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Vorausschauende Verkehrspolitik: breite Fahrstreifen für Radler. Ein Bild aus Kopenhagen.
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Verkehrsplanung

Highway für Räder

Wie es ums Klima bestellt ist, wissen wir. Sollen wir jetzt wirklich unsere mehrspurigen Schnellstraßen und Stadtautobahnen in Fahrradwege umgestalten? Die logische Antwort: Ja! Kärnten zeigt vor, wie es geht, und auch in Niederösterreich gibt es Gestaltungspläne.

Geplante Infrastrukturprojekte der Asfinag in Stadt und Land sorgen gerade für Aufregung. Die Klimaministerin lässt prüfen, ob die Umsetzung der hochrangigen Infrastruktur mit den Klimazielen vereinbar ist. Reflexartig reagieren die Mobilitätsbeauftragten der entsprechenden Länder mit Protestnoten. Noch immer gilt der Glaubensgrundsatz, dass die mehrere Meter breiten Asphaltbänder für Autos und Lastwagen den Wohlstand sichern und so als Fortschrittssymbol für komfortablen Mobilitätsbedarf in Natur oder Stadtlandschaft eingeschrieben werden müssen.

Jetzt kommt die verordnete Nachdenkphase zu einer Zeit, da es sich abzeichnet, dass Verbrennungsmotoren nicht in ein postfossiles Zeitalter passen und die Flächenversiegelung in Österreich noch immer in einem Tempo voranschreitet, dass Fußballfelder und kleine Landeshauptstädte als Maßeinheiten herhalten müssen, denn unter dem im landwirtschaftlichen Kontext gebräuchlichen „Hektar“ können wir uns mehrheitlich nichts vorstellen. In Österreich haben Baumaterialien den allergrößten Anteil an den Materialströmen. Die Masse an Baumaterialien, die in Häusern für Wohnen und Arbeiten eingesetzt wird und wurde, ist gleich (!) groß wie die Masse an Baumaterialien für unsere Infrastruktur, wie im Rahmen eines Forschungsprojekts der Boku Wien unter Professor Helmut Haberl aus Satellitendaten herausgefunden wurde. Für jeden Lastwagen, der Material für ein Gebäude liefert, fährt ein Lastwagen zu einer Baustelle, die eine Straßeninfrastruktur errichtet. Diese Materialanhäufung findet in einer rasanten Geschwindigkeit ungebremst statt und konterkariert alle Beteuerungen der Europäischen Union, eine Vorzeigeregion der Kreislaufwirtschaft unter dem Segel des „Green Deal“ werden zu wollen.

Der notwendige Strategiewechsel hin zur Kreislaufgesellschaft verlangt nicht nur von Architekturschaffenden und Politik mehr Bewusstsein zu den Rebound-Effekten in Form von neuen Straßen für das Bauen auf der „grünen Wiese“. Harald Frey, Verkehrsplaner an der TU Wien: „Zentrale Aufgabe ist die Schonung der Ressource Boden. Dafür gilt es, auch die Flächen der bestehenden Verkehrsinfrastrukturen effizienter zu nutzen, indem flächensparende Mobilitätsformen wie der Radverkehr attraktiviert werden. In der Praxis sollten dafür Flächen des motorisierten Individualverkehrs reduziert und diese dem Radverkehr zur Verfügung gestellt werden, bevor neuer Boden versiegelt wird. Bestehende Asphalt- und Betonbänder sollten für jene Verkehrsträger genutzt werden, welche die am flächensparendste Mobilität gewährleisten. Das muss als Prinzip zur Reduktion des Bodenverbrauches verankert werden.“