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Seefestspiele

Die "West Side Story" kracht ins Operetten-Kernland Mörbisch

Die "Jets" am Werk: Bei der "West Side Story" in Mörbisch mangelt es nicht an eindrucksvollen Choreografien. Im Hintergrund zu erahnen: die Freiheitsstatue des Neusiedler Sees.
Die "Jets" am Werk: Bei der "West Side Story" in Mörbisch mangelt es nicht an eindrucksvollen Choreografien. Im Hintergrund zu erahnen: die Freiheitsstatue des Neusiedler Sees.(c) Jerzy Biń/Seefestspiele Mörbisch
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Mit Leonard Bernsteins "West Side Story" läuten die Seefestspiele eine neue Ära ein. Aber mag das Operettenpublikum auch Musical? Man ist jedenfalls bemüht, es dem Stammpublikum nicht allzu schwer zu machen.

Wein, Gelsen, Feuerwerk. Richtig, die Rede ist von den Seefestspielen Mörbisch. Und dazwischen eine Operette? Das ist vorerst Vergangenheit. Dass der Wechsel zum Genre Musical offenbar nicht jedem gefiel, konnte man an der Vehemenz der eröffnenden Worte des neuen Generalintendanten Alfons Haider erkennen. Mit Nachdruck und bei einer Premiere ungewohntem Ernst in der Stimme warb er für die Veränderung und betonte gleichzeitig, es werde keine Wechsel der künstlerischen Leitung - seit 2017 Peter Edelmann - geben. Doch dessen Vertrag läuft 2022 aus. Seine Vorplanungen für „Die lustige Witwe“ waren umsonst, für nächste Saison wird das Musical „The King And I“ angekündigt. Die „West Side Story" sollte in den Plänen Edelmanns eine Musical-Ausnahme bleiben. Haider setzt offenbar (mit Rückenwind durch die Landespolitik) nun ganz auf dieses Genre. Die Realität ist nun einmal: Die Operette ist kein Wachstumssegment. Dem Musical wird künftig ein breiteres Publikum zugetraut. Der Kartenvorverkauf sei bei der „West Side Story“ jedenfalls auf Rekordniveau, heißt es. Der Operette ist in diesem Land mit Mörbisch nun aber eine große Sommer-Bühne abhandengekommen. Als Sommer-Refugium bleiben Bad Ischl und Langenlois.

Also Musical. Aber man wollte es dem Mörbischer Stammpublikum nicht allzu schwer machen mit dem stilistischen Wechsel und entschied sich für die „West Side Story“ aus dem Jahr 1957 mit der legendären Musik von Leonard Bernstein. Rhythmus und Orchestrierung fernab der Operette, doch die klassische Stimmfarbe der Hauptdarsteller und die vielen Gassenhauer, die dieses Musical zu bieten hat, lassen die neue Hürde Musical klein erscheinen. Auch bei Kitsch und Pathos kann die „West Side Story“ mit ihrem älteren Genre-Verwandten noch gut mithalten. Doch Stilistik und Alter des Musicals ändern nichts daran, dass dieses Romeo-und-Julia-Stück im New Yorker Gang-Milieu eben tragisch endet. Das ist neu in Mörbisch und es wirkt beim ersten Mal ungewohnt in der Operetten-Arena, wenn - überspitzt formuliert - vor dem großen Feuerwerk gerade noch die letzten Leichen von der Bühne getragen werden.