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Ein Art-déco-Juwel und jede Menge Zores

Umbau. Das frühere Novomatic Forum wurde Anfang des Jahres an einen jungen Immobilienentwickler verkauft. Jetzt gibt es Probleme mit dem Denkmalschutz. Und Fragen rund um den Konkurs eines kleinen Wiener Planungsunternehmens.

Das Leben pulsiert wieder in der Friedrichstraße 7. Im Mai hat ja Gastronom Martin Ho dort, im ehemaligen Novomatic Forum am Wiener Naschmarkt, sein neues „404 – Don't ask why“ eröffnet. Und seitdem die Covid-Maßnahmen gelockert wurden und das Wetter auch mitspielt, ist die großzügige Terrasse zum beliebten Treffpunkt geworden. Ob dort irgendjemand ahnt, dass es im Hintergrund eine Reihe betrüblicher Ereignisse gibt?

Die haben allerdings nichts mit Martin Ho zu tun, so gern er auch als Freund von Kanzler Sebastian Kurz angefeindet wird. Sondern vielmehr mit dem Eigentümer der wertvollen Immobilie, Lukas Neugebauer. Er ist auch Eigentümer der LNR Development GmbH, die wiederum Eigentümerin der LNR Projekt FS7 Immobilien GmbH ist. Klingt verwirrend, ist aber in Wahrheit recht einfach: Lukas Neugebauer ist Immobilienentwickler. Und in der Branche werden stets eigene GmbHs für individuelle Projekte gegründet. Diesfalls also die „Projekt FS7“. Die Abkürzung steht für Friedrichstraße 7.

Ende Februar hat die LNR Projekt FS7 also das Art-déco-Juwel gegenüber der Secession erworben. Verkäufer war der niederösterreichische Glücksspielkonzern Novomatic, der das Gebäude 2007 vom Verkehrsbüro erworben hatte und in Novomatic Forum umbenannte. Doch über die Jahre hatte Novomatic offenbar Gefallen an der „Stätte kultureller Begegnungen inklusive gastronomischer Angebote“ verloren und sich auf die Suche nach einem Käufer gemacht.

Der 29-jährige Lukas Neugebauer schlug schließlich zu, laut Kaufvertrag um den „beiderseits als angemessen vereinbarte(n) Nettokaufpreis“ von 23 Millionen Euro. Inklusive 20-prozentiger Umsatzsteuer waren es 27,6 Millionen Euro.

Und was im Kaufvertrag ebenso festgehalten wurde: „Der Käufer nimmt zur Kenntnis, dass das auf der Liegenschaft befindliche Gebäude, bekannt als Novomatic Forum, unter Denkmalschutz steht.“ Sicher ist sicher. Das Gebäude wurde 1922 bis 1923 von Hermann Aichinger und Heinrich Schmid, Schülern Otto Wagners, errichtet.

Nun, ob Lukas Neugebauer dies tatsächlich „zur Kenntnis“ genommen hat, ist mittlerweile die Frage. Seine Firma hat die Location umgestaltet, was schon einmal äußerlich an der blütenweißen Fassade zu erkennen ist. Und das hat nun das Bundesdenkmalamt auf den Plan gerufen. Denn, so heißt es auf Anfrage der „Presse“: „Die jüngst am Gebäude durchgeführten Veränderungen wurden ohne denkmalbehördliche Bewilligung durchgeführt.“ Das Denkmalamt hat dem Projektentwickler nun einen Brief geschickt, da von dessen Seite nicht einmal ein entsprechender Veränderungsantrag eingereicht worden sei.

Das Problem ist die nunmehrige Farbe des Gebäudes. Die war nämlich seit 1923 zweifarbig. Und diese „rötlichen und hellen Töne“ seien eben „ein bestimmendes Charakteristikum des denkmalgeschützten Gebäudes“, so das Amt. Das Gebäude weise somit „in seinen Formen und Farben Parallelen zu den damaligen Tendenzen des kommunalen Wiener Wohnbaus auf.“ Siehe etwa den Karl-Marx-Hof.

Lukas Neugebauer wird sich also wohl oder übel damit abfinden müssen, dass er fassadentechnisch wieder den Originalzustand wird herstellen müssen. Doch das ist nicht das einzige Problem, das er am Hals hat.

Neugebauers LNR hat nämlich auch Mitarbeiter des einstigen Novomatic Forum übernommen. Jedenfalls in der Theorie. Die Praxis ist freilich eine andere, womit sich eine weitere Großbaustelle in Neugebauers wirtschaftlichem Wirken aufgetan hat.

Die Mitarbeiter mussten nämlich erfahren, dass sie offiziell nicht bei LNR beschäftigt sind, sondern seltsamerweise seitens der B&R Kamin und Dachsanierung GmbH angemeldet wurden. Diese wurde mittlerweile in Epimetheus Planungs GmbH umfirmiert. Und sie ist seit Ende Juni im Konkurs.

Masseverwalterin ist Johanna Abel-Winkler, die gerade dabei ist, die komplizierte Angelegenheit zu durchforsten. Ihr erstes Resümee: „Epimetheus hatte zuletzt 55 Arbeitnehmer, ist aber in den vergangenen Jahren keiner operativen Tätigkeit nachgegangen.“ Die Dienstnehmer seien am Tag vor Konkurseröffnung allesamt abgemeldet worden, der Konkursantrag sei von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) eingebracht worden. Wegen offener Forderungen in Höhe von 113.514,23 Euro.

Dort war Neugebauer bis 2017 Geschäftsführer, mittlerweile fungiert er nur mehr als einfacher Dienstnehmer. Er habe den GmbH-Mantel damals veräußert, sagt er der „Presse“. Mit der Firma, geschweige denn deren Konkurs, habe er aber nichts zu tun. Bei der Masseverwalterin ist er dennoch mitsamt Anwalt vorstellig geworden.

Die Masseverwalterin vermutet, dass die Arbeitnehmer des mittlerweile insolventen Unternehmens für Arbeiten bei anderen Immobilienprojekten eingesetzt wurden – etwa für die B&R Generalunternehmer GmbH – mit Adresse Friedrichstraße 7. Sie seien allerdings nicht vom Konto des Pleiteunternehmens bezahlt worden. Es sei also zu einer Art Arbeitskräfteüberlassung gekommen, für die es allerdings keine Gewerbeberechtigung gebe.

Das stellt Neugebauer gegenüber der „Presse“ auch gar nicht in Abrede: Seine B&R Generalunternehmer GmbH habe „teilweise und zeitweise von der Epimetheus Personal bezogen“. Und: „In diesen Beschäftigungszeiträumen wurde von mir als Auftraggeber stets für eine ordentliche Entlohnung und Abfuhr der Abgaben Sorge getragen.“

Anwältin Mirjam Sorgo(Kanzlei Schmidtmayr Sorgo Wanke) ist Arbeitsrecht-Expertin und vertritt eine vom Novomatic Forum übernommene Mitarbeiterin. „Wir sehen im Arbeits- und Sozialversicherungsrecht viele ungewöhnliche Vorgehensweisen,“ sagt sie und ergänzt: „Diese Praxis halte ich aber für unverfroren.“

Und das Thema Fassade? Da schreibt Lukas Neugebauer in seiner Stellungnahme: „Im Zuge einer Begutachtung und Befundnahme durch einen vom Bundesdenkmalamt genannten Sachverständigen und Restaurator, wurde festgestellt, dass die alte Fassade nicht mehr dem damaligen Originalzustand entsprach, weswegen diese Fassade keinen schützenswerten Charakter mehr hatte.“

Er hat also ganz offensichtlich eine andere Wahrnehmung als das Bundesdenkmalamt. Das wird spannend.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2021)