federer. Bewegungsabläufe, Ballabsprung, Schlagauswahl – auf Rasen ist vieles ganz anders.

Kerber liebt diesen besonderen Mix, und wenn ausgewiesene Rasen-Liebhaber erst einmal zu ihrer Form gefunden haben, sind sie nur schwer zu stoppen – unabhängig davon, wie die Wochen zuvor auf Sand verlaufen sind.

Die Angst, der ewige Feind

Bei Kerber steigt aktuell mit nahezu jedem Schlag das Selbstvertrauen, hinzu kommen in Wimbledon die besonderen Wohlfühl- und Glücksmomente der Vergangenheit. Innerhalb weniger Tage scheinen auch all die Sorgen, Erwartungen nicht zu erfüllen, wie weggefegt.

„Ich habe gelernt, dass die Angst der Feind von jedem von uns ist“, sagte Kerber dieser Tage in London über ihren Lernprozess, der sie nun in ihr drittes Wimbledon-Finale führen soll.

Im zweiten Halbfinale treffen die an Position zwei gesetzte Weißrussin Arina Sabalenka und Karolina Pliskova (8) aus Tschechien aufeinander.

("Die Presse", Printausgabe 08.07.2021)