Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Mein Dienstag

Sag nicht „Endivie“ zum Chicorée!

Schinken dazu, mit Käse gratinieren, fertig ist der Gaumenschmaus.Die Presse/Clemens Fabry
  • Drucken

Drei erfreuliche Nachrichten aus dem fabelhaften belgischen Kulinarium.

Nun, da die Fußball-Europameisterschaft zu Ende ist, können wir uns auch hier in Belgien wieder den wichtigen Dingen des Lebens zuwenden, zum Beispiel dem Essen. Das spielt im gesellschaftlichen Leben dieses Landes eine erfreulich wichtige Rolle, und ich darf über drei in dieser Hinsicht positive Nachrichten Bericht erstatten. Erstens sind die heurigen Miesmuscheln aus der niederländischen Provinz Zeeland von einer seit Jahren nicht gesehenen Qualität. Vorige Woche kamen die ersten auf die Märkte und in die Fischgeschäfte Brüssels, und laut langjährigen Kennern dieser köstlichen Mollusken ist der verregnete Frühling in Nordwesteuropa der Grund für ihre heurige Exzellenz. Denn die starken Niederschläge spülten besonders viele Nährstoffe in die Deltas der Schelde und anderer Flüsse, die sich in die Nordsee vor Zeeland ergießen.

Zweitens, und wir bleiben kulinarisch und geografisch in dieser Ecke Europas, sind die ersten heurigen Matjes aus den Niederlanden gleichermaßen exzellent. Am 15. Juni kamen sie an, drei Tage nach dem heurigen traditionellen „Vlaggetjestag“ in Scheveningen, wo üblicherweise die ersten Fässer der eingelegten Heringe gefeiert werden (heuer fiel dieses Fest der Pandemie zum Opfer). Ich weiß, ich weiß: Matjes sind nicht jedermanns Sache. Ich mochte sie früher auch nie. Das liegt aber, denke ich, daran, dass man in Österreich so gut wie nie frische Matjes erstehen kann. Sollten Sie einmal doch in den Genuss kommen, schlagen Sie zu. Die sind butterweich, und mit frisch gehackten Zwiebeln und einer Scheibe Schwarzbrot ist das ein kleines Festmahl.

Dritte erfreuliche Fressaliennachricht – der Chicorée ist seit März Teil des Brüsseler Weltkulturerbes. Schließlich wurde diese Salatpflanze hier im 19. Jahrhundert erstmals gezüchtet. Persönlich finde ich sie gratiniert, mit Schinken, am besten. Doch Obacht: was wir auf Deutsch „Chicorée“ nennen, heißt auf Französisch „Endive“ – während unsere „Endivie“ (auch als Friséesalat bekannt) hierorts „Chicorée“ genannt wird.