Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Agrar

Österreich will Soja-Importe bis 2030 halbieren

Ministerium und Landwirtschaftskammer stellen eine neue Eiweißstrategie vorgestellt. Der heimische Soja-Anbau soll forciert werden, stark eiweißhaltige Fütterung reduziert werden. Österreich ist bereits jetzt der fünftgrößter Soja-Produzent in EU.

Österreich soll bis 2030 den jährlichen Import von Sojabohnen und Sojaschrot um die Hälfte auf 250.000 Tonnen reduzieren. Gleichzeitig sollen der Sojaanbau weiter ausgebaut und die Tierfütterung mit Soja reduziert werden. Das geht aus der neuen Eiweißstrategie hervor, die Agrarministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) am Montag mit Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger und Donau-Soja-Obmann Matthias Krön präsentierte.

Soja ist ein wichtiger Eiweißlieferant und wird als Futtermittel für Schweine und Hühner eingesetzt und in der Nahrungsmittelproduktion zu Tofu, Sojamilch und Sojamehl verarbeitet. Die Bauern haben in Österreich die Sojaproduktion stark ausgebaut, die Anbaufläche hat sich seit 2010 mehr als verdoppelt. Der Bioanteil beträgt knapp 40 Prozent.

2019 und 2020 belief sich die Erntemenge hierzulande auf mehr als 200.000 Tonnen Sojabohnen, EU-weit liegt Österreich damit auf Rang fünf. Jeweils die Hälfte der österreichischen Sojaproduktion wird für Futtermittel und für die direkte menschliche Ernährung verwendet. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer soll heuer die Sojaanbaufläche um 10 Prozent auf 75.600 Hektar steigen.

Tierwohl rückt stärker in den Fokus

"Die verstärkte Unabhängigkeit von Soja-Importen ist daher eine der wichtigsten Zukunftsfragen der kleinstrukturierten Landwirtschaft", sagte Landwirtschaftsministerin Köstinger bei einer Pressekonferenz. "Weniger Importe von Soja aus Südamerika bedeuten Schutz der Regenwälder und weniger Raubbau an Natur und Umwelt." Für den Anbau von heimischen Soja und für eine stark eiweißreduzierten Fütterung werde man in der zukünftigen Gemeinsamen EU-Agrarpolitik mehr finanzielle Anreize setzen. In den nächsten Jahren sollen laut Köstinger beim AMA-Gütesiegel auch die Bereiche mehr Tierwohl und nachhaltige europäische Eiweiß-Futtermittel miteinander verknüpft werden.

Die Schweinemäster und die Hühnerfarmen in Österreich verwenden zumeist noch kostengünstiges Soja-Futtermittel aus Übersee. Eine Branchenlösung - ein kompletter Umstieg auf gentechnikfreies Soja aus Europa - ist für die Landwirtschaftskammer aus finanziellen Gründen derzeit nicht vorstellbar. Vom Lebensmittelhandel und den Agrarmärkten würden den Bauern die Mehrkosten dafür nicht abgegolten. "Das Ziel einer möglichst autonomen Eiweißversorgung tragen wir auch gerne mit, wenn die Rahmenbedingungen passen", sagte Kammerpräsident Moosbrugger.

Donau-Soja-Obmann Krön wäre eine Branchenlösung lieber, er versteht aber die Bedenken der Bauernvertreter. "Es gibt keine einfache Lösung des Themas. Wir haben uns vierzig, fünfzig Jahre daran gewöhnt, wie ein Süchtiger diese Sojabohnen aus Übersee zu brauchen für unsere Landwirtschaft", sagte Krön. "Der Umstieg ist ein Marathon."

Derzeit kämpfen die heimischen Eierbauern mit hohen Sojapreisen. Im Jahr 2013 wurde die österreichische Legehennenproduktion komplett auf gentechnikfreie Fütterung mit Soja aus der Donauregion umgestellt. Die Bauern müssten die Mehrkosten vom Handel bezahlt bekommen, so der Donau-Soja-Obmann. Der in Wien ansässige Verein Donau Soja setzt sich seit 2012 für die Förderung einer europäischen und nachhaltigen Sojaproduktion ein. Rund 800 heimische Betriebe vermarkten ihre Sojaernte unter der Marke Donau Soja.

Bauernbund von heimischer Soja-Produktion überzeugt

Der ÖVP-Bauernbund verwies in einer Aussendung auf die Umweltvorteile durch den Sojaanabau in Österreich. "Gerade mit regionalen und nachhaltig produzierten Eiweiß-Futtermitteln können wir aktiv zum Klimaschutz beitragen", so Bauernbund-Präsident Georg Strasser. "Nicht zuletzt verringert der Anbau von Eiweißpflanzen durch ihre Fähigkeit Stickstoff im Boden zu binden den Bedarf an Düngemitteln und trägt erheblich zur Verbesserung der Bodengesundheit bei", so Strasser.

"Hochwertige Lebensmittel verdienen sich einen fairen Preis - dafür braucht es Kostenwahrheit und Transparenz", so der Geschäftsführer des Handelsverbands, Rainer Will, Montagabend in einer ersten Stellungnahme zur präsentierten Eiweißstrategie. Nachhaltig produzierte Lebensmittel sollten "einfach zu erkennen und für alle Menschen leistbar" sein, auch für jene mit kleinerer Geldbörse. "Wir wollen nicht, dass unsere kleinstrukturierte österreichische Landwirtschaft durch Billig-Importe von Gen-Soja aus Südamerika noch stärker unter Druck kommt - daher unterstützen wir das Ziel, die Soja-Importe bis 2030 um die Hälfte zu reduzieren", betonte Will. Österreichisches bzw. europäisches Soja sei garantiert gentechnikfrei und für den Anbau würden keine Regenwälder abgeholzt. "Der Handelsverband hatte sich unter anderem aus diesem Grund auch explizit gegen das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen ausgesprochen."

(APA)