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Morgenglosse

Zollergasse-Neugestaltung: Das bisschen „Coolness“ wird nicht reichen

In der Zollergasse soll es, auch dank dieses Bächleins, kühler werden. Aber bei Maßnahmen zur Kühlung herrscht in Wien Klein-Klein.
Caio Kauffmann
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Langsam wird es in der Stadt ungut heiß. Ein paar hübsche kühle Fleckchen zu schaffen wird nicht reichen, damit die Sommer in Wien erträglich bleiben.

Langsam wird es ungut heiß, gefühlte 39 Grad prognostiziert die Zamg für heute, Donnerstag, und die heißeste Phase des Hochsommers hat noch immer nicht begonnen. Nur das Wetter! Nicht das Klima!, wird jetzt irgendjemand einwenden, an den kalten Mai erinnern. Aber die Langfrist-Daten über Temperaturen und Zahl an Hitzetagen sprechen eine klare Sprache, die zur hitzebedingten Übersterblichkeit (2017 etwa forderte die Hitze laut Ages mehr Todesopfer als Verkehrsunfälle) auch. Für Österreich, besonders die Städte, da braucht man von den knapp 50 Grad in Kanada und anderen Naturkatastophen gar nicht anfangen.  

Man sollte sich also langsam etwas einfallen lassen. Und in Wien hat man sich etwas einfallen lassen. Etwas Hübsches, Innovatives, Kühles, wie das aussieht kann man sich seit Mittwoch auch in der Zollergasse im Siebten Bezirk ansehen: mehr Grün, mehr Schatten, ein kleines Bächlein auf hellem, kühlerem Pflaster, Wasserspender und Verkehrsberuhigung, parkende Autos, die im Sommer zu Heizkörpern werden, haben an der Oberfläche keinen Platz mehr. Heute, Donnerstag, folgt schon der Spatenstich zum nächsten Projekt an einem Ort, an dem es kühler werden soll, dem Gersthofer Platzl in Währing.

Diese Projekte sind langwierig, teuer, sie sind kompliziert zu planen – von den vielen Nutzern der Stadt und ihren Bedürfnissen bis zu den Bedingungen der Infrastruktur über und unter der Erde ist unendlich Vieles zu berücksichtigen. So leicht baut man eine Stadt nicht um. Und, eine Stadt bleibt eine Stadt bleibt eine Stadt, das bedeutet Dichte, hoher Nutzungsdruck, Verkehr in allen Formen, Freiheit, auch Lärm, auch das macht Stadtleben aus.

Aber, damit das Leben in der Stadt erträglich bleibt, wird sie sich verändern müssen. Für die Arbeiter ohne klimatisierte Büros, Familien in Kleinwohnungen ohne Zweitwohnsitz am Land, für die Alten oder Kranken ohne Garten, Pool oder Terrasse wird es nicht reichen, dass in – mit – ein paar der schönsten und teuersten Wohngegenden der Stadt ein paar hundert Meter Gasse oder ein Plätzchen hübsch begrünt und gekühlt wird, dass man hin und wieder einen kühlen Bau hinter grüner Fassade sieht. Ihnen wird es zu heiß, während der Fleckerlteppich an kühlen Örtchen nur langsam, langsam wächst.

Während die Hitze in Städten weltweit drastische Maßnahmen erzwingt, herrscht in Wien Klein-Klein. Man rühmt sich als Klimamusterstadt und fräst Infrastruktur für klimaneutrale Fortbewegung, einen Radweg, aus dem Asphalt (zuletzt in Ottakring, am Johann-Nepomuk-Berger-Platz, den nun nur mehr die Waghalsigsten per Rad passieren können), baut Neubaugebiete als neuerliche Hitzeinseln und wenn es darum geht, Wege für Bewohner (künftiger) Stadterweiterungsgebiete ins Zentrum zu schaffen, fällt manchen auch noch immer nichts anderes ein, als ihnen (und ihren Autos, die sie demnach mitbringen sollen) nach jahrzehntealten Plänen einen Tunnel unter einem Nationalpark durch zu graben.

Ein kleines Bächlein in der Zollergasse bleibt - so nett die Wasserspiele für die Kinder sind, so notwendig die Sitzgelegenheiten im Schatten für die Älteren, so schön die Sommerabende in schattigen Schanigärten sein werden - ziemlich wenig Abkühlung und Wasser, in einer Stadt aus sehr viel sehr, sehr heißem Asphalt, parkendem Blech und Stein.

(Die Presse)