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Streamingtipps

Von guten und schlechten Siegern: Fünf Filme übers Triumphieren

Im Wembley-Stadion geht es am Sonntag um den EM-Titel, in Cannes bald um die Goldene Palme. Im Film gewinnen meistens die Guten – aber nicht immer, und nicht immer ohne Verluste.

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The Dark Knight

Ein Pyrrhussieg - zu sehen auf Netflix und Sky

König Pyrrhus I. konnte sich über die Siegesserie seiner Armee gegen die Römer nicht recht freuen. Die Zahl der Opfer war inzwischen zu hoch, die Ressourcen nach der letzten Schlacht fast aufgebraucht: „Noch so ein Sieg, und wir sind verloren“, soll er einem Berater zugeflüstert haben, als alle jubelten. „The Dark Knight“, die ästhetisch elegante und spannend erzählte Batman-Adaption von Christopher Nolan, handelt auch von einem Pyrrhussieg: Bruce Wayne (aalglatt: Christian Bale) und Harvey Dent (leutselig: Aaron Eckhart) befreien Gotham von den einflussreichsten Verbrechern – der verkleidete Milliardär durch vollen Körpereinsatz auf der Straße, der idealistische Jurist per öffentlicher Verfahren vor Gericht.

Bald macht sich jedoch ein nihilistischer Terror-Clown (punkig: Heath Ledger als Joker) das Machtvakuum zunutze und putscht sich an die Spitze der Unterwelt. Wayne reagiert mit Hightech-Überwachung auf die unberechenbare Bedrohung, während Dent im Umgang mit seinen Gegnern immer selbstgerechter wird. Nach dem Sieg über den anarchischen Schalk ist die entmündigte Bevölkerung traumatisiert, eine Hauptfigur tot und der gute Anwalt zum schizophrenen Schurken mutiert. Ein Pyrrhussieg par excellence.

Astronaut Farmer

Ein Sieg des kleinen Mannes - zu sehen auf Amazon

Der Sieg des kleinen Mannes über engstirnige Autoritäten ist eine verbrauchte Formel im Hollywood-Kino. „Astronaut Farmer“, die nicht protzige, sondern bescheiden produzierte Indie-Komödie über einen ehemaligen Nasa-Astronauten (Billy Bob Thornton), der in seiner Scheune eine Weltraumrakete baut, haucht ihr jedoch neues Leben ein. Alle (besonders die Regierung und Geheimdienste) wollen dem Exzentriker seinen wahnwitzigen amerikanischen Traum ausreden, als Privatperson das All zu bereisen, aber der texanische Sturkopf lässt nicht locker, wofür er bewundert wie belächelt wird. Bodenständig und doch utopisch im Geiste, wirkt er nicht wie ein Eroberer, als er in der Luft ist, sondern wie ein Pionier.

Erin Brockovich

Ein Sieg der kleinen Frau - zu sehen auf Sky

Der Kampf des kleinen Mannes gegen höhere Mächte, aber ausgetragen von einer bissigen Frau mit Faible für Stöckelschuhe und tiefe Dekolletés – das beschreibt den charmanten Justizthriller, für den Julia Roberts den Oscar erhielt, recht gut. Die alleinerziehende Mutter wird von ihrem bärbeißigen Anwalt (Albert Finney) als Wiedergutmachung für einen verlorenen Prozess in seiner Kanzlei angestellt, wo sie auf brisante Akten über den fahrlässigen Umgang eines Energiekonzerns mit einem Giftstoff stößt. Ohne etwas an ihrem vorlauten Mundwerk oder ihrer freizügigen Garderobe zu ändern, erringt sie an der Seite ihres Chefs einen feministisch gefärbten Triumph über die Etikette und die Macht von Konzernen.

Air Force One

Ein reiner Präsidentensieg - zu sehen auf Disney+

Selbst in der Fantasie fällt es schwer, sich ein solches Szenario auszumalen: Nachdem der amtierende US-Präsident (Harrison Ford) in der gekaperten Air Force One durch Faustschläge, Waffengewalt und heimliche Telefonanrufe einen Sieg über die kasachischen Terroristen erringen konnte, die in seine voll besetzte Flugmaschine eingebrochen sind, ist die Welt wieder heil. Es kam zu sadistischen Geiselmorden. Ein Pilot flog mit seinem Kampfjet in die Schusslinie. Aber egal. Die Bösen sind tot und der Potus ist ein Übermensch. Plumpste Propaganda, ohne Frage, aber aus einer ironischen Perspektive beschert das bizarre Fantasy-Abenteuer über den messianischen Actionpräsidenten einige Lacher.

Waldheims Walzer

Ein unreiner Präsidentensieg - zu sehen auf Flimmit oder im Kino VOD Club

Nachdem Kurt Waldheim im Sommer 1986 zum österreichischen Bundespräsidenten gewählt worden ist, nimmt er für seine Rede vor den Fernsehkameras Platz: Mit den kurz vor der Übertragung entstandenen Bildern beschließt Ruth Beckermann ihr aus Archiv-, TV- und Privataufnahmen zusammengesetztes Doku-Porträt über den umstrittensten Gewinner einer demokratischen Wahl in der europäischen Nachkriegsgeschichte.

Trotz des Schadens, den sein Triumph der Republik beschert hat, lässt Waldheim keine Reue erkennen. Die kommenden sechs Jahre wird er, von der Weltgemeinschaft zur Persona non grata erklärt, allein in der Hofburg verbringen. Verdrängung und Trotz haben über Aufklärung und Selbstkritik triumphiert – so sehen es zumindest seine Gegner, für die der nachweislich bei NS-Verbrechen zugegen gewesene Kandidat auch ein Symbol ist. Das von ihm bediente Reaktionsmuster aus Kleinreden, Totschweigen und Weglachen gehört seit Kriegsende zum Alltag, aber erst seine weltweite Skandalisierung und das aktualisierte Ressentiment gegen Juden versetzen der Gegenseite einen Schub zur Bekämpfung von Opfermythen, Rassismus und Resignation. Spannend wie ein Krimi!

 

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