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EM-Finale

Der Thriller aus elf Metern: Italien ist Europameister

Die Squadra jubelt.Pool via REUTERS
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Italien gewinnt das Endspiel gegen England im Elfmeterschießen. Dort wird Goalie Gianluigi Donnarumma zum Helden - und die Engländer weinen bittere Tränen.

Die italienische Fußballnationalmannschaft hat Sonntagabend den zweiten EM-Titel ihrer Geschichte gewonnen und zugleich den ersten der Engländer verhindert. Im Endspiel von London gewann die „Squadra Azzurra“ mit 3:2 im Elfmeterschießen.

Auf Luke Shaws Führungstreffer nach 117 Sekunden – es war das schnellste, jemals erzielte Tor in einem EM-Finale – antwortete Italien durch Leonardo Bonuccis Ausgleich in der 67. Minute. Die Verlängerung verlief torlos, im Elfmeterschießen scheiterten mit dem extra dafür eingewechselten Duo Rashford und Sancho sowie Saka gleich drei Engländer.

Die befremdliche Euphorie

Das Aufeinandertreffen zwischen England und Italien war das der konstantesten Teams der vergangenen viereinhalb Wochen. Beide Mannschaften hatten sich souverän für die K.o.-Phase qualifiziert und dabei auch vom Heimvorteil – die jeweiligen Gruppenspiele fanden in Rom bzw. London statt – profitiert. Der Finalort London platzte an diesem Sonntag aus allen Nähten. Diesen Fußball-Feiertag wollte ganz England in der Hauptstadt miterleben. Aus allen Landesteilen waren Menschen hierher gepilgert, dabei hatte die Polizei dazu aufgerufen, sich nicht zu versammeln und große Menschenmassen zu meiden. So viel zur Theorie.

In der Praxis fluteten schon am frühen Nachmittag Zehntausende die Straßen rund um das Wembley-Stadion, auch vor den Pubs bildeten sich Menschenschlangen. Hinzu kamen ohnehin unkontrollierbare private Zusammenkünfte in großen Runden. Virologen sprachen schon im Vorfeld von einem „Superspreader-Sonntag“. Die Rechnung wird man in den nächsten Tagen und Wochen präsentiert bekommen (siehe dazu auch Leitartikel auf Seite 2).

Blitzstart und Comeback

Die Fußball-Kathedrale Wembley verwandelte sich erwartungsgemäß mit dem Ertönen der Hymnen in ein Tollhaus. Schon davor hatten laut britischen Medienberichten mehrere Hundert Fans ohne Tickets versucht, sich Zugang zum Stadion zu verschaffen. Sie hatten bereits eine erste Sicherheitsbarriere durchbrochen, in einem auf Twitter veröffentlichten Video war zu sehen, wie Menschen eine Stiege vor dem Stadion nach oben laufen und von Sicherheitspersonal verfolgt werden. Eine Stunde vor Spielbeginn soll die Lage laut offiziellen Angaben des Stadionbetreibers wieder unter Kontrolle gewesen sein.

Nicht unter Kontrolle hatte der italienische Abwehrverbund den ersten Angriff der Engländer. Nach einem Eckball (!) für Italien ging es rasend schnell in die andere Richtung. Kapitän Kane trieb den Angriff aus der eigenen Hälfte voran, kurz darauf hatten sowohl Flankengeber Trippier als auch Empfänger Shaw viel zu viel Platz.

Exakt 117 Sekunden waren erst gespielt, da fand Shaws Dropkick den Weg zum 1:0 ins Tor – und die Squadra Azzurra lief im siebenten EM-Spiel erstmals einem Rückstand hinterher. Italien benötigte einige Zeit für die Schocktherapie, arbeitete sich dann aber zurück in in dieses Spiel. Es fehlte an Tempo und entscheidenden Pässen, so blieb Chiesas Weitschuss (35.) die beste Offensivaktion der Italiener in Halbzeit eins.

Italien sammelte fleißig Ballbesitz, auch, weil England zunehmend die Führung verwalten wollte. Insigne (Freistoß 51., aus kurzer Distanz 57.) und Chiesa (62.) näherten sich dem Ausgleich an. Die Passivität der Engländer bestrafte Bonucci mit dem 1:1 (67.).

Englands Drama vom Punkt

In der Verlängerung intensivierte England wieder seine Bemühungen, wollte wie Italien ein Elfmeterschießen vermeiden, das letztlich doch die Entscheidung bringen musste. Dort hielt Pickford zunächst den zweiten Elfmeter von Belloti, aus diesem psychologischen Vorteil konnte England jedoch kein Kapital schlagen.

Während auf Seiten der Italiener noch Jorginho scheiterte, vergaben für die „Three Lions“ Rashford (23, Stange), Sancho (21) und der erst 19-jährige Saka (jeweils von Donnarumma gehalten).