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Währungskrieg: Der IWF als Friedensstifter

Waehrungskrieg Friedensstifter
(c) REUTERS (LARRY DOWNING)

Im Vorfeld der IWF-Herbsttagung schlug Dominique Strauss-Kahn ein neues Gremium vor, das in Zukunft Streitigkeiten um unterbewertete Währungen obsolet machen soll. Ziel sind marktorientierte Wechselkurse.

[Wien]Für globale Probleme gebe es keine nationalen Lösungen, meinte IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn bei einer Pressekonferenz zur Eröffnung der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington. Gemeint sind die unlängst aufgeflammten Währungsstreitigkeiten, die es gemeinsam zu lösen gelte. Strauss-Kahn mahnte einmal mehr zu internationaler Zusammenarbeit. Obwohl die Finanzkrise zu noch nie da gewesenen Kooperationen in Wirtschaftsfragen geführt habe, schwinde der Wille zum gemeinsamen Handeln.

Zuletzt versuchte Japan durch intensive Dollar-Käufe am Devisenmarkt eine weitere Aufwertung des Yen zu verhindern. Wie berichtet werden durch staatliche Eingriffe Wechselkurse direkt (durch Festlegung eines Wechselkurses) oder indirekt manipuliert. Es werden zum Beispiel große Summen an Fremdwährungen gekauft und mit der eigenen bezahlt. Durch das erhöhte Angebot verliert die eigene Währung an Wert. Die Exporte werden billiger, und die Wirtschaft gewinnt an Wettbewerbsfähigkeit – auf Kosten anderer Staaten.

 

Neues Forum soll Streit schlichten

Um die Gefahr eines Wettlaufes um die billigste Währung abzuwenden, gedenkt der IWF-Direktor nach Berichten der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ein neues Forum zu gründen, in dem die größten Volkswirtschaften genauso wie für das Finanzsystem relevante Schwellenländer einen Platz haben sollen. Ziel sind marktorientierte Wechselkurse, außerdem sollen Länder, die wie China hohe Handelsbilanzüberschüsse generieren (die Ausfuhren übersteigen die Einfuhren), davon überzeugt werden, sich mehr auf die Binnenwirtschaft zu konzentrieren, um die Stabilität der Weltwirtschaft zu erhöhen.

Dieses Forum, in dem auch der Währungsfonds vertreten sein soll, um seine politische Relevanz zu gewährleisten, wurde von Dominique Strauss-Kahn bei der Eröffnungspressekonferenz zum ersten Mal erwähnt. Offiziell soll die sogenannte „systemische Stabilitätsinitiative“ noch im Rahmen der IWF-Herbsttagung vorgestellt werden. Der IWF-Chef will dort um die Gunst jener Staaten werben, die im neuen Gremium auf jeden Fall vertreten sein sollen.

Dieser Vorstoß Strauss-Kahns folgt einer Forderung von US-Finanzminister Timothy Geithner, wonach der IWF im Streit zwischen China und den Vereinigten Staaten um die Unterbewertung des Yuan aktiver werden soll.

 

Kursschwankungen vermeiden

Im Vorfeld eines Treffens der sieben führenden Industriestaaten (G7), das im Rahmen der IWF-Tagung in Washington stattfindet, forderte nun auch Japans Außenminister Fumihiko Igarashi eine bessere internationale Abstimmung, um Wechselkursschwankungen zu vermeiden. Diese nützten nur den Spekulanten, so Igarashi. Von den USA forderte er mehr Toleranz bei Währungsfragen, denn auch sie setzen auf eine Stärkung der Wirtschaft durch Exporte.

In dieselbe Kerbe schlägt EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, der es aber tunlichst vermied, von „Währungskrieg“ zu sprechen. Die Wechselkurse sollten sich an „fundamentalen Daten“ orientieren, stark schwankende Wechselkurse würden die Stabilität des globalen Finanzsystems gefährden.

 

Juncker: Euro ist überbewertet

Auch der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, meldete sich in Washington zu Wort: Der Euro sei seiner Ansicht nach überbewertet. Der aktuelle Wert von knapp 1,4Dollar sei nicht mit ökonomischen Daten gedeckt.

IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard sieht allerdings nichts Beunruhigendes in der aktuellen Euro-Entwicklung. Der Kurs sei wieder auf demselben Niveau wie vor der Krise. Allerdings forderte er eine raschere Aufwertung des Yuan: Er denke zwar, dass es Ziel der chinesischen Regierung sei, die Währung aufwerten zu lassen, doch die Welt sei darauf angewiesen, dass das schneller geschieht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2010)