Durch die Wirtschaftskrise im Libanon mangelt es an Benzin, Strom, Medizin, bezahlbarem Wohnraum und an Lebensmitteln. Dort, wo der Staat mit der Erfüllung seiner Aufgaben versagt, muss die Zivilgesellschaft einspringen. Ein Lokalaugenschein in Beirut.
An einer Tankstelle im südlichen Teil Beiruts stehen Autos rund um die Zapfsäulen. Sie sind abgestellt und abgeschlossen. Ihre Fahrer kommen wieder, wenn es Benzin gibt. „Sie stehen hier seit gestern und müssen bis morgen warten“, erklärt ein Mitarbeiter.
Es ist eine der friedlicheren Szenen an den Tankstellen im Libanon. Überall im Land warten die Menschen stundenlang in der schwülen Mittagshitze, um dann gesagt zu bekommen, dass die Zapfsäule leer ist. Es gibt Gedrängel und Streitereien, selbst im wohlhabenden Beiruter Viertel Ashrafieh muss die Polizei anrücken, um die Lage zu kontrollieren. Denn die Nerven der Libanesen sind zum Zerreißen gespannt. „Jeder Tag ist ein Kampf nur um die Grundbedürfnisse. Wie Zugang zu Essen, zu unserem Geld in den Banken, zu Elektrizität und Treibstoff“, erklärt die 28-jährige Umweltingenieurin Elena Haddad.