Krenare Rugova erzählt über ihren Markteinstieg und erklärt, was Mode mit Unabhängigkeit zu tun hat. Für sie ist klar, dass sie im Kosovo bleiben will, auch wenn es bürokratische Hürden gibt.
[Prishtina]Als Krenare Rugova 2003 nach acht Jahren im Ausland in ihre Heimat Prishtina zurückkam, hatte sie zwei Dinge im Gepäck. Einen Abschluss in Modedesign einer New Yorker Universität. Und eine Idee: Sie wollte sich als Modeschöpferin selbstständig machen.
Ein Designstudio für Mode hatte Prishtina, damals noch serbische Provinz, noch nicht gesehen. Die Menschen im Kosovo seien üblicherweise zu Schneidern gegangen, erzählt die 30-Jährige in ihrem Showroom im Zentrum der Stadt, den Stoff habe man selbst mitgebracht. Krenare Rugova aber bot eigens entworfene Stücke an, eine Handvoll zunächst. „Zu Beginn mussten sich die Menschen überwinden, mir zu vertrauen“, erinnert sie sich.
Doch mit ihrem Label „Krenare Rugova“ gelang ihr der Markteinstieg. Vier Mitarbeiterinnen hat sie mittlerweile angestellt, Schneiderinnen und Näherinnen. Vielleicht, weil sie mit ihren Entwürfen einen bis dato unbekannten Zugang vermittelt: „In meiner Mode geht es darum, frei zu sein“, sagt die Mutter zweier Kinder. Die Kleidung der Kosovarinnen sei zu eng, zu schrill gewesen, findet sie.
„Man sah den Frauen an, dass ihnen Selbstbewusstsein fehlt.“ Rugovas Modelle sind „elegant, mit einem urbanen Touch, für Frauen, die Kleidung zum Arbeiten und Ausgehen brauchen“, wie sie sagt. 50 bis 60 Stücke umfasst eine Kollektion mittlerweile.
„Es ist gut, die Erste zu sein“
Ihre Kunden sind junge Frauen mit eigenem Einkommen, zwischen 25 und 45 Jahre alt, Frauen, „die wissen, was sie wollen“, wie sie sagt. Die Stücke kosten von 50 Euro (Bluse) bis zu 300 Euro (Abendkleid). Für Krenare Rugova ist klar, dass sie im Kosovo bleiben will, auch wenn es bürokratische Hürden gibt und die Jugendarbeitslosigkeit hoch ist. Für sie sei Prishtina ein gutes Pflaster, Rugova schwärmt von der Energie der Stadt.
Und tatsächlich, „made in Kosova“ steht stolz auf dem Etikett – nicht zuletzt dieses kreative Bekenntnis hat sie bekannt gemacht, als erste Modedesignerin des Landes. Rugova lacht: „Es ist immer gut, die Erste zu sein.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2010)