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Mein Montag

Wie viel Rassismus steckt im Begriff „Schwarzfahrer“?

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Ein Begriff für Fahrgäste ohne gültiges Ticket sorgt für Diskussionen – darf man ihn noch verwenden?

Die Wiener Linien verwenden den Begriff nicht mehr. Auch einige deutsche Verkehrsbetriebe haben den Schwarzfahrer nicht mehr in ihrem Sprachschatz. Man will damit möglichen Rassismusvorwürfen entgegenwirken. Lobenswerte Absicht. Aber hat der Begriff tatsächlich einen rassistischen Kontext? Nun, Grimms Wörterbuch kennt schwarz schon in der Bedeutung des Illegalen, wenn nämlich geschmuggelte Waren „schwarz herein (über die Grenze) kommen“. Möglicherweise davon hergeleitet, dass Schwärze in der Gaunersprache die Nacht darstellt, in deren Schutz man zu schmuggeln pflegte, vielleicht auch, weil sich Schmuggler das Gesicht schwärzten, um sich unkenntlich zu machen. Der Grimm kennt auch den Schwarzfahrer, gleichbedeutend mit dem Schwärzer – unter anderem im Sinne von Schmuggler. Im übertragenen Sinn wurde schwarz schließlich zum Synonym für illegal, siehe auch Schwarzmarkt, Schwarzarbeit, Schwarzgeld etc.

Rund um die Meldungen zu den Verkehrsbetrieben entbrannte natürlich eine Verbotsdiskussion – wobei von Verbot weit und breit keine Rede ist. Zur Verteidigung des Schwarzfahrers wurde auch das jiddische shvartz bzw. shvarts als Ursprung des Begriffs herangezogen, das angeblich für „arm“ stehen soll – dass also arme Menschen sich keinen Fahrschein leisten können. Allein, im Jiddischen bedeutet der Begriff auch einfach schwarz. Bay nakht zenen ale ki shvarts – nachts sind alle Kühe schwarz. Aber das Wort wird im Jiddischen sehr wohl auch als abschätzige Bezeichnung für Menschen mit schwarzer Hautfarbe gebraucht. Tja.

Kontrolliert werden die Schwarzfahrer in Wien übrigens vom Schwarzkappler. Der hat seinen Namen – Überraschung – von den schwarzen Dienstkappen, die einst zur Uniform gehörten. Und nein, mit schwarzem Humor hat all das überhaupt nichts zu tun . . .

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2021)